Verfasst von: Andreas Wiemers | 29. November 2012

“Wenn sie ein Bild von der Zukunft haben wollen, so stellen sie sich einen Stiefel vor, der auf ein Gesicht tritt – unaufhörlich.”

Nun hat die DFL Butter bei die Fische gegeben und die Anträge für die Mitgliederversammlung am 12. Dezember 2012 veröffentlicht. Unter dem Deckmantel größtmöglicher Transparenz soll nun verhüllt werden, dass diesem Prozess mindestens ein Kommunikationsgau vorausgegangen ist. Denn ein im vorauseilenden Gehorsam abseits der Öffentlichkeit erstelltes Sicherheitskonzept wurde vorab bereits zerpflückt und hat dazu geführt, dass die DFL ordentlich zurückrudern musste. Nicht nur die Fans zeigten dem Verband mehr oder minder deutlich den Vogel, auch ein Großteil der in der DFL organisierten Vereine wendete sich von den big brothers des Frankfurter Syndikates ab.

Zwar ist der gröbste Unfug aus der sicherlich nicht freiwillig überarbeiteten Sicherheitspapiervariante verschwunden und spielt bei den Überlegungen, Fußball zu einem kanten- und konturlosen Massenevent verkommen zu lassen, vorerst keine Rolle mehr, aber auch ohne diesen Frontalangriff auf die Fankultur enthält das Antragspaket der DFL ausreichend Maßnahmen, um Fans das Stadionerlebnis ordentlich zu versauen.

Auch wenn die DFL sich selbst lobpreist, die Vollkontrollen nun doch nicht weiter zu verfolgen und die ganze Diskussion darüber doch nur Produkt eines bedauerlichen Missverständnisses sein soll (zwischen einem von Männern geführten Verband und mehrheitlich männlichen Fans – Ja nee, is klar), bieten die nun vorliegenden Anträge ausreichend Gestaltungsspielraum, um zukünftig eben diese Vollkontrollen doch durchführen zu lassen. So soll in Paragraph 22 die gänzlich undefinierte und alles bedeuten könnende Lageabhängigkeit als türöffnendes Element eingefügt werden. Den Zeltplatz vor dem Gästeeingang will man wohl dadurch ermöglichen, dass die Kontrolleinrichtungen “angemessen” sein sollen. Wird diese Ergänzung in Relation mit dem in Paragraph 32 ebenfalls neu eingeführten Punkt “Durchführung von verstärkten Personenkontrollen” bei Spielen mit erhöhtem Risiko gebracht, kann jeder, der bei der Rechnung eins plus eins auf zwei kommt, erahnen wohin die Reise gehen soll. Der Schlachtruf “Eins, zwei, drei Oberkörperfrei” dürfte dann keine Maßnahme beim Zelebrieren eines Sieges mehr sein, sondern schon vor Spielbeginn als nicht freiwillige Maßnahme auf der Agenda stehen und um “Hose runter” ergänzt werden… Gespannt wird man auf das Gejammer der GdP bei dieser Frage warten können, denn eigentlich müsste ja die ohnehin schon überforderte Polizei solche Kontrollen durchführen. Eigentlich… Aber eigentlich sind Fußballspiele ja auch statistisch und gefühlt sichere Veranstaltungen. Eigentlich zählt derzeit nur leider nicht allzu viel…

Neben dieser verstärkten Personenkontrolle plant die DFL bei Risikospielen zudem die Begrenzung des Ticketverkaufs vom Steh- auch auf den Sitzplatzbereich auszudehnen. Die Entscheidung darüber fällt dann der Heimverein, der nicht nur die umzusetzenden Maßnahmen schriftlich begründen muss, sondern ebenso schriftlich darzulegen hat, warum er auf mögliche Maßnahmen wie Ticketreduzierung verzichtet. Ein Schelm wer Böses denkt, wenn Verwaltungsaufwand selbst bei unterlassenen Maßnahmen anfällt.

Dass die DFL vom Verhaltenskodex vorerst abgerückt ist, ist ein Punkt, der auf den ersten Blick positiv erscheinen könnte. In dem der Dialog, der “nach besten Kräften” betrieben werden, gleichzeitig aber verbindlich sein soll, in die Lizenzierungsordnung einfließt, schafft die DFL jedoch auch Fakten, die auf weitergehende Forderungen in den kommenden Jahren hindeuten. Zumindest die Antragsbegründung lässt hier wenig Grund zur Hoffnung, die DFL könnte wirklich etwas verstanden haben.

Aber vielleicht hatte Orwells O’Brien auch einfach nur Recht und man wird sich an den Stiefelabdruck gewöhnen müssen. Denn ein Bild von der Zukunft haben DFL und Co. bereits gezeichnet…

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