Verfasst von: Andreas Wiemers | 10. Januar 2009

(Noch) Tief im Keller

Nicht nur, dass der VfL Bochum es geschafft hat, einem fast das komplette zweite Halbjahr 2008 zu vermiesen und sich mein näheres privates Umfeld als auch meine Arbeitskollegen wohl oder übel mit meiner allwöchentlich enttäuschten Fresse und der nicht vorhandenen Laune arrangieren musste, gelingt es diesem einzigartigen Club auch noch, einem die wohlverdiente Winterpause ordentlich zu versalzen.

Gerade hatte ich mich von den Nebenwirkungen der Stadionbesuche, die daheim und auswärts angesichts nicht vorhandener Leistungen (von Erfolgserlebnissen will ich gar nicht erst reden) nur mit dem ausgiebigen Konsum legaler Rauschmittel zu ertragen waren, erholt, wühlte der VfL mit der – wie ich finde – nicht positiv abgeschlossenen Trainerdiskussion und der für die Vereinsführung unrühmlichen Degradierung unseres Capitano Thomas Zdebel, die mit dem Wechsel unserer „8“ nach Leverkusen endete, mein blau-weißes Gefühlsleben direkt wieder auf. Überraschend ist es schon, dass ein Spieler beim VfL nach Auffassung des Trainers aus sportlichen Gründen keine Rolle mehr spielen soll, doch eben dieser Spieler noch gut genug für eine Mannschaft ist, die um die internationalen Plätze kämpft. Aber offensichtlich sind im Abstiegskampf andere Qualitäten und keine Kämpfernaturen gefragt. Im Grunde ist diese Argumentation ohnehin sehr dürftig: Alleine ein Blick auf den Notendurchschnitt der VfL-Spieler im Kicker offenbart, dass Zdebel immerhin den zweitbesten Durchschnittswert aller in der Hinrunde eingesetzten VfL-Zaubermäuse hatte. Aber für uns ist er halt nicht mehr gut genug. Daher kann nun nur noch der Werkself zu der Verpflichtung gratuliert werden!

Nun bleiben mir noch 21 Tage, um die offenen blau-weißen Wunden heilen zu lassen, damit ich sie mir dann beim Heimspiel gegen den Karsruher SC wieder aufreißen lassen darf. Aber so wie sich der VfL (manch geneigter VfL-Fan bezeichnet ihn derzeit nur noch als „Verein für Lachnummern“) aktuell darstellt, fällt ihm sicherlich in den nächsten drei Wochen noch einiges ein, was mich selbst außerhalb der vier Wände des heiligen Ruhrstadions noch ordentlich auf die Palme bringen wird.

Da tut es doch hin und wieder gut, wenn sich Comedians, die auch noch VfL-Fans sind, zu der Perle Westfalens äußern: In der Bild antwortete Hans-Werner Olm gekonnt auf die aberwitzige Frage

„Was hat der VfL, was Schalke und der BVB nicht haben?“

wie folgt:

„Eine schlechtere Mannschaft, ein kleineres Stadion und eine bewunderswerte Bodenhaftung. Und leider auch eine unzeitgemäße Bescheidenheit!“

Am Stadion wird sich erst mal nichts ändern und dass der VfL am besten schon Gestern seine Bodenhaftung wieder findet, wäre angesichts der anstehenden Herausforderungen mehr als wünschenswert. Und die Bescheidenheit, die ist ohnehin fürn Arsch. Also: Auf zum sicheren Klassenerhalt und es möglichst rasch an der Castroper Straße wieder erklingt: „Die Nummer 1 im Pott sind wird…!“

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