Verfasst von: Andreas Wiemers | 19. April 2009

Danke! VfL erspart mir Kosten für den Domina-Besuch

Frank Goosen, VfL-Fan, Kabarettist und Romanautor skizzierte die Gefühlswelt eines VfL Bochum-Fans in einem seiner Programme wie folgt:

„Wenn der VfL auf einem einstelligen Tabellenplatz steht, haben die Dominas in Bochum Konjunktur. Denn dann holen sich die VfL-Fans ihre Schmerzen woanders.“

Zweifellos eine mehr als zutreffende Beschreibung und ich frage mich, woher Herr Goosen das weis und wann ich dort gesehen wurde. Allerdings irrt Goosen, wenn er den Konjunkturschwung bei Bochums Dominas allenfalls bei einstelligen Tabellenplätzen erkannt haben will. Auch Derbysiege führen vermutlich dazu, dass sich VfL-Fans ihre Schmerzen woanders holen (müssen). Gut also, dass der VfL Bochum 1848 beim gestrigen B1-Derby gegen die ungeliebten Nachbarn aus Lüdenscheid-Nord keine Schnitte hatte und mit einem deprimierenden 0:2 im eigenen Stadion in die Schranken verwiesen wurde.

VfL Bochum 1848 - BxB Doofmund 0:2

VfL Bochum 1848 - BxB Doofmund 0:2

Was eigentlich ganz vielversprechend begann, erlebte den ersten Akt Bochumer Hilflosigkeit bereits nach wenigen Minute als VfL-Stürmer Stanislav Sestak mit einem Fallrückzieher wenige Millimeter vor der eigenen Torlinie die frühe Führung der Dortmunder Gäste verhinderte. Vorausgegangen war eine äußerst verunglückte Faustabwehr von Bochums Torhüter Daniel Fernandes, der sich eigentlich bei Sestak bedanken musste, nicht ein selten dämliches Eigentor erzielt zu haben. Kurze Zeit später, genauer gesagt in der 11. Spielminute, fiel dann der Dortmunder Führungstreffer, für den eine einstudierte Ecke ausreichte, um die Bochumer Zuordnung über den Haufen zu werfen und den Ball durch Fernandes Hosenträger im Bochumer Tor unterzubringen. Was danach bis zur Halbzeitpause folgte, waren zwar bemühte, aber gänzlich harmlose Bochumer Versuche den Ausgleich zu erzielen, ein Dortmunder Abseitstor und eine hundertprozentige schwarz-gelbe Torchance, die die Dortmunder allerdings dankenswerter Weise neben das Tor setzten, um die Spannungskurve aufrecht zu halten.

Acht Minuten nach Wiederanpfiff war es dann unser Japan-Import Shinji Ono, der das Bochumer Lazarett mit einem Verdacht auf Innenbandriss komplettierte und sich nun gemeinsam mit Mimoun Azaouagh (Schambeinentzündung), Joel Epallé (Jochbeinbruch), Christian Fuchs (Bändereinriss und Knorpelprellung), Marcin Mieciel (Steißbeinprellung) sowie Oliver Schröder (Verknöcherungen im Oberschenkel) auf die gemeinsame Reha-Arbeit freuen kann. In der 54. Minute erhöhte „Chancentod“ Nelson Valdez für den BxB auf 2:0. Dabei konnte Valdez allerdings den Raum für einen Sonntagsschuss nutzen, den ihm Marcel Maltritz großzügigerweise 20 Meter vor dem eigenen Tor gewährte und sich somit den besten Platz im Stadion zur Bewunderung paraguayanischer Schusstechnik sicherte. Diese beiden Doppelschläge innerhalb von zwei Minuten führten dazu, dass Bochums Offensivbemühungen nun noch harmloser wurden. Zwar war der VfL nachwievor bemüht den Anschlusstreffer zu erzielen, allerdings gelangen den Blau-Weißen auch weiterhin kaum zwingende Aktionen und der VfL hätte vermutlich noch bis in die späten Abendstunden vergeblich auf das Dortmunder Tor anrennen können ohne eben dieses zu treffen.

Doch nicht nur Marcel Kollers taktisches Konzept, Sestak im rechten Mittelfeld zu verbrennen und Anthar Yahia auf der linken Außenverteidigerposition völlig zu deplatzieren, wirkte grotesk. Auch die inzwischen „berühmten“ Abschläge unserer Nummer 1 behinderten den Spielfluss des VfL massiv. Offensichtlich haben die Bochumer Jungen aus dem Unvermögen ihres Torhüters Konsequenzen gezogen und zogen sich bei Ballbesitz unseres Torhüters mit mindestens vier Spielern an den eigenen Strafraum zurück, damit Fernandes den Ball bloß nicht direkt wieder in die gegnerischen Füße drischt. Untermauert wurde die Bochumer Harm- und Hilflosigkeit auch durch die eigenen Fans, die ab der 60. Minuten lieber die gegnerischen Mütter, Tanten und Söhne verunglimpften als die eigene Mannschaft anzufeuern.

Dass der VfL im Abstiegskampf nach der der dritten Heimniederlage in Folge noch ganz gut da steht, ist einmal mehr der Konkurrenz zu verdanken, die sich augenscheinlich noch dämlicher anstellt als der VfL. Allerdings lässt das weitere Programm des VfL mit Spielen in Bremen, in Hamburg und in Berlin das Projekt Klassenerhalt noch ungewiss erscheinen.

Angesichts des ersten schwarz-gelben Sieges in Bochum seit zehn Jahren liefen nicht nur dem kleinen Simon nach dem Schlusspfiff die Tränen über die Wangen. Auch der Himmel öffnete pünktlich um 17:18 Uhr seine Schleusen und vergoss seine Tränen über das auf den Boden der Tatsachen zurückgeholte Bochum.

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