Verfasst von: Andreas Wiemers | 17. August 2009

Ballett- aber nicht bundesligareif!

Wenn man nach einer 3:0-Derbyschlappe auf Schalke bei der Abreise von den gegnerischen Fans nicht einmal mehr verspottet wird, sondern nur noch Mitleid erntet, ist im Grunde bereits alles gesagt, was über einen weiteren mutlosen Auftritt des VfL Bochum 1848 gesagt werden kann.

FC Schalke 04 - VfL Bochum 1848 3:0

FC Schalke 04 - VfL Bochum 1848 3:0

Nach dem 3:3 im ersten Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach war die große Frage unter der VfL-Anhängerschaft, welche Halbzeit als Maßstab für die Leistungsfähigkeit von Marcel Kollers Elf herangezogen werden kann. Die Frage wurde postwendend im ersten Auswärtsspiel der Saison bei den ungeliebten königsblauen Nachbarn unzweideutig beantwortet: Nahtlos knüpfte der VfL an die erschreckend schwache erste Halbzeit gegen die Fohlen an – nur mit dem Unterschied, dass die Leistungsverweigerung dieses Mal 90 Minuten anhielt. Passend bringt den aktuellen Zustand des VfL Bochum 1848 Michael Eckardt in einem WAZ-Kommentar auf den Punkt: „Nicht eingespielt, sondern eingeschlafen.“

Machte sich der VfL bereits beim Einlaufen mit seinen rosafarbenen Trikots zum Gespött der Liga, folgte dem modischen auch der sportliche Offenbarungseid. Der angekündigte „Vollgas über 90 Minuten“ erwies sich einmal mehr als Trugschluss. Denn passend zum Outfit präsentierte der VfL eine Leistung, die vielleicht bei einer Aufführung von Tschaikowskis Schwanensee angebracht gewesen wäre; auf einem Fußballplatz (auch wenn der in einer Turnhalle liegt) hat das auf jeden Fall nichts zu suchen. Hartnäckig halten sich Gerüchte, die VfL-Spieler hätten passend zum Outfit auch Ballett- anstatt Fußballschuhe getragen!

Aus grauen werden rosane Ballettmäuse!

Aus grauen werden rosane Ballettmäuse!


Wieso, weshalb und warum der VfL es angesichts nicht vorhandener Leidenschaft in kürzester Zeit mal wieder geschafft hat, einen Keil zwischen Mannschaft und Fans zu treiben, werden Trainer Koller und Sportvorstand Thomas Ernst sicherlich in den nächsten Tagen revidierend erläutern. Vielleicht kann man mir dabei dann auch erklären, wieso die gleiche Mannschaft gegen Schalke auf den Platz gelassen wird, die in der ersten Halbzeit gegen Gladbach jämmerlich versagt hat und wieso keine Konsequenz daraus gezogen wird, dass die Offensivbemühungen des VfL so harmlos sind, wie die Attacke einer Stubenfliege und so uninspirierend wie ein Stück Scheiße. Dass inzwischen Slawo Freier das Bochumer Angriffsspiel zumindest „belebt“ (wenn man nach gestern überhaupt noch von Leben sprechen kann), hat man nicht nur gegen Gladbach, sondern auch unlängst auf Schalke gesehen. Und dass weder Joel Epallé noch Mimoun Azaouagh in der Lage sind, das Bochumer Spiel zu gestalten, dürfte ebenso klar sein. Unklar bleibt lediglich, warum man nicht einfach mal Christian Fuchs in das linke Mittelfeld vorzieht und unseren japanischen Tensai Shinji Ono als Spielgestalter aufstellt. Schlimmer kann es doch nun wirklich nicht mehr werden!

Stopp! Es kann noch schlimmer werden. Sollte beim nächsten Heimspiel gegen die Berliner Hertha nicht der erste Dreier der Saison eingefahren werden, dürfte angesichts der darauffolgenden beiden Auswärtsspiele in Leverkusen und in Hoffenheim vermutlich nicht nur die rote Laterne, sondern auch der Baum in Bochum brennen. Angesichts dieser Perspektiven wünsche ich der Jahreshauptversammlung des VfL Bochum 1848 am 8. September bereits jetzt einen „guten“ Verlauf und freue mich, diesem „Event“ nicht beiwohnen zu können und stattdessen bei der Vorpremiere von Ben Redelings neuem Programm „Dem Fußball sein Zuhause. Pöhlen, Pils und Pokale entlang der B1“ in der Essener 11 Freunde-Bar zu weilen.

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Responses

  1. […] massivst geprüft. Nachdem man bereits im grauen Ligaalltag in der Gelsenkirchener Turnhalle mit 3:0 unterging, bestand in der zweiten Runde des DFB-Pokals im heimischen Stadion an der Castroper […]


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