Verfasst von: Andreas Wiemers | 17. Mai 2009

Das Grauen hat ein Ende: versöhnlicher Abschluss mit Klassenerhalt

Eine seltsame Stimmung mache sich vor dem Anpfiff des entscheidenden letzten Heimspiels des VfL Bochum 1848 in der Bundesliga-Saison 2008/09 gegen Eintracht Frankfurt in der Ostkurve breit: Intensiv diskutierten Pessimisten mit Optimisten die Chancen des VfL auf den Klassenerhalt und nicht wenige fühlten sich an das Abstiegsendspiel in der Saison 2004/05 gegen den FSV Mainz 05 erinnert, das der VfL sang- und klanglos mit 2:6 verloren gab und somit einen weiteren Gang in die biedere Zweitklassigkeit vor sich hatte.

Klassenerhalt 2009!

Klassenerhalt 2009!

Als dann nach einer gefühlten Ewigkeit gegen 14:45 Uhr endlich der erste Spieler des VfL den heimischen Rasen betrat, beschlich der blau-weißen Anhängerschaft erstmalig kollektiv das Gefühl, heute etwas bewegen zu können. Denn VfL-Cheftrainer Marcel Koller hatte endlich aus den zuletzt wenig überzeugenden und unglücklichen Auftritten unser Nummer 1, Daniel Fernandes, Konsequenzen gezogen und schenkte Philipp Heerwagen das Vertrauen in dem so wichtigen Spiel für das Projekt Klassenerhalt. Mit offenem Mund bestaunte das blau-weiße Fankollektiv wenige Minuten später das Einlaufen der Feldspieler zum Warmmachen: Auch hier hatte unser Übungsleiter ordentlich rotieren lassen und zur Überraschung vieler sowohl Anthar Yahia als auch Christoph Dabrowski aus der Startelf genommen. Völlig ungläubig nahm die Ostkurve weiter zur Kenntnis, dass Koller von seiner oft zu recht kritisierten defensiven Grundausrichtung abweichen würde und mit Diego Klimowicz und Vahid Hashemian tatsächlich zwei waschechte Stürmer von Beginn an auflaufen lies.

So viel Mut zur Veränderung hatten nicht viele unserem Cheftrainer in einem so wichtigen Spiel zugetraut und die anfängliche Skepsis wich dem puren Optimismus. Pünktlich zum Anpfiff um 15:30 Uhr stand die gesamte Ostkurve und die an sie angrenzenden Blöcke wie ein Fels hinter den Jungs auf dem Rasen und trieb die Mannschaft mit einem Sprechchöre- & Anfeuerungsfeuerwerk nach vorne. Man kann nur darüber spekulieren, ob der Funke von den Rängen auf den Rasen oder vom Rasen auf die Ränge übergesprungen ist. Auf jeden Fall brachten Fans und Elf einen Einsatz an den Tag, den man im Ruhrstadion schon länger vermisst hatte. Von den zu letzt mut- und kraftlosen Auftritten der Blau-Weißen war an diesem Tage nichts mehr zu sehen und stellvertretend für die kämpferische Truppe muss an dieser Stelle einfach Philipp Bönig genannt werden, der seit Wochen nur noch mit Spritzen auf den Platz konnte und dennoch immer wieder mit bedingungslosen Einsatz und Kampf zu überzeugen wusste.

Kollers mutige offensive Aufstellung wurde in der 26. Minute durch den Führungstreffer von Hashemian belohnt. Nach langer Durststrecke und erschreckend schwachen Leistungen erzielte unser iranischer Nationalspieler seinen ersten Treffer in dieser Saison und so schallte endlich wieder der „Hub-, Hub-, Hubschraubereinsatz“ durch das weite Rund des Ruhrstadions. Widererwartend verfiel der VfL zu Beginn der zweiten Halbzeit nicht in den altbekannten Trott zurück und schaffte es tatsächlich eine ebenso couragierte und engagierte Leistung auch in den zweiten 45-Minuten abzuliefern. Dass der VfL dabei beste Einschussmöglichkeiten versiebte und immer wieder am Gästekeeper scheiterte, vermochte die Stimmung in der Kurve nicht zu trüben; die überaus positiven Zwischenstände aus dem Spielen Dortmund – Bielefeld, Leverkusen – Gladbach und Stuttgart – Cottbus lieferten ihren eigenen Beitrag für den andauernden Support der Mannschaft. Und als Klimowicz in der 72. Minute das erlösende 2:0 erzielte, war das Projekt Klassenerhalt 2009 endlich in trockenen Tüchern. „Nie mehr 2. Liga! Nie mehr! Nie mehr“ lautete fortan der Schlachtgesang der erleichterten blau-weißen Anhängerschaft. Und auch Radio-Legende Günter Pohl fiel es wieder einmal schwer, seine Begeisterung an diesem Tage in seiner Reportage zu verbergen.

Der VfL feiert den Klassenerhalt!

Der VfL feiert den Klassenerhalt!

Zweifellos habe ich in den vergangenen Monaten mehr als nur einmal massive Zweifel an den Kompetenzen unseres Übungsleiters angemeldet. Doch für gestern muss man konstatieren, dass er mutige Entscheidungen zur richtigen Zeit getroffen, zudem die Mannschaft bestens auf das Spiel eingestellt und in einer Saison mit vielen verletzungsbedingten Rückschlägen den Klassenerhalt des VfL erreicht hat. Das Grauen wurde mit einem versöhnlichen Abschluss beendet und der VfL wird im vierten Jahr in Folge im Oberhaus dabei sein. Eine Serie, die es seit dem ersten Abstieg der ehedem „Unabsteigbaren“ im Jahr 1993 in Bochum nicht mehr gegeben hat. Und bei aller immer wieder aufkeimenden Kritik muss man festhalten, dass Marcel Koller hierfür wohl doch einen nicht unerheblichen Beitrag geleistet hat.

Nachdem ich beim obligatorischen Pub-Besuch nach dem Spiel meine Stimme, die ich irgendwann zwischen dem 2:0 und dem Abpfiff verloren haben muss, endlich wieder gefunden hatte, die Anspannung sich langsam löste, ich unendlich müde wurde und einen Fünf-Minuten-Powerschlaf während (sic!) der Sportschau erfolgreich hinter mich gebracht hatte, stand dem ausgiebigen Feiern des Klassenerhaltes im Bochumer Bermuda3Eck, wo ich gänzlich neue alkoholische Getränke für mich entdeckte, nichts mehr im Wege. Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle Jens, dem ich meinen ganzen Respekt zolle, da er ebenso ausgiebig den Klassenerhalt zu feiern wusste und am nächsten Morgen doch tatsächlich einen Part in einer Marthonstaffel übernommen hat. Man müsste noch mal unter 30 sein…

Advertisements

Kategorien