Verfasst von: Andreas Wiemers | 23. Februar 2013

…einmal den Pokal gewinnen

Wir befinden uns im Jahre 2013 n..Chr. Ganz Deutschland diskutiert über Pferdefleisch… Ganz Deutschland? Nein! Ein von beugsamen Fußballern bevölkertes Dorf hört nicht auf darüber zu diskutieren, ob ein Spiel gegen den A40-Nachbarn aus Meiderich nun ein Derby oder einfach nur ein weiteres biederes Match in der Schweineliga ist. In einer Liga, die abgesehen von den Träumerein namens DFB-Pokal wenig Höhepunkte bereit hält, ist eigentlich jedes Spiel, dass ein wenig Brisanz bietet, schon etwas besonderes. Dies gilt gerade für die inzwischen rar gesäten Spiele gegen Traditionsvereine aus dem Westen, die immer mehr von süddeutschen Retortenvereinen aus den ersten beiden Ligen gedrängt werden. Insofern bleibt die Auseinandersetzung mit den benachbarten Zebras ein Derby. Zwar nur ein kleines, aber inzwischen ist das blau-weiße Fußballherz ja darauf geeicht, bei den kleinen Freuden im grauen Alltag wie verrückt aus der Bahn zu hüpfen. Viel spannender als die Derbyfrage ist ohnehin die Diskussion, ob Lasagne auch mit Zebrafleisch schmeckt. Grundvoraussetzung dafür wäre aber, dass das Zebra erfolgreich durch den blau-weißen Fleischwolf gedreht worden wäre.

Denn am Geburtstag von Rolf Schafstall, der den VfL Bochum 1848 damals zum “Unabsteigbaren” formte, und auch bei den Duisburger Gästen auf der Trainerbank saß, einigten sich die beiden Konkurrenten auf ein gemeinsames Geschenk für den alten Schleifer. Durchaus leistungsgerecht wurde sich 2:2 getrennt und niemand stand vor dem alten Chef an dessen Ehrentag als Verlierer da.

Zwar waren die Blau-weißen in der ersten Halbzeit deutlich präsenter auf dem Platz als noch gegen Regensburg, dennoch kamen sie gegen gutes Pressing spielende Zebras nicht ins Spiel. Offenbar wollte sich kein VfL-Spieler vor dem Pokalspiel am kommenden Mittwoch verletzen oder dem kommenden Gegner Spielzüge offenbaren, mit denen über Stuttgart nach Berlin gefahren werden soll. Denn spielbestimmend war in Halbzeit Eins einzig und allein der Gast. Dem VfL gelang es lediglich bei Standardsituationen oder einer Einzelaktion von Juwel Leon Goretzka so etwas wie Torgefahr zu entwickeln. Der VfL war zu sehr mit Reagieren als mit Agieren beschäftigt. Auch Schiedsrichter Dr. Brych wusste dies mit seltsamen Entscheidungen zu verhindern. Offenbar hatte er vom Frankfurter Syndikat die Aufgabe bekommen, die zahlreichen positiven Entscheidungen für den VfL beim Auswärtssieg bei den Giesinger Bauern wieder auszugleichen. So kam es wie es kommen musste und die Gäste gingen in der 37. Spielminute verdient in Führung. Zur Halbzeit wirkte die Ostkurve ebenso ratlos wie die Mannen auf dem Rasen.

Während sich die Ostkurve in dieser Halbzeitpause viel zu leicht bekleidete Mädchen bei viel zu geringen Temperaturen anschauen musste, fand Coach Karsten Neitzel in der Kabine offenbar die richtigen Antworten für rat- und konzeptlose Truppe. Denn pünktlich zum Wiederanpfiff realisierten die Mannen auf dem Platz, dass es sich nicht um ein Vorbereitungskick für den Pokal handelte, sondern um ein wichtiges Spiel im Abstiegskampf, dass man durchaus gewinnen sollte. Entsprechend investierte der VfL nun mehr und nahm den Zebras die Zügel aus der Hand. Zwar bedurfte es noch einer Standardsituation, um durch Lukas Sinkiewicz in der 51. Minute zum Ausgleich zu kommen, doch darauf aufbauend fing der VfL endlich an, Fußball auch wieder zu spielen und mit Leidenschaft zu würzen. Christoph Kramer vereinte diese beiden Komponenten dann in einer Person, spazierte durch das Zebra Gehege und netzte wunderbar zum Führungstreffer ein. Zwar zog sich der VfL nach dieser Führung nicht zurück und überlies den Zebras wieder den Aufgalopp, doch kann durchaus die These vertreten werden, dass Coach Neitzel mit seinen beiden Personenentscheidungen einen kleinen Bruch in das bis dahin gute VfL-Spiel wechselte. Der VfL verlor ein wenig den Faden und während er das Nadelöhr suchte, fand ein Duisburger mit einem Distanzschuss leider den Weg in den Bochumer Winkel.

Aber nun genug vom mausgrauen Ligaalltag. Bis Mittwoch darf geträumt werden: …einmal den Pokal gewinnen!

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