Verfasst von: Andreas Wiemers | 5. April 2009

„Ihr habt gekämpft, wir hams gesehen!“

Inzwischen scheint der VfL Bochum 1848 ein chronisches Problem damit zu haben, erstmalig in der Rückrunde bei frühlingshaften Temperaturen im Ruhrstadion antreten zu müssen. Wie in der Saison 2006/07 (1:3 gegen Hertha BSC Berlin am 14. April 2007), in der Saison 2007/98 (1:1 gegen Hertha BSC Berlin am 12. April 2008) verließen den VfL auch im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart ungewöhnlich früh die Kräfte und offenbarte für eine Bundesliga-Mannschaft einmal mehr in einem April erhebliche konditionelle Mängel. Beispielhaft ist hier der ansonsten wacker kämpfende Philipp Bönig anzuführen, der für den am Kreuzband verletzten Christian Fuchs als linker Außenverteidiger auflief. Bönig, der ansonsten ein gutes Spiel machte, trabte ab der 60. Minuten im Grunde nur noch über das Spielfeld und es war mehr als bezeichnend, als er wenig später mit Wadenkrämpfen im eigenen Sechzehnmeterraum behandelt werden musste. Doch wer dachte, auch Chef-Trainer Marcel Koller würde sehen, was allen weiteren 24.718 Besuchern des Spiels auffiel, musste sich mal wieder eines Besseren belehren lassen. Anstatt den entkräfteten Bönig, der ab der 88. Minute am Spielfeldrand seine Krämpfe behandeln lassen musste, und den ebenfalls nach Luft schnappenden Marcel Maltritz, der nach 56tägiger Verletzungspause erstmalig wieder in der Startformation stand, aus dem Spiel zu nehmen und gegebenenfalls das System zu verändern, brachte „Wechselkönig“ Koller Stanislav Sestak für Dennis Grote (68. Minute) sowie mit einem Doppelwechsel in der 72. Minute Slawo Freier für Mimoun Azaouagh und Sinan Kaloglu für Diego Klimowicz. Wieso, weshalb, warum er was er damit bezwecken wollte und wieso so manch einer der Eingewechselten überhaupt noch im Kader ist, sind Fragen, die allenfalls zwischen zwei schweizer Ohren beantwortet werden können.

VfL Bochum 1848 - VfB Stuttgart 1:2

VfL Bochum 1848 - VfB Stuttgart 1:2

Zwischen eben diesen Ohren wird vermutlich auch die Frage beantwortet, warum unser Torhüter Daniel Fernandes zumindest nicht mal eine Denkpause auf der Ersatzbank bekommt. Fernandes, dessen Abschläge entweder direkt in den gegnerischen Füßen landen oder aber hoch bei den beiden kleinsten Bochumer Kickern (Joel Epalle oder Azaouagh) ankommen und damit das gleiche Resultat mit sich bringen wie Variante A, irrt bisweilen mitleidserregend durch seinen eigenen Fünfmeterraum. So verwundert es auch nicht, dass sowohl dem Stuttgarter Ausgleich in der 58. Minute als auch dem Siegtreffer in der 89. Minute eine Ecke bzw. eine Flanke in den Fünfmeterraum voraus gegangen sind, bei denen sich Fernandes einmal mehr orientierungs- und wirkungslos zeigte.

Apropos Mitleid: Dieses Gefühl muss auch den ehemaligen deutschen Nationaltorwart Jens Lehmann überkommen haben, der angesichts der Bochumer Abschlussschwäche nach einer Flanke von Epalle zum Führungstreffer des VfL in der 48. Minute dankenswerter Weise mit dem Ball einfach hinter die Torlinie fiel. Nachdem Stuttgart in der 58. Minute wie erwähnt egalisierte, hatte ich mich angesichts der nicht vorhandenen Kondition der Bochumer Jungen bereits psychisch und physisch auf zumindest einen Punkt eingestellt – und mit etwas Glück wäre dieser Punkt auch drin gewesen. Doch hatte der VfL sein Glückskonto in den vergangenen Wochen bereits völlig ausgeschöpft und so kam die besagte 89. Minute, die dem VfB einen nicht unverdienten Dreier in Bochum bescherte.

Und so blieb der Ostkurve nach dem Schlusspfiff nichts anderes übrig, als der Mannschaft „Ihr habt gekämpft, wir hams gesehen!“ entgegen zu rufen. Denn vieles kann man der Mannschaft, die durch die taktischen „Manöver“ Kollers weiter geschwächt wurde, vorwerfen, nur nicht den Willen zum Kampf. Aber dies allein reicht vor allem dann nicht aus, wenn die physischen Voraussetzungen fehlen, um den Kampf auch 90. Minuten lang anzunehmen. Nun geht es in der kommenden Woche zu Dietmar Hopps Spielzeug nach Sinsheim zum Herbstmeister. Und welche Mannschaft als der blau-weißeste aller Vereine eignet sich besser, um die inzwischen acht Spiele lange Serie der Hoffenheimer ohne Sieg zu beenden….

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