Verfasst von: Andreas Wiemers | 20. September 2009

Es reicht: Zeit für neue Helden!

Wie befürchtet ist der VfL Bochum 1848 in die „Woche der Wahrheit“ mit einer 2:3-Heimschlappe gegen den FSV Mainz 05 gestartet. Zwei Führungen haben den blau-weißen Halbgöttern nicht ausgereicht, um die drei Punkte in Bochum zu behalten. Sowohl der 1:0-Treffer durch Mimoun Azaouagh in der 7. Spielminute als auch der erneute Führungstreffer zum 2:1-Halbzeitstand von Diego Klimowicz reichte nicht aus, dass die Bochumer Not gegen das Mainzer Elend gewinnen konnte. Denn nahezu über die vollen 90 Minuten bewegte sich das Spiel auf Zweitliganiveau. Und in der 71. Minute entpuppten sich die Mainzer dann als der bessere von zwei potentiellen Zweitligisten und trafen zum 2:3-Siegtreffer.

Nur für Ata sind wir heute hier

Nur für Ata sind wir heute hier

Das lediglich 16.225 Zuschauer (davon etwa 2.000 Mainzer) den Weg an die Castroper Straße fanden, darf angesichts der Bedeutung des Spiels für den VfL bereits als stiller Protest gewertet werden. Den aktiven Protest vor Ort unternahm dann die Ostkurve überraschend vereint: Vor Spielbeginn wurden während der Ehrung von Ata Lameck Protestschilder „Nur für Ata sind wir heute hier!“ hochgehalten und ab dem Anstoß verweigerte die Kurve für 18:48 Minuten den Support und nahm selbst den zwischenzeitlichen Führungstreffer äußerst verhalten war.

Allen voran VfL-Aufsichtsratsvorsitzender Werner Altegoer und Cheftrainer Marcel Koller standen im Fokus der Fankritik. Und allein Koller lieferte mit seiner Aufstellung einmal mehr einen Grund, warum das Tischtuch zwischen Fans und ihm bereits seit geraumer Zeit zerschnitten ist. Mit lediglich drei Offensivkräften begann er ein Spiel, dass unbedingt gewonnen werden