Verfasst von: Andreas Wiemers | 15. März 2009

Einsame Spitze…und wie mach ich mir das Leben unnötig schwer

Sein Heimspiel gegen den amtierenden deutschen Meister aus München wusste der VfL Bochum 1848 immerhin zu nutzen, um seine Tabellenführung in der „Karten-Statistik“ nicht nur zu verteidigen, sondern auch noch auszubauen. VfL-Innenverteidiger Marc Pfertzel widmete sich in der 48. Minute dem Projekt „Top of the cards“ und leistete mit seiner roten Karte nach einer Notbremse seinen persönlichen Beitrag um deutlich zu unterstreichen, dass in dieser Saison keine andere Mannschaft dem VfL das Wasser reichen kann, wenn es darum geht, möglichst viele Karten in allen möglichen Farbvariationen zu erhalten.

Dumm nur, dass dieses Vorhaben gleichzeitig auch immer eine Schwächung der Mannschaft mit sich bringt, die fortan mit einem Spieler weniger agieren muss. Allerdings fiel dieser Bärendienst gegen die Bayern nicht wirklich schwer ins Gewicht. Denn abgesehen von Christoph Dabrowskis Großchance in der 13. Spielminute konnte der VfL gegen zumindest in der 1. Halbzeit ideenlose Bayern wenig überzeugen. Zu dominant war die physische Präsenz der Bayern, die der VfL weder durch Laufbereitschaft noch Einsatz kompensieren konnte. Mit jeder Minute, die voranstrich, ließ sich der VfL auch immer mehr davon beeindrucken und überlies das Spiel den Münchenern. Kein Wunder also, dass der VfL insgesamt auf lediglich 24,7 Prozent Ballbesitz kam und nur deprimierende drei Schüsse auf das Tor von Michael Rensing abgab. Der VfL brachte es vor heimischer Kulisse in der zweiten Halbzeit sogar fertig, sich keine einzige Torchance zu erarbeiten. Und dass, obwohl man zurücklag. Negativer Höhepunkt war dann die Zeit von der 76. bis zur 80. Spielminute, in der die Bayern auf 91,2 Prozent Ballbesitz kamen und sich die Bochumer Ballkontakte im Grunde auf die inzwischen grotesken Abschläge von Torhüter Daniel Fernandes beschränkten. Nahezu ehrfürchtig verfolgte der VfL, wie die Bayern die Kugel über das Spielfeld laufen ließen. Den couragierten und engagierten Auftritt beim 3:3-Hinspiel in der Allianz-Arena hatten die Bochumer offensichtlich komplett verdrängt.

VfL Bochum 1848 - FC Bayern München 0:3

VfL Bochum 1848 - FC Bayern München 0:3

Sicherlich hat die rote Karte gegen Pfertzel ihr Übriges dazu beigetragen, dass der VfL nichts auf den Platz brachte. Aber spielentscheidend war sie nicht. Denn auch mit Pfertzel war der VfL zu keinem Zeitpunkt mental und physisch fit genug, um den Rekordmeister ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Sicherlich kann man gegen Bayern schon mal verlieren. Entscheidend ist dabei aber das „wie“. Und so kann und darf man einfach vor heimischer Kulisse nicht auftreten. Allen voran, wenn man um den Klassenerhalt kämpft bzw. kämpfen will.

Gerade mit Blick auf das wichtige Spiel in Gladbach am kommenden Freitag kann nur gehofft werden, dass der Auftritt gegen die Bayern ein einmaliger Ausrutscher war und nicht etwa die überzeugenden Leistungen gegen Leverkusen, Sch**** 04 und Cottbus. Manifestiert haben sich vor dem wegweisenden Spiel gegen die Fohlen allerdings die Personalsorgen beim VfL. Zwar kehrt Mergim Mavraj nach seiner Gelb-Rot-Sperre wahrscheinlich wieder in die Abwehr zurück, dafür wird aber auch Ersatzinnenverteidiger Pfertzel neben der etatmäßigen Innenverteidigung um Marcel Maltritz und Anthar Yahia fehlen. Aber wie schrieb ein User bei VfL4U so schön:

Innenverteidiger sind was für Weicheier.

In diesem Sinne: Auf nach Gladbach und Fohlen zähmen!

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