Verfasst von: Andreas Wiemers | 30. August 2009

Neun Minuten Spaß!

Als Diego F. Klimowicz in der 32. Minute nach einem Schussversuch von Joel Epallé nicht schnell genug die Flugbahn des Balles verlassen konnte und ihn so zum glücklichen 0:1 für den VfL Bochum 1848 beim Auswärtsspiel gegen den Spitzenreiter unhaltbar ins Leverkusener Tor lenkte, musste ich konstatieren, dass ich nie zuvor eine unverdientere Führung gesehen hatte. Auch wenn mich die Bochumer Führung selbstverständlich fröhlich stimmte, konnte der VfL sich entweder beim Leverkusener Unvermögen oder bei Keeper Philipp Heerwagen bedanken, dass man bis zu diesem Zeitpunkt nicht bereits aussichtslos zurücklag. Denn die Werkself drängte die blau-weißen Halbgötter mit schönem Offensivball direkt ab dem Anpfiff in die eigene Hälfte, erspielte sich eine Chance nach der anderen und lies der bisweilen überfordert wirkenden Bochumer Hintermannschaft keine Atempause. Die kläglichen Versuche des VfL, das Spiel in den Griff zu bekommen und durch Angriffe – als bestes Mittel der Verteidigung – den Leverkusenern Nadelstiche zu versetzen, erweckten eher den Eindruck als würde der VfL den Ball gegen eine Gummiwand dreschen. Postwendend war ein Bayer wieder in Ballbesitz und brachte die nächste Leverkusener Angriffswelle zum rollen…bis wie gesagt Klimowicz nicht mehr ausweichen konnte!

Was dann folgte waren neun Minuten Glückseligkeit und die Hoffnung, der VfL könnte tatsächlich den Spitzenreiter schlagen. Doch Manuel Friedrich machte mir einen Strich durch die Rechnung, als er den an diesem Tag leider nicht überzeugenden Mergim Mavraj nach einer Standardsituation übersprang und zum verdienten 1:1 in der 41. Spielminute traf. Diese neun Minuten Spaß und Freude in der Fremde nennt man dann wohl „Quickie“.

Nach dem Pausenbrot wirkte der VfL zumindest gewillt, offensiver spielen zu wollen. Allen voran Philipp Bönig stieß über die linke Seite mehrfach bis zu Leverkusener Grundlinie vor, doch konnten weder Klimowicz noch Slawo Freier seine Flanken erfolgreich nutzen. Bis auf die Offensivbemühungen des Linksverteidigers Bönig war vom VfL allerdings weiterhin wenig zu sehen. Anstatt dem Bönigschen Beispiel zu folgen und über die Flügel das Glück zu suchen, verstolperte die Abteilung „Attacke“ des VfL den Ball entweder im Mittelfeld oder aber rannte kopflos durch die Mitte in Richtung Leverkusener Tor. Was folgte war in beiden Fällen das gleiche Ergebnis: Ballverlust!

Es inzwischen völlig indiskutabel, dass der VfL im Grunde wie eine F-Jugendmannschaft immer wieder und wieder versucht das Offensivspiel durch die Mitte in Schwung zu bringen. Die These, man lerne aus seinen Fehlern, trifft beim VfL auf jeden Fall nicht zu und lässt mich ein wenig ratlos zurück. Aber auch Epallé, bei allem Respekt vor seiner Kampfbereitschaft, scheint weit entfernt davon zu sein, aus Fehlern lernen zu wollen. Sicherlich rackert er wie ein Gaul auf dem Platz, aber sobald er in Ballbesitz ist, senkt er seinen Kopf nach unten, fixiert den Blick auf den Ball und verschwindet in seinem Paralleluniversum, wo Position und Laufwerke der Mitspieler nicht mehr verkommen. Aber auch ohne Ballbesitz wirkte Epallé gestern ein wenig deplatziert und so wundert es auch nicht, dass Epallé ungenügendes Deckungsverhalten ausschlaggebend für den verdienten Führungs- und Siegtreffer der Werkself in der 68. Minute war.

Advertisements

Kategorien