13. Dezember 2009

Oh Tannenbaum mit eisgekühltem Bommerlunder

Groß war der Wunsch, endlich mal wieder ein Fußballfest mit Anne Castroper feiern zu können. Und welcher Gegner außer Dortmund Gelsenkirchen Bayern München eignet sich besser dazu, dass in dieser Saison wenig verwöhnte Heimspielherz in einen Rauschzustand zu versetzen. Meinen grenzenlosen Optimismus, vielleicht gegen die Bayern für das Heimspiel-Leid der vergangenen Monate entschädigt zu werden, teilten nicht wirklich alle. Unter anderem Luis Reichert reagierte auf meinen ZweckOptimismus mit der Ansage, der Samstag werde allenfalls bis 15:29 Uhr schön.

Rückblickend muss ich mir nun eingestehen: Luis Reichert hatte Recht! Denn pünktlich zum letzten Heimspiel vor der Winterpause und der Weihnachtszeit hatte sich der VfL Bochum 1848 für den Gast aus dem Alpenvorland etwas ganz besonderes einfallen lassen: Gänzlich ohne Gegenwehr und mit gehörigem Abstand als Zeichen des Respektes ließen die blau-weißen Halbgötter die Bayern auf dem heiligen Rasen des Ruhrstadions ihr Spiel aufziehen. Bis zur 23. Minute wussten die Bayern mit so viel vorweihnachtlicher Nächstenliebe der Bochumer nicht wirklich viel anzufangen. Doch dann nahm sich Mario Gomez ein Herz und setzte das Zeichen an seine rot-weißen Kollegen, die Bochumer Gastgeschenke nicht unhöflich abzulehnen. Da die Bayern die Bochumer Signale aber immer noch nicht richtig zu deuten wusste, platzte dem Bochumer Mergim Mavraj irgendwann der Kragen und verhalf den Münchenern mit einem Eigentor endgültig auf den Pfad der Tugend. Allen voran Ivica Olic erkannte nun die Zeichen der Zeit und brachte die Bayern mit einem Doppelpack (43. und 50. Minute) mit 4:0 in Front. Dass die Bayern nur noch auf 5:0 davon ziehen konnten, war Bochums Nummer 1 zwischen den Pfosten, Philipp Heerwagen, geschuldet. Offensichtlich hatte er die Bochumer Strategie des geringsten Widerstandes nicht durchblickt und verhinderte mit einigen Paraden das vorweihnachtliche Fest namens höchste Niederlage im eigenen Stadion seit Menschheitsgedenken. Vermutlich wird Heerwagen, der als einziger Bochumer Bundesliga-Niveau an diesem ScheißTag vorweisen konnte, für diesen Fehltritt noch einige Euros in die Mannschaftskasse fließen lassen müssen. Auch Christian Fuchs wird Heerwagen bei der Strafzahlung vermutlich Gesellschaft leisten müssen. Verwandelte er doch tatsächlich einen Freistoß in der 76. Minute direkt gegen den durchaus verwirrt dreinblickenden Bayern-Torwart. Gleichwohl dürfte die Strafe für Fuchs weitaus weniger hoch ausfallen als für Heerwagen. Denn man kann ja auch nicht erwarten, dass sich der Österreicher Fuchs an die Ruhrpott-Traditionen hält und ausgerechnet in der Weihnachtszeit Widerstand gegen die Bayern leistet…und das ausgerechnet an einem Tag, an dem das Bochumer Motto „Hier wo das Herz noch zählt!“ lautete…

Die Ostkurve honorierte Fuchs „Anschluss“treffer übrigens mit dem Gesang „Bayern wird nervös!“. Überhaupt die Ostkurve! Einmal mehr hat sie bewiesen, dass sie nicht eine aus pöbelndem Mob bestehende Masse ist. Denn nach dem 0:5 der Bayern passte sich die Kurve endlich der vorweihnachtlichen Grundstimmung der blau-weißen Halbgötter Versager auf dem Rasen an und lies mehrfach erfolgreich den Weihnachtsklassiker „Oh Tannenbaum“ durchs Ruhrstadion schwappen. Um den Hohn und Spott (auch über sich selbst) zum Ausdruck zu bringen, wurde der Support berechtigterweise komplett eingestellt und man amüsierte sich über sich selbst und versuchte ansatzweise an diesem deprimierenden Fußballsamstag die Fassung zu wahren. Dass hierfür eisgekühlter Bommerlunder und ein belegtes Brot mit Schinken dazu gehören, erklärt sich von selbst.

Mit dieser Selbst-Persiflage griff man allerdings schon mal vorbereitend dem zuvor, was einem nach diesem sportlichen Offenbarungseid in den nächsten Tagen in den Büros und auf den Fluren zu Recht erwarten wird: Hohn & Spott!

30. November 2009

Der Freitag, der ein Montag war!

Fangen wir mit dem Positiven an: Mit aktuell zwölf Punkten kann der VfL Bochum 1848 zwei Punkte mehr als in der Saison 2008/09 zur gleichen Zeit auf seinem Konto verzeichnen. Zum zweiten Mal blieb der VfL in dieser Saison zwei Spiele in Folge unbesiegt. Zum ersten Mal seit Menschheitsgedenken blieb der VfL sogar zwei Spiele in Folge ohne Gegentor.

