Verfasst von: Andreas Wiemers | 15. Februar 2009

So gehn die Bochumer… (VfL Bochum 1848 – Sch**** 04)

Derbysieg (c) VfL Bochum 1848

Derbysieg (c) VfL Bochum 1848

Obwohl im Grunde jedes Spiel mit Bochumer Beteiligung etwas Besonderes ist, stechen die Derbys gegen die ungeliebten Nachbarn aus dem Gelsenkirchener Stadtteil und gegen die größte Stadt des Sauerlandes deutlich aus dem Bundesliga-Spielplan hervor. Gestern war es mal wieder soweit und die Gazprom-Knappen aus Gelsenkirchen gastierten an der Castroper Straße. Im Gepäck hatten sie neben den vor allem in Bochum äußerst „beliebten“ Rafinha auch den bundesweit geschätzten „Torjäger“ Kevin-weil-ich-nicht-mitspielen-darf-geh-ich-jetzt-nach-Hause-Nutella-essen.

Entgegen diverser Horrormeldungen über Verletzungssorgen beim VfL Bochum 1848 unter der Woche war es „lediglich“ Anthar Yahia, Marcel Maltritz, Mathias Concha, Marcien Mieciel und Slawo Freier vergönnt, den Nachbar im eigenen Wohnzimmer begrüßen zu dürfen. Allen voran die langfristigen Ausfälle von Yahia und Maltritz führten zu einem völligen Umbau der Viererkette, der – obgleich seit einer Woche vorhersehbar – für den ein oder anderen Bochumer Sportjournalisten doch „still und heimlich“ vollzogen wurde. Der Umbau war sogar so klangheimlich, dass auch erst seit vergangenem Samstag in den Internetforen des VfLs mehr oder minder intensiv die Qualität der neuen Bochumer Innenverteidigung mit Mergim Mavraj und Marc Pfertzel diskutiert wurde. Da der VfL-Fan als solcher nicht unbedingt in die Kategorie „Optimist“ fällt, wurden Mavraj und Pfertzel schnell als Schwachpunkte herausgearbeitet und ebenso stand die böse Vorahnung im Raume, dass Nutella-Kevin nach sechs torlosen Spielen in Folge ausgerechnet im Ruhrstadion wieder trifft – eine Theorie, die ich auch vor dem Anpfiff zumindest verbal noch unterschrieben hatte.

Wahrscheinlich um mich und die bösen Vorahnungen nicht zu enttäuschen, erzielte natürlich eben jener Kuranyi nach einer missglückten Abwehr unserer portugiesisch-kanadischen Nummer 1, Daniel Marcio Fernandes, in der 18. Minute das 1:0 für die Gäste. Wider erwartend schnell erholte sich der VfL allerdings vom x-ten Rückschlag in dieser Saison und fand über Kampf und Siegeswillen mit Unterstützung der Ostkurve gegen spielerisch und kämpferisch äußert schwache Ückendorfer wieder ins Match zurück und glich durch einen sehenswerten Distanzschuss von Mimoun Azaouagh (einem geläuterten Ex-Schalker) eine Minute vor dem Halbzeitpfiff zum inzwischen verdienten 1:1 aus.

VfL Bochum 1848 - FC Sch**** 04

VfL Bochum 1848 - FC Sch**** 04

In der 58. Minute war es dann Interimskapitain Christoph Dabrowski, der unseren VfL mit 2:1 in Front brachte und die Weichen in Richtung Derbysieg stellte. Diesen Treffer werde ich wohl nicht nur lange in Erinnerung behalten, weil ich froh war, dass sich der „Lange“ beim Einnetzen nicht die Beine gebrochen hat, sondern weil mir irgendjemand bei der anschließenden Jubelorgie doch relativ heftig gegen meine Hüfte gesprungen sein muss. Zwar habe ich das im Siegesrausch nicht wirklich mitbekommen, aber jetzt – wo Fiege und Endorphine nachlassen – spüre ich das 2:1 am eigenen Körper als hätte ich die Schlacht gestern selbst geschlagen. Von dem Bier, dass während der Würdigung des Siegtreffers so-schön-hat-geprickelt-in meinem-Ohr und für eine nicht gewünschte Abkühlung bei winterlichen Temperaturen gesorgt hat, will ich erst gar nicht reden.

Ansonsten bleibt festzuhalten, dass die Bochumer Zaubermäuse wohl eine gewisse anziehende Wirkung bei den Spielern der Ückendorfer hervorrufen müssen. Denn insbesondere Rafinha und Farfan konnten ihre Finger nicht von unseren Jungs lassen und grabschten ihnen mehr oder minder liebevoll im Gesicht rum. Bedauerlich, dass Schiedsrichter Kirchner offensichtlich Tätscheleien unter Männern nicht ahndungswürdig findet und auf eine entsprechende Sanktionierung dieser Annäherungsversuche in Form von einem Elfmeter und zwei roten Karten verzichtete.

Nur ein Pfostentreffer des eingewechselten Pander erschütterte kurzzeitig die Feierlaune in der Ostkurve, konnte aber dennoch nichts mehr daran ändern, dass Mannschaft und Fans „so gehen die schalker, die schalker, die gehen so. SO GEHEN DIE BOCHUMER, DIE BOCHUMER, DIE GEHEN SO“ nach dem Schlusspfiff voller Enthusiasmus einmütig singen konnten. Der Elf ist mit dem Derbysieg eine enorme Wiedergutmachung bei den Fans für eine völlig verkorkste Hinrunde gelungen und es bleibt zu hoffen, dass unbedingter Wille, selbstloser Einsatz und hingebungsvoller Kampf auch in den nächsten Wochen den Charakter der Mannschaft ausmachen. Denn so schön ein Derbysieg auch ist und wie sehr ich ihn auch genieße, er würde völlig nutzlos, gingen die nächsten wegweisenden Spiele gegen die direkten Konkurrenten aus Ostwestfalen (Bielefeld) und der Rache des Ostens für die Wiedervereinigung (Cottbus) verloren.

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