Verfasst von: Andreas Wiemers | 24. August 2009

Wir danken Dir mit unserer Leidenschaft…

Unter der Woche forderte Cheftrainer Marcel Koller seine Jungs zu Recht auf, „den Finger aus dem Ar*** zu nehmen„. Nach dem ersehnten 1:0-Heimsieg beim Besuch der alten Dame aus Berlin muss man feststellen, dass es sich ohne Finger in jenem Körperteil offenbar deutlich besser Fußball spielen lässt. Zwar konnte der VfL Bochum 1848 spielerisch nicht wirklich überzeugen (aber wer erwartet das auch schon), dafür trumpften die blau-weißen Halbgötter mit hingebungsvollem Einsatz und einer aufopferungsvollen Leidenschaft auf und erkämpften sich so das nach der bitteren Niederlage gegen Schalke 04 enttäuschte Herz der Bochumer Fangemeinde zurück.

Doch nicht nur auf die Mannschaft wirkte die Anordnung befreiend. Auch Koller schien sich an seinen Rat zu halten und präsentierte dem blau-weißen Anhang im dritten Saisonspiel und nach drei katastrophalen Halbzeiten endlich eine personell und taktisch veränderte Startformation. Sicherlich auch durch die Verletzungen von Mimoun Azaouagh und Marcel Maltritz ein wenig erzwungen, ließ Koller zu Beginn auch den nach seiner Verletzung noch nicht recht zu alter Form zurückgekehrten Christian Fuchs sowie Christoph Dabrowski auf der Bank Platz nahmen. Stattdessen schickte er Slawo Freier, Philipp „Das Kampfschwein“ Bönig, Mergim Mavraj und Andreas Johansson von Beginn an in die Arena. Darüber hinaus änderte Koller sogar noch die taktische Ausrichtung und verzichtete dankenswerter Weise auf die „Raute“ und schickte die Mannschaft mit der „Doppel Sechs“ ins mäßig besuchte Ruhrstadion.

So viel Bereitschaft zu Veränderung wurde belohnt. Insbesondere Mavraj und Bönig stopften nicht nur die bisweilen löchrige Bochumer Hintermannschaft. Auch Interimskapitän Anthar Yahia fand neben seinem Innenverteidiger-Kollegen Mavraj zu gewohnter Souveränität und Sicherheit zurück. Und so die Berliner dann doch ein Loch in Bochums Abwehr fanden, war Keeper Philipp Heerwagen mit herausragenden Paraden zur Stelle und entschärfte nicht nur Herthaner Torschüsse, sondern auch Prüfungen der eigenen Teamkollegen. Es tut gut zu wissen, dass der VfL nach zwei Jahren und Experimenten mit Jan Lastuvka und Daniel Fernandes endlich wieder eine wahre „Nummer 1“ in der Kiste stehen hat. Bei seinem Bundesliga-Debüt wusste insbesondere der schwedische Neuzugang Johansson (und bei dem Vornamen war ja irgendwie klar, dass es ein Guter sein muss) auf ganze Linie zu überzeugen. Dirigierend, lauf- und einsatzbereit sowie mit einem guten Spielverständnis brachte er sich befruchtend ins Bochumer Spiel ein. Es stellt sich schon ein wenig die Frage, warum Coach Koller uns diesen Neuzugang so lange vorenthielt. Aufgrund der Ladehemmung unserer Offensive musste die blau-weiße Anhängerschaft allerdings bis zur 47. Minute warten, bis der aufblühende Yahia nach einer Standardsituation zum inzwischen verdienten 1:0 Führungs- und Siegtreffer einnetzte.

VfL Bochum 1848 - Hertha BSC Berlin 1:0

VfL Bochum 1848 - Hertha BSC Berlin 1:0

Im dritten Saisonspiel bot der VfL Bochum 1848 endlich das, was die Kurve von ihm erwartet und wurde seinen „Malocher-Trikots“ über die vollen 90 Minuten gerecht. Wer schönen Fußball sehen will, ist an der Castroper Straße sicherlich am falschen Ort. Doch schöner Fußball ist in Bochum auch nicht unbedingt das non plus ultra. Der VfL-Fan ist schon dann zufrieden, wenn sein Team über 90 Minuten Vollgas gibt und mit vollem Einsatz grätschend den heiligen Rasen umpflügt. Wenn dabei dann auch noch ein Sieg rauskommt, ist das blau-weiße Herz natürlich mehr als nur zufrieden. Aber kein VfLer wird seine Mannschaft auspfeifen, wenn nach unbedingtem Kampf- und Siegeswillen ein Spiel auch mal verloren geht. Denn auch dann wird es von der Ostkurve „Wir danken Dir mit unserer Leidenschaft“ schallen…

Nun genieße ich aber erst einmal die aktuelle Bundesliga-Tabelle, in der der VfL vor dem FC Bayern München und dem Verein aus dem Sauerland steht, bevor am Samstag in Leverkusen der Spitzenreiter vom Thron gestoßen wird.

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