Klingt doch eigentlich ganz vernünftig, wenn da nicht dieses trostlose Unentschieden im letzten Heimspiel gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt, dem 1. FC Köln, verbucht werden müsste. Einmal mehr ist es den blau-weißen Halbgöttern nicht gelungen, zu Hause einen überlebenswichtigen Dreier einzufahren. Zwar enttäuschte die Mannschaft nicht, was Einstellung und Kampfgeist betrifft, dennoch wirkten ihre spielerischen Unzulänglichkeiten bisweilen mehr als nur zermürbend auf das immer noch wohlgesonnene Publikum. Gegen eine Mannschaft, die angeschlagen ins Ruhrstadion reiste und deren Hierarchie nach internen Zerwürfnissen zerstört ist, gelang es dem VfL selten nicht, dass Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Dass der VfL zu Hause auf nur 40,7 Prozent Ballbesitz kam und auch bei den Torschüssen fünf weniger als der FC aufzuweisen hat, spricht eine deutliche Sprache und sagt im Grunde alles aus.

Obgleich VfL-Coach Heiko Herrlich mit Shinji Ono, Stanislav Sestak, Dennis Grote und Roman Prokoph vier sicherlich nicht untalentierte Offensivspieler zu Spielbeginn auf den heiligen Rasen schickte, kam der VfL gegen tief gestaffelte Kölner zu keinen zwingenden Torchancen. Stattdessen lies sich der VfL in der Anfangsviertelstunde von den Kölnern den Schneid abkaufen. Als Köln sich dann zurückzog und aus seinem Bollwerk heraus auf Fehler des VfL wartete, fiel dem VfL nichts Produktives mehr ein. Erst als Herrlich zur zweiten Halbzeit die Brecher Joel Epallé für Grote und Diego Klimowicz für Matias Concha brachte, erweckte es kurzzeitig den Eindruck, als könne sich der VfL eine Überlegenheit erarbeiten. Aber wirklich zwingend war das nun mit fünf Offensivspielern bestückte VfL-Team immer noch nicht. Abgesehen von einem Seitfallzieher von Sestak und einem nicht gegebenen Elfmeter nach einem Foul an Klimowicz kam der VfL zu keinen nennenswerten Torchancen. Ein Wort zum nicht gegebenen Elfmeter: sicherlich kann man lange darüber diskutieren, welchen Verlauf das Spiel genommen hätte, wenn Schiedsrichter Deniz Aytekin auf den Elfmeterpunkt gezeigt hätte. Doch das inzwischen nahezu jede Aktion des Argentiniers von den Offiziellen gegen ihn ausgelegt wird, verwundert nicht mehr, wenn man sich in Erinnerung ruft, wie schnell der 191 cm große und 91 kg schwere Klimowicz bisweilen zu Boden sinkt. Köln beschränkte sich zu diesem Zeitpunkt auf das Warten von Fehlern durch den VfL. Und unser Kapitän Marcel Maltritz hätte mit zwei haarsträubenden Aussetzern die Kölner beinahe noch belohnt. Doch waren die Kölner auf so viel Gastfreundschaft offensichtlich nicht wirklich vorbereitet und versiebten die Großchancen kläglich.

Anstatt eines packenden Abstiegskrimis sah das nicht ganz ausverkaufte Ruhrstadion einen extrem ermüdenden und langweiligen Kick, der wesentlich besser Montagabends um 20:15 Uhr im DSF aufgehoben wäre. Sicherlich sind die Punkteausbeute und die Spielanlage unter Herrlich noch nicht optimal. Was aber den Qualitätsjournalisten Joachim Droll von der BILD-Zeitung dazu veranlasst, nun eine Kampagne gegen Herrlich anzuzetteln, erklärt sich mir beim besten Willen nicht. Aber wahrscheinlich hat er es immer noch nicht überwunden, dass er mit seinem Geschreibsel den Arbeitsplatz des ehemaligen Bochumer Übungsleiters Marcel Koller nicht retten konnte…

Dass der Slogan „Fußballfans sind keine Verbrecher“ eine Lüge ist, haben die „Fans“ des VfL Bochum und des FC Köln hingegen am Freitag eindrucksvoll bewiesen. Arschlöcher Deppen sogenannte VfL-“Fans“ entblödeten sich nicht, ohne Rücksicht auf Verluste im eigenen Block bzw. in Block O einen Kanonenschlag zu zünden, der dann von den Ultras jubelnd zur Kenntnis genommen wurde. Man kann nur hoffen, dass diese Spinner identifiziert und mit einem Stadionverbot sanktioniert werden. Doch im Vergleich zu den hirnlosen rund 600 gewaltbereiten FC-Anhängern, kommen die VfL-Fans fast wie eine Krabbelgruppe daher. Denn diese Idioten FC-Fans Hooligans fühlten sich dazu animiert, nach Auseinandersetzungen auf dem Weg zum Stadion eben dieses Stürmen zu wollen. Resultat dieser Vorkommnisse, wie es in Polizeiberichten so schön heißt, sind neun verletzte Menschen, zwei davon schwer. So soll nach Informationen des VfL ein Ordner schwere innere Verletzungen (unter anderem an der Milz), ein weiterer Knochenbrüche und eine Schultereckgelengssprenung davon getragen haben. Einer der weiteren Verletzten war ein Polizist. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich ungerne an die drakonische, aber berechtigte Strafe des DFB-Sportgerichtes gegen den VfL Bochum, der nach Ausschreitungen seiner Anhänger in Bielefeld einhergehend mit einer lebensgefährlichen Verletzung eines Bielefelder Ordners neben einer ordentlichen Geldstrafe auch eine Stehplatzsperre bei einem Heimspiel des VfL verhängte. Es bleibt zu hoffen, dass das DFB-Sportgericht – will es sich nicht lächerlich machen – nun zu einem ähnlichen Strafmaß auch beim FC Köln kommt. Schon alleine, damit die bis dato jubelnde schweigende Masse bei solchen Eskalationen endlich einmal die Fresse aufkriegt…

