Verfasst von: Andreas Wiemers | 9. Februar 2009

Klassenkampf (ohne Innenverteidigung)

Sollte ich die letzten beide Tage unter einem Schlagwort subsumieren, wäre „Klassenkampf“ sicherlich der zutreffendste Begriff. Begonnen hat das klassenkämpferische Wochenende beim „Planspiel Kommunalpolitik“ der SPD Essen im Bildungswerk Stenden. Gemeinsam mit 30 jungen Essener Genossen machte ich mich also binnen sechs Tagen zum zweiten Mal auf den Weg nach Ost-Holland. Diesmal um Abläufe in der Kommunalpolitik spielerisch kennenzulernen. Politisch völlig inkorrekt besetzte ich die Rolle eines Redakteurs der konservativ-liberalen „Entensausener Post“. Hingegen politisch korrekt war der Umgang der Anwesenden mit der fiktiven Heuschrecke „Mediamax“, die sich in Entensausen ansiedeln wollte: Kurzerhand wurde das Werbeplakat von Mediamax mit dem Schriftzug „Keine Macht dem Kapital“ von einem anonymen „Schmierfink“ (nein, ich war es nicht) verziert:

Keine Macht dem Kapital

Keine Macht dem Kapital

Nachmittags setzte sich dann der Klassenkampf auf anderer Ebene fort. Via Bild hatte Bochums Alpen-Maradona bereits im Vorfeld des Matches gegen den Verein aus der Trabantenstadt Wolfsburg den sportlichen Klassenkampf des VfLs um den finanziellen Aspekt mit der Aussage „Millionen schießen keine Tore“ bereichert. Im Glauben an Fuchs‚ seherische Fähigkeiten interpretierte ich meine Rolle bei der Entensausener Post um und versetzte mich zwischen 15:15 und 17:20 Uhr kurzerhand in die Sportredaktion. „Bewaffnet“ mit zwei Live-Tickern, einem Livestream von Günter Pohls Reportage auf Radio Bochum und „Liga-Live“ auf WDR 2 verfolgte ich voller Erwartungen den Auftritt meines VfLs bei dem Wolfsburger Abklatsch. Ganze 20 Minuten konnte ich mich an Bochums Klassenkampf erfreuen, dann musste ich bereits mit bösen Vorahnungen zur Kenntnis nehmen, dass der Turm unserer Abwehrschlacht (Anthar Yahia) verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste. Keine Minute später wusste ich, warum diese Auswechselung ein seltsames Gefühl in meinem Magen hervorrief: VW ging gegen Opel mit 1:0 in Führung. Doch noch hatte der VfL ja 69 Minuten Zeit, um zumindest ein Unentschieden zu erreichen. Allerdings wurde dieser Funken Hoffnung in der 32. Minute direkt wieder gelöscht: Auch unser zweiter Innenverteidiger (Marcel Maltritz) musste aufgrund einer Verletzung aus dem Spiel genommen werden. Im weiteren Verlauf des Spiels bewahrheitete sich dann auch der Spruch „Erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu“. Kein Glück hatten wir definitiv als unsere beiden Innenverteidiger raus mussten. Pech (oder besser: Unvermögen) trat hinzu, als sich der VfL mal wieder als Chancentod präsentierte und beste Einschussmöglichkeiten nicht zu nutzen wusste. Zwar erzielte der VfL noch ein Tor, allerdings handelte es sich auch hierbei wieder um das VW-Modell, das in der 85. Minute auf 2:0 erhöhte. Das Spiel ging also verloren und meine Laune sank ebenso wie der VfL noch tiefer in die Niederungen des Bundesligakellers. Denn entgegen sonstiger Gepflogenheit wusste die direkte Konkurrenz ausnahmslos zu punkten, so dass der VfL nun zwei Punkte Rückstand zum rettenden Ufer hat. Beim VfL selbst scheint sich im Jahr 2009 noch nicht wirklich viel verändert zu haben. Allen voran sportlich. Neu ist allerdings, dass die direkten Konkurrenten punkten und sich der VfL nicht mehr darauf verlassen kann, dass Bielefeld, Cottbus und Karlsruhe sich ebenso dämlich anstellen wie in 2008.

Der Klassenkampf hat sich also drastisch verschärft. Hinzu tritt die Tatsache, dass der tollste Verein der Welt seinen Kampf in den nächsten sechs Wochen ohne etatmäßige Innenverteidigung bestreiten darf. Zuversichtlich stimmt mich das alles nicht mehr und so langsam bekomme ich wirklich Panik, nächste Saison nicht den FC Bayern München im Ruhrstadion begrüßen zu dürfen, sondern Rot-Weiß Ahlen. Gut, dass nächsten Samstag nur die Nachbarn aus Ückendorf an die Castroper Straße kommen. Die haben nämlich ebenso wie wir das Fußballspielen verlernt und verfügen mit Nutella-Kevin über einen Stürmer, bei dem auch mal getrost auf eine Innenverteidigung verzichtet werden kann.

Es war nicht anders zu erwarten, dass der Klassenkampf in Stenden auch bei mir Spuren hinterließ: wie bei allen bisherigen Besuchen in Ost-Holland hatte ich am Folgetag Kopfschmerzen. Ich persönlich mache hierfür die ungewohnte Landluft verantwortlich, muss an dieser Stelle allerdings einräumen, dass auch andere erklärende Theorien kursieren. Mit einer anderen Stendener-Tradition konnte ich allerdings brechen und meine Quote in der Rubrik „Pünktlich aufstehen in Stenden“ positiv beeinflussen und mal wieder dem Frühstück beiwohnen.

Dass mich der Klassenkampf auch in den nächsten Tagen weiterhin beschäftigen wird, dafür sorgt schon allein der VfL. Unterstützt wird er dabei allerdings morgen Abend von der Juso-Bundesvorsitzenden Franziska Drohsel, die auf der Unterbezirkskonferenz der Jusos Essen zu Gast ist und sicherlich einiges zur Linkswende berichten will. Und wenn mir die Dosis Klassenkampf nicht ausreicht, schaue ich einfach mal wieder auf den Webseiten den PDS-Nachfolgepartei in Nordrhein-Westfalen vorbei…

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