Verfasst von: Andreas Wiemers | 3. August 2009

Politisch korrekt: Links- und Rechtsaußen finden beim VfL Bochum nicht statt

Mein 71-tägiger VfL-Entzug endete ausgerechnet zwischen Bauernhöfen, Getreide- und Maisfeldern. Die Auslosung der ersten Runde des DFB-Pokals bescherte mir nämlich einen Ausflug ins wirklich beschauliche Lotte, wo der VfL Bochum 1848 die erste Hürde auf seinem Weg nach Berlin gegen den Viertligisten nehmen musste.

Hin- und Rückreise erinnerten mich fast schon ein wenig wehmütig an Klassenfahrten in der guten, alten Schulzeit. Da es dem DFB wohl egal ist, wie und ob Fußballfans zu den Spielen ihres Vereins mit dem ÖPNV anreisen können, wurde das Spiel kurzerhand auf einem Sonntag um 17:30 Uhr terminiert. Und da ich mir meinen Dienstwagen nicht von Lotter Bauer klauen lassen wollte und der Blick in die Reiseauskunft der Bahn offenbarte, dass Lotte tatsächlich am Ar*** der Welt bzw. am Rand von Nordrhein-Westfalen liegt, kam für mich erstmalig nur der VfL-Fanbus in Frage. Immerhin war es lustig, der Kutscher hatte genug Bier an Bord und nebenbei habe ich noch nette Leute kennengelernt.

Sportfreunde Lotte - VfL Bochum 1848 0:1

Sportfreunde Lotte - VfL Bochum 1848 0:1

Aus dem nach der durchaus passablen Vorbereitung des VfL erhofften berauschenden Fußballfest zum Saisoneinstieg wurde allerdings nichts. Nahtlos knüpfte der VfL an die „Leistungen“ der zurückliegenden Saison an und quälte sich zu einem 1:0-Pflichtsieg gegen wacker kämpfende Lotter Sportfreunde. Positiv betrachtet könnte das Fazit lauten: Aufgabe erfüllt, zum sechsten Mal in Folge die erste Pokalrunde überstanden, Mund abputzen, weiter machen.

Rein ergebnisorientiert ist also alles im Lot. Sportlich betrachtet hinterlässt der gestrige Auftritt des VfL gegen eine Mannschaft, die im Liga-Alltag gegen die VfL-Amateure kickt, dann aber doch einige Sorgenfalten auf meiner Stirn. Gegen den gut gestaffelten Viertligisten fielen den blau-weißen Halbgöttern wenig spielerische Mittel ein, um die Angriffsbemühungen mit einem erfolgreichen Torabschluss zu krönen. Joel Epallé war als 10er völlig überfordert, Mimoun Azaouagh lief zwar übers Feld, nahm aber am Spielgeschehen nur äußerst selten teil. Zwar politisch korrekt, aber fußballerisch fatal, fand das Spiel des VfL über Links- und Rechtsaußen überhaupt nicht statt. Stattdessen griff das neue taktische Element Marcel Kollers, dass bei jedem Angriff Bochums neue Nummer 1 Philipp Heerwagen mindest mit einem Ballkontakt einbezogen werden muss und der Ball nach vielen weiteren Zwischenstationen in der eigenen Hälfte dann mehr oder minder planlos im Sinne des traditionellen Kick-and-Rush in die umkämpfte Mitte gepöhlt wird. Ergebnis dieses planlosen Spiels war das ebenso planlose 1:0 durch Diego Klimowicz, der mit Hilfe von Kopf, Schulter, des Gegners Rücken und des Innenpfostens in der 50. Spielminute den Ball irgendwie im Lotter Gehäuse unterbrachte.

Sieben Tage vor dem Bundesliga-Auftakt im heimischen Ruhrstadion gegen Mönchengladbach haben Kollers Schützlinge zwar nicht zu überzeugen gewusst, konnten aber auch meine Vorfreude auf die neue Saison nicht mindern. Es bleibt allerdings zu hoffen, dass die restlichen Trainingstage intensiv genutzt werden.

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