Verfasst von: Andreas Wiemers | 1. März 2009

Goosen wirkt: VfL kriegt nen Elfer und gewinnt 6-Punkte-Spiel

Dass Duelle zweier potentieller Abstiegskandidaten spannend und dramatisch sind, steht außer Frage. Dass Abstiegskrimis aber darüber hinaus fußballerisch ansprechend sein können, bewies das Duell des VfL Bochum 1848 gegen die fußballerische Rache des Ostens für die Wiedervereinigung. Die für einen Abstiegskampf enttäuschende Kulisse von nur 18.103 Zuschauern wurde nicht nur mit fünf bisweilen sehenswert herausgespielten Treffern verwöhnt. Sie sah ferner zwei offensiv nach vorne spielende Mannschaften, viele Torchancen und einen leidenschaftlich kämpfenden VfL, der nach zwei Rückständen das Match noch zu einem 3:2 Heimsieg in einem so genannten „sechs-Punkte-Spiel“ drehen konnte.

VfL Bochum 1848 - Energie Cottbus 3:2

VfL Bochum 1848 - Energie Cottbus 3:2

Die inzwischen traditionell ausbleibenden Elfmeterpfiffe für den VfL Bochum 1848 nahm der Bochumer Autor und Kabarettist Frank Goosen zum Anlass, um über das aktuelle Stadionheft einen Elfmeterpfiff für Bochum einzufordern. Verwundert war ich beim Lesen von „Goosens Spielzeit“ schon, dass der Autor tatsächlich jemanden kennen will, der die entsprechende Lebenserfahrung mit bringt und mental fit genug ist, um sich an einen Elfmeterpfiff für den VfL erinnern zu können. Goosens leidenschaftliches Plädoyer für einen Bochumer Elfmeter muss aber nachhaltig allen voran bei Schiedsrichter Markus Schmidt gewirkt haben: In dieser Saison war er der Erste, der am 22. Spieltag in der 79. Minute einen Elfmeter für den VfL gab. Dieses Mal fühlten sich dann die Lausitzer benachteiligt, aber wer einen gegnerischen Stürmer im eigenen Strafraum mit drei Leuten derart stümperhaft in die Zange nimmt, darf sich über einen Strafstoß, den Marc Pfertzel souverän verwandelte, nicht wirklich beschweren.

Der Rest des Spiels ist im Grunde schnell erzählt: aus mir nicht verständlichen Gründen lies sich der VfL im eigenen Stadion bereits nach 90 Sekunden auskontern und geriet direkt in Rückstand. Doch dieser frühe Rückschlag führte dazu, dass der VfL früh aufwachte, einige sehenswerte Angriffe startete und nach schöner Vorarbeit von Christoph Dabrowski durch Joel Epalle in der 12. Minute zum Ausgleich kam. Doch die Bochumer Abwehr in Form eines löchrigen Schweizer Käses bereitete mir im weiteren Spielverlauf immer wieder herzinfarktähnliche Zustände und es kam wie es – aus Bochumer Sicht – kommen musste: wieder gingen die Gäste kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit in Führung. Dieses Mal war es dann unser Alpen-Maradona Christian Fuchs, der in der 54. Minute den Ball bei einem Freistoß liebevoll streichelte und unhaltbar zum erneuten Ausgleich ins Lausitzer Tor bugsierte. Selbst ein objektiver Beobachter muss konstatieren, dass Bochumer Tore in der Rückrunde immer schöner werden. Dann kam die besagte 79. Minute und der erleichterte Aufschrei muss bis weit über die Stadtgrenzen hörbar gewesen sein.

Und so führte der gestrige Spieltag zu einem völlig neuen Gefühl bei mir in dieser Saison: zum zweiten Mal in Folge konnte ich einen Heimsieg feiern. Und wenn damit zumindest ein „kleiner“ Befreiungsschlag verbunden ist, feiert es sich auch umso schöner. Diese neuen Gefühlswallungen ließen auch den „Vorsänger“ der Bochumer Ultras nicht unberührt: Während ein Teil unserer Fans jegliche Abschläge des gegnerischen Torwarts mit den obligatorischen Beleidigungen begleitete, wollte er lieber unsere Elf unterstützt wissen und gab über sein Megaphon zum Besten: „Scheiß auf Tremmel, den Penner“ und stimmte den Support für den VfL an! So soll es sein: Gestern, heute, morgen!

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