9. November 2009

Eric Cantonas Grußbotschaft an die Spieler des VfL Bochum 1848

For too long we let liars and cheaters make a fool of the game!

I am here to remind the word that this game is about skills…heart…honor…joy…team spirit…

Play beautiful!

8. November 2009

Blau-weiße Abschiedstour

Dunkle Erinnerungen an ein Spiel des VfL Bochum 1848 gegen einen Verein aus der wallonischen Region Belgiens ereilten mich gestern Abend um 17:17 Uhr im Ruhrstadion, nachdem der SC Freiburg in der Nachspielzeit den 1:2 Siegtreffer erzielen konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der VfL zumindest einen Punkt gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt in der Tasche. Doch in guter alter Bochumer Tradition schafften es die blau-weißen Halbgötter Deppen erneut, sich mit amateurhaften Fehlern selbst um die dringend erforderlichen Punkte zu bringen.

Angesichts der blau-weißen Fehlerquellen war die Verpflichtung des ehemaligen Jugendtrainers Heiko Herrlich vielleicht gar nicht so eine dumme Idee. Eventuell schafft gerade er es, den ausgewachsenen VfL-Spielern zu vermitteln, dass man bei einer gegnerischen Ecke einen gegnerischen Spieler nicht völlig ungedeckt an der Strafraumgrenze stehen lässt und sich so das 0:1 in der 23. Minute einfängt. Eventuell kann er seiner Mannschaft sogar erklären, dass das Spiel erst unterbrochen ist, wenn der Schiedsrichter pfeift und man anstatt zu lamentieren einfach weiterspielt. Denn so könnte man unter Umständen weitere Gegentore wie den Freiburger Siegtreffer in der 92. Spielminute unterbinden.

Aber das ist alles nur Theorie und würde in der Umsetzung den blau-weißen Malocher Zuschauer auf dem heiligen Rasen des Bochumer Ruhrstadions wahrscheinlich überfordern. Denn im Gegensatz zum Anhang muss es den Spielern des VfL Bochum offensichtlich irgendwie Spaß machen, sich dumme Gegentore zu fangen, irgendwann dann über den Kampf in das Spiel zurückzufinden und den Ausgleich zu erzielen. Sicher, so kann man auch auf einfache Art und Weise das Publikum zurückgewinnen und muss nicht das eigentlich berechtigte Pfeifkonzert über sich ergehen lassen. Nur dieses Mal ging die Strategie dann doch nicht auf. Am Ende stand man mit leeren Händen vor der Ostkurve und versuchte Mitleid zu erhaschen, weil der böse promovierte Jurist aus München dem VfL einen regulären Treffer aberkannte und zudem ein Handspiel der Freiburger übersehen haben soll.

Es ist natürlich auch einfacher, sich über Fehler anderer aufzuregen und das Verletzungspech zu beklagen anstatt sich an die eigene Nase zu packen und ein weiteres Kapitel der blau-weißen Abschiedstour aus dem fußballerischen Oberhaus einzugestehen. Sicherlich war erstmals eine Handschrift des neuen Trainers zu erkennen und zweifellos waren vereinzelt gute Ansätze im Spielaufbau sichtbar, aber Ansätze reichen nun mal nicht aus, um abermals die Klasse halten zu können. Was zählt sind die Punkte und um die bringt sich die Mannschaft mit ihren kontinuierlich zu Tage tretenden Unzulänglichkeiten immer wieder selbst.

Die Zeit der Ausreden und Ausflüchte sollte nun vorbei sein und stattdessen konstatiert werden, dass dem aktuellen Kader die Qualität fehlt, um in der 1. Bundesliga bestehen zu können. Man kann nur noch hoffen, dass der VfL bis zur Winterpause nicht bereits komplett den Anschluss verliert und dann der Kader durch Neueinkäufe wettbewerbstauglich gemacht wird. Dies setzt allerdings voraus, dass die Niederlage in letzter Minute gegen Freiburg der Mannschaft nicht das moralische Genick gebrochen hat und der Lütt***-Effekt, der zumindest in meinen Hirnwindungen sein Unwesen treibt, ausbleibt.

2. November 2009

„Private Angelegenheit“ – Ein Netzfundstück über die Probleme eines VfL Bochum-Fans!

Diese gefühlvollen Gedanken des Westline-Users „Albracht“ über seine „Beziehung“ habe ich so eben im VfL-Forum bei Westline entdeckt! Und einmal mehr bewahrheitet sich die Aussage des unvergessenen Bill Shankly „Einige Leute halten Fußball für einen Kampf um Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es viel ernster ist!“

ich bin jetzt seit 18 monaten mit meiner freundin zusammen. ich kannte sie schon vorher. sie war schon immer nett, aber nie wirklich auffällig. vor 18 monaten ist es dann passiert und irgendwie bin ich da so reingerutscht..jetzt sind wir ein paar. in letzter zeit habe ich aber immer mehr zweifel, ob sie die richtige für mich ist. ich finde sie zunehmend langweiliger, sie trägt zu einem schönen zusammenleben nicht viel bei. sie ist einfach nicht der typ, mit dem man gerne zeit verbringt und mit dem man nach vorne in eine gute zukunft gucken kann. manchmal habe ich sogar das gefühl, sie hält mich in meinem leben auf. ich könnte so viel machen, mich weiterbringen, aber sie lähmt mich. jetzt weiß ich gar nicht mehr, ob ich überhaupt noch was anderes kann oder jemand anderes sein kann. ich habe das gefühl in der gesellschaft einen schritt nach unten in die bedeutungslosigkeit gemacht zu haben. ich komme ungern nach hause, was hätte ich in den letzten monaten alles erleben können, wen ich nicht mir ihr zusammen gewesen wäre? diese frage ist mein ständiger begleiter, wenn ich ihre zahlreichen immerwiederkehrenden unfähigkeiten beobachte. bekannte, die früher ne dauerkarte für meinem küchentisch hatten, haben sich von uns abgewandt, meine freundin sei keine bereicherung für eine clique, und was wolle ich mit ihr überhaupt..sie sei doch gar nicht mein typ, ich sei doch viel aktiver.

aber sie ist nicht böse, und sie ist treu, schließlich profitiert sie ja von meinem vermögen und partizipiert. deswegen meckert sie auch nicht und macht kaum den mund auf. aber sie bringt mich immer wieder in unangenehmlichkeiten, sie erscheint teilweise taktlos, unerfahren und wenig kommunikativ..das sind alles keine rosigen aussichten für meine ziele und vorstellungen vom leben.

was ratet ihr mir? notbremse ziehen und neuen schwung in mein leben bringen? vielleicht finde ich ja mal ein mädchen mit einem richtigen plan?

2. November 2009

L’équipe est mort, vive l’équipe!

Mit der so genannten Heroldsformel wurde im monarchischen Frankreich stets der Tod des alten Königs bekanntgegeben und zeitgleich der neue König ausgerufen. Ein neuer König ist beim VfL Bochum 1848 sicherlich noch Lange nicht in Sicht. Doch erfüllte diese Formel nicht nur den Zweck der Proklamation. Sie war auch ein Zeichen der Kontinuität. Diese Kontinuität hat der VfL Bochum bei seiner gestrigen 2:1 Niederlage in Frankfurt einmal mehr an den Tag gelegt und den Einstand des neuen VfL-Cheftrainers Heiko Herrlich ordentlich versaut. Neben dem ernüchternden Ergebnis sprechen auch die nackten Analysen für sich: gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt kam der VfL lediglich auf 31,8 Prozent Ballbesitz (die niederschmetternden 16 Prozent zwischen der 6. und 15. Spielminute seien nur am Rande erwähnt) und armselige fünf Torschüsschen (davon den ersten in der 70. Minute).

Wer dachte, die Verpflichtung von Herrlich am vergangenen Dienstag würde der Mannschaft Flügel verleihen oder zumindest dafür Sorge tragen, dass sich die Spieler im ersten Pflichtspiel unter Herrlich den Arsch aufreißen, um sich für weitere Aufgaben zu empfehlen, sah sich nach dem charakterlosen Auftritt bei der Frankfurter Eintracht eines besseren belehrt. Selbst bisherige Leistungsträger wie Philipp Heerwagen ließen sich von dem mutlosen Auftritt einlullen und zu Fehlern animieren. Doch im Gegensatz zu seinen zehn „Freunden“ auf dem Platz, ist Heerwagen zu Selbstkritik in der Lage („Einer, der in der Bundesliga spielt, muss den halten“) und versucht sich nicht im kollektiven Versagen zu verstecken. Diesen Weg beschreiten wiederum die restlichen zehn blau-weißen Halbgötter Versager. Anstatt sich endlich einmal selbstkritisch zu hinterfragen, wieso man keinen Ball vernünftig annehmen und einen sicheren Paß über fünf Meter spielen kann, flüchtet man in das kollektive „Wir-Gefühl“ des Scheiterns. Wobei diese Strategie ja durchaus aus persönlicher Sicht nachvollziehbar ist. Denn so kann man geschickt die Frage nach der eigenen Daseinsberechtigung in der Startformation umgehen. Und diese Frage ist nicht nur nach dem gestrigen Spiel mindestens bei Christoph Dabrowski, Marcel Maltritz und Joel Epallé angebracht. Zweifellos haben sie bisweilen in der Vergangenheit ihre Leistungen gebracht, aber aktuell muss man konstatieren, dass sie sich zumindest in einer Schaffenskrise befinden und mit ihren individuellen Fehlern dem Spiel des VfL – positiv formuliert – im Wege stehen bzw. es zusätzlich erschweren.

Sicherlich kann man von Heiko Herrlich nach vier Trainingstagen keine Wunder erwarten. Das tut vermutlich auch niemand. Allenfalls kann man seine Aufstellung ein wenig kritisch hinterfragen und sich wundern, warum der sich seit einigen Wochen stetig steigernde Slawo Freier auf der Bank Platz nehmen musste und dafür Epallé wieder in die Startelf rutschte, wieso ein Dennis Grote die gefühlte 999. erneute Bewährungschance kommt etc.? Dass der Spielaufbau des VfL ein Griff ins Klo ist, daran hat man sich inzwischen gewöhnt. Gleichwohl kommt dabei die Frage auf, wieso man es vor diesem Hintergrund mit zwei „Konterstürmern“ versucht und den bis dato „erfolgreichstem“ VfL-Stürmer Diego Klimowicz den Platz auf der Bank zuweist?

Dieser Katalog könnte endlos fortgeführt werden. Doch liegt es ein wenig auf der Hand, dass Herrlich nach vier Tagen die Mannschaft nicht personell umkrempelt. Allerdings sollte der gestrige Auftritt Herrlich dazu motivieren, am Samstag im heimischen Ruhrstadion gegen den SC Freiburg eine personell stark veränderte Mannschaft ins Rennen zu schicken. Dass der derzeitige Leistungsstand des Kaders (und auch einige Spieler) nicht wettbewerbsfähig sind, ist inzwischen bekannt. Doch bleibt die Hoffnung, dass sich noch Spieler finden lassen, die sich für den VfL den Arsch aufreißen und für den Klassenerhalt malochen anstatt sich verstecken. Klar ist aber auch, dass es in der Winterpause Neuverpflichtungen und Verkäufe geben muss, will man in der nächsten Saison nicht gegen Augsburg, Paderborn und Cottbus spielen.

Und um den roten Faden der Kontinuität wiederzufinden: Dank des beherzten Einsatzes von Shinji Ono, der sich binnen 60 Sekunden die gelb-rote Karte verdient hat und die Frage in dem Raum wirft, zu wie viel Dummheit man in 90 Minuten in der Lage ist, WENN man ein blau-weißes Trikot trägt, hat der VfL die Spitzenposition in der Fairplay-Tabelle als Letzter zurückerobert. Somit befinden wir uns nicht nur leistungsmäßig und punktetechnisch exakt auf Vorjahresniveau, sondern auch beim Sammeln von gelben und roten Karten. Lediglich Tabellenstand und Tordifferenz sind dann doch noch schlechter als in der vergangenen Saison nach dem 11. Spieltag. Chapeau!

25. Oktober 2009

Unten auf dem Rasen…

…da sage noch so ein selbst ernannter Fußballexperte, die Fans des VfL Bochum 1848 hätten die Realität aus den Augen verloren. Dieser selbst ernannte Fußballexperte möge mir zeigen, bei welchem anderen Verein es bei einem Stand von 1:4 noch Standing Ovations für die Mannschaft gibt. Mit Werder Bremen hat heute im Ruhrstadion die Mannschaft mit der besseren Qualität gegen die Mannschaft mit mehr Leidenschaft gewonnen – leider! Dennoch: Hut ab vor den blau-weißen Halbgöttern diesseits und jenseits der Außenlinie! So kann und muss es weitergehen! Selten zuvor war ich nach einer vermeintlich so klaren Niederlage so stolz wie heute, Fan des VfL Bochum zu sein. Es bleibt zu hoffen, dass solch eine Leistung auch gegen die direkten Konkurrenten um den Klassenerhalt abgerufen wird. Und vielleicht agiert der VfL dann auch mal mit einer Abwehr, die ihren Namen verdient. Dann könnte es in der Tat lauten: 9 Punkte aus den Spielen gegen Frankfurt, Freiburg und Köln!

18. Oktober 2009

Die Null, die Leiden schaft

Nach zwei Derbyniederlagen gegen Schalke 04 bestand für die blau-weißen Halbgötter des VfL Bochum 1848 binnen zwei Monaten die Möglichkeit, mit einem Sieg im B1-Derby bei der Dortmunder Borussia das Seelenleben der blau-weißen Anhängerschaft wieder einigermaßen auszugleichen. Doch wie so oft bei Auswärtsspielen am Rande des Sauerlandes rutschten der Bochumer 11 das Herz mal wieder in die Hose und so verlor man völlig verdient mit 2:0 gegen den BvB. Aus drei Derbys verbucht der VfL nun null Punkte und 0:8 Tore. Vielleicht sollten die blau-weißen Halbgötter angesichts dieser Bilanz mal den Weg zu Arbeitsstätten innerhalb und am Rande des Ruhrgebiets nach so einem Wochenende aufsuchen, so dass sie spüren, welche Auswirkungen und Leiden ihr Auftreten mit sich bringt.

Bisweilen nahtlos knüpfte der Bochumer Auftritt in Dortmund an leidenschafts- und mutlose Auftritte unter Marcel Koller an, so dass mir zur Halbzeitpause fast schon ein „Koller raus!“ aus dem Mund gerutscht wäre. Doch Koller musste ja bereits seinen Hut nehmen und so konnte man allenfalls nur noch Mitleid haben: Mitleid mit Interimscoach Funny Heinemann, der bis dato die Elf immer bestens auf die Partien vorbereitet hatte und Mitleid mit dem ballführenden Bochumer Spieler – so er ihn denn überhaupt kontrolliert bekam -, denn der war die ärmste Sau auf dem Platz. Abwehr- und Angriffsverhalten sind bewusst von jeder Kritik befreit, denn was nicht stattfindet, kann auch nicht kritisiert werden. Kritisiert werden kann allerdings die immer wieder offen zur Show getragene Unzulänglichkeit einiger Spieler, die es immer wieder in die Startformation schaffen. Vielleicht mögen sie Trainingsweltmeister sein (das kann ich nicht beurteilen), aber ihre allwöchentliche „Leistung“ auf dem Platz rechtfertigt das immer wieder erneut geschenkte Vertrauen schlichtweg nicht mehr. Denn wie wusste bereits Weltmeistertrainer Sepp Herberger zu analysieren: Was zählt, ist auf dem Platz! – und da kommt – positiv formuliert – nichts.

Musste man noch vor wenigen Wochen konstatieren, dass der VfL auf der Torwartposition nicht bundesligatauglich ist, hat sich diese Situation inzwischen vom Kopf auf die Füße verlagert. Mit Philipp Heerwagen und Andreas Luthe verfügt der VfL Bochum nun über zwei Torhüter, die beide zu den besseren Vertretern ihrer Klasse in der 1. Bundesliga gehören. Gleichwohl offenbaren die Mängel im Spielaufbau und im Defensivverhalten, dass der VfL, um in der Bundesliga mithalten zu können, unterdurchschnittlich besetzt ist. Wem diese Mängel bei der Transferpolitik letztendlich anzulasten ist, sei an dieser Stelle hinten angestellt. Fakt aber ist, dass dringend Nachbesserungsbedarf besteht. Denn mit dem Spielermaterial wird weder ein Marcel Koller, ein Frank Heinemann noch der vakante neue Cheftrainer die Klassen halten können. Und bei allem Respekt vor den Ambitionen des Vorstandes, mittelfristig schuldenfrei zu sein, aber wem bringt es etwas, wenn der Schuldenstand null beträgt, wenn man dann in der 2. Liga gastiert. Mit Blick auf die Verschuldung anderer Bundesligisten und dem wirklich lobenswerten Kassenstand beim VfL Bochum bleibt zu hoffen, dass (mehr) Geld für erforderliche Neuverpflichtungen bereitgestellt und mehr Risiko bei Spielerverpflichtungen eingegangen wird. Denn einen Wettbewerbsvorteil verschafft man sich im Profifußball nicht durch ausgeglichene Bilanzen, sondern auch hier gilt Herbergers Leitspruch: Was zählt, ist auf dem Platz!

4. Oktober 2009

Funny und die Trabentenstadt

Immer wieder wird der VfL Bochum 1848 zu Recht mit den beliebten Freunden aus einem gallischen Dorf in Armoricae vergleichen. Und immer wieder muss man feststellen, dass der Vergleich stimmt! Während ganz Fußball-Deutschland entweder kurz vor der Pleite steht oder am Tropf wohlgesinnter Gönner hängt, bietet der VfL dem eingekauften Erfolg Jahr für Jahr die Stirn und leistet mit bescheidenen Mitteln erbitterten Widerstand. Nun ja, dass mit dem erbitterten Widerstand geriet mit dem Druiden Koller ein wenig in Vergessenheit. Offensichtlich fand er einfach nicht die richtige Rezeptur. Daher wurde der Druide aus dem fernen Helvetia auch durch einen einheimischen Druiden ersetzt, der auf den lustigen Namen Funny hört und gemeinsam mit seinem kleinen Freund Dariusz das Originalrezept für den Zaubertrank wieder entdeckte. Mit Hilfe dieses Tranks können die Einwohner des von unbeugsamen Bochumern bevölkerten Dorfes mit Leidenschaft, Einsatzwillen und Kampfgeist – bisweilen blitzt sogar ansehnlicher Fußball hervor – nun wieder erbitterten Widerstand gegen die Eindringlinge des Fußballs leisten.

Druide Funny bringt Lahme zum Gehen: VfL Bochum 1848 - VfL Wolfsburg 1:1

Druide Funny bringt Lahme zum Gehen: VfL Bochum 1848 - VfL Wolfsburg 1:1

Eine dieser dunklen Mächte hatte sich nun wieder die Festung im Ruhrgebiet als Opfer ausgespäht und wollte mit ihren Söldnern die Bochumer überfallen und diesen die so lebensnotwendigen drei Punkte klauen. Doch hatten die als „Wölfe“ verschrieenen Gäste aus der germanischen Provinz Niedersachsen die wundersamen Kräfte des Tranks von dem Druiden Funny unterschätzt. Zweifellos waren die Wölfe den tapferen Bochumern waffentechnisch überlegen, doch verlieh Funnys Zaubertrank seinen elf wacker kämpfenden Mannen nicht nur jene Tugenden, die in diesem Dorfe so viel gelten, sondern konnte damit auch die vermeintlichen Vorteile der Wölfe kompensieren. Allen voran Andreas Luthe verhinderte mit seinem Schild so manch wütende Attacke der Wölfe und konnte sich jederzeit darauf verlassen, dass seine Vorderleute Marcel Maltritz und Anthar Yahia mit allen geduldeten körperlichen Mitteln die im eigenen Tor sicher versteckten Punkte verteidigten. Selbst die Ausfälle der verwundeten kampferprobten Krieger Philipp Heerwagen, Philipp Bönig, Daniel Imhof, Dennis Grote, Stanislav Sestak und Diego Klimowicz fielen an diesem Tage nicht sonderlich ins Gewicht. Denn die Rezeptur von Funnys Trank stimmte und der herbei geeilte Freund des Bochumer Dorfes aus der Provinz Austria (Christian Fuchs) bediente den Kampfgefährten aus dem fernen Morgenland (Vahid Hashemian) mustergültig, so dass sich die Bochumer in der 53. Minute sogar einen Vorteil verschaffen konnten. Doch schwächte der etwas übereifrige Gefährte aus der Provinz Nippon (Shinji Ono) daraufhin seine Kameraden, indem er zu unlauteren Mitteln griff und von dem als unabhängiger Beobachter herbei gerufenen Dr. Jochen Drees des Feldes verwiesen wurde. In Unterzahl glitt den tapferen Bochumern die Schlacht immer mehr aus den Händen und die Wölfe konnten zum letztendlich verdienten Remis ausgleichen. Gleichwohl muss angemerkt werden, dass dieser vermeintlich unabhängige Beobachter offenbar mit der gleichen Kutsche wie die Wölfe angereist sein muss. Denn als tatsächlich „unabhängiger“ Beobachter zeichnete er sich nicht wirklich aus. Unabhängig davon, dass er das Abseitstor von Slawo Freier berechtigterweise nicht gab und auch auf den Betrugsversuch von Joel Epallé nicht rein fiel, leitete er die Schlacht zu Gunsten der Wölfe doch sehr kleinlich, was in dem Verweis unseres Druiden Funny gipfelte.

Tatkräftig unterstützt wurde die Bochumer Einsatztruppe in ihrer Auseinandersetzung mit den Wölfen durch die Einheimischen der Perle Westfalens, die lautstark ihre Mannen immer wieder nach vorne Peitschten und sich einfach nicht geschlagen geben wollten. Allen voran weil die Bochumer Einheimischen in den letzten Wochen nach dem Sturz des helvetischen Druiden Koller immer wieder ungerechtfertigt (wieso, weshalb, warum > klick!) kritisiert wurden, wäre ein wenig mehr selbstkritische und objektive Berichterstattung der anwesenden Feldreporter über die Fans des VfL vielleicht sinnvoll gewesen. Denn nach den jüngsten lebhaften Auftritten in den Auseinandersetzungen mit Schalke, Nürnberg und nun auch mit den Wölfen müsste eigentlich dem Letzten deutlich geworden sein, dass der Druide Koller wohl nicht zu Unrecht aus dem Dorf gejagt und ersetzt wurde. Doch anstatt sich die Stimmen der Einheimischen zu Gemüte zu führen (klick, klick, klick) oder auf die Fachpresse zu hören (klick), ließ sich der Hofberichterstatter der ARD dann doch zu dem Kommentar „Die überkritischen Bochumer Fans jubeln wieder; nach zwei Spielen ist jeder Unmut vergessen“ hinreißen und bestätigte mich in der Auffassung, dass die konsequente Nichtbeachtung der von Fußballberichten gestörten Werbesendung namens Sportschau doch nicht die falsche Entscheidung war/ist.

23. September 2009

Hurra, wir leben noch (als Mückenstich in der Bundesliga)!

Wenn man binnen 37 Tagen zwei Mal eine 0:3-Klatsche gegen den benachbarten Reichsrekordmeister aus einem Gelsenkirchener Stadtteil erhält, wird die Leidensfähigkeit eines VfL-Fans massivst geprüft. Nachdem man bereits im grauen Ligaalltag in der Gelsenkirchener Turnhalle mit 3:0 unterging, bestand in der zweiten Runde des DFB-Pokals im heimischen Stadion an der Castroper Straße kurzfristig die Chance zur Wiedergutmachung. Wiedergutmachung wäre auch angebracht gewesen: hatte man sich nicht nur sportlich „auf Schalke“ blamiert, machte man sich dort auch mit gänzlich hässlichen Trikots nicht nur zum Gespött der Liga, sondern auch zum Gespött der Medien sowie von Freunden und Bekannten. Wiedergutmachung stand aber auch nach der jüngsten Heimpleite gegen den FSV Mainz 05, die zu intensiven Fanprotesten führte, auf der Tagesordnung.

Wird die Entlassung des ehemaligen Bochumer Übungsleiters Marcel Koller in diesen Kontext gesetzt, hat zumindest die Vereinsführung erste Schritte zur Wiedergutmachung eingeleitet. Am Sonntag wurde das „System Koller“ zumindest personell geschröpft, ob die offensichtliche Interimslösung mit Frank Heinemann und Dariusz Wosz allerdings auch das „System Koller“ vom Rasen und aus den Köpfen der Spieler kriegen konnte, wurde bis zum Anpfiff erhofft. Blieben doch Funny und der Zaubermaus gerade einmal 48 Stunden Zeit, um die Mannschaft nach der berechtigten Fanschelte und den bis dato gelinde gesagt emotionslosen und fußballerisch armen Auftritten der letzten Wochen auf das Derby gegen die Zahnlosen vorzubereiten.

Als zweiter Akt der Wiedergutmachungsstrategie muss der Wechsel der Trainerbank betrachtet werden. Um mehr Nähe zu den Fans zu symbolisieren, wurde kurzerhand die Trainerbank gewechselt. Auch personell zogen Heinemann und Wosz Konsequenzen und platzierten für den allzu oft enttäuschenden Daniel Fernandes Andreas Luthe zwischen den Pfosten des Bochumer Tores und für den Verletzten Mimoun Azaouagh spielte mal wieder U21-Nationalspieler Dennis Grote von Anfang an. Ansonsten beließen es die beiden Interimstrainer bei den üblichen Verdächtigen in der Startelf. Sicherlich kann man dies kritisieren, muss andererseits aber auch feststellen, dass sich in den letzten Wochen im Grunde niemand außer vielleicht Andreas Johansson für die erste Elf aufgedrängt hat. Auch kann man sicherlich und vielleicht auch nicht gänzlich zu Unrecht einen Wechsel des Spielsystems fordern. Doch muss dabei auch die Frage beantwortet werden, wie eine solche Änderung des Systems in zwei Trainingseinheiten hätte einstudiert werden können und sollen. Insofern mussten Heinemann und Wosz aus den Gegebenheiten das Beste rausholen und betrachtet man zumindest die Einstellung und das Engagement der Mannschaft muss man festhalten, dass ihnen dies auch gelungen ist.

Doch weder spielerisch noch taktisch konnte der VfL Bochum 1848 gegen Magaths Knappen mithalten und Kampf allein reicht gegen einen deutlich überlegenen Gegner einfach nicht aus. Dies gilt umso mehr, wenn man Offensiv so harmlos ist wie ein Mückenstich: es nervt das vermeintliche Opfer vielleicht ein bißchen, aber Gefahr strahlt es nicht aus – so wie auch die Bochumer Offensivbestrebungen. Wenn man dann auch noch in der Abwehr nicht sattelfest ist, gewinnt man halt auch keine Spiele!

Apropos Felix Magath: Zu was ein Trainer in der Lage sein kann, offenbart Magath mit seiner Arbeit bei den Nachbarn. Offensichtlich kann er wirklich aus Scheiße Gold machen. Und so was könnten wir in Bochum mit Blick auf die personellen Möglichkeiten derzeit auch sehr gut gebrauchen. Rächen tut sich derweil die Einkaufspolitik der vergangenen Monate. Dringend muss ein weiterer bzw. endlich ein Mittelstürmer sowie ein Spielgestalter eingekauft werden. Und nach gestern habe ich dann auch verinnerlicht, wie wichtig doch tatsächlich Azaouagh für die Mannschaft ist. Auch wenn er mit seinem Ich-renne-jetzt-in-drei-Mann-Prinzip mir oftmals die letzten Nerven raubt, habe ich ihn gestern tatsächlich vermisst. Denn im Gegensatz zu Joel Epallé, dessen technischen und taktischen Unzulänglichkeiten einfach nicht mehr zu kompensieren sind, bringt er bisweilen zumindest einen Mehrwert für den VfL mit sich.

Wenn man etwas Positives aus der gestrigen Schlappe ziehen will, ist zumindest das Fazit „Wir leben noch!“ erlaubt. Denn aufm Platz hat die Mannschaft zumindest gezeigt, dass sie gewillt ist – es aber derzeit (noch) nicht kann. Und wenn zumindest die Schalker ergebnistechnisch nicht vermöbelt wurden, haben sie wenigstens ordentlich einen auf die Socken bekommen. Wobei man an dieser Stelle sagen muss: so lange die Schalker noch ausreichend Geld für die Schiedsrichter haben, kann es ihnen finanziell nicht so schlecht gehen! Auch die Fans haben nach der einhelligen Medienschelte gestern bewiesen, dass sie hinter der Mannschaft, hinter ihrem VfL stehen. Zumindest bis zum zwischenzeitlichen 0:2 habe ich einen Support erlebt, den ich in dieser Form und dieser Lautstärke zumindest schon länger nicht mehr wahrgenommen habe. Aber eines, liebe Ultras, muss bei aller Abneigung gegen den FC Sch**** 04 wirklich nicht sein: die Beschimpfung einzelner Spieler als „Zigeuner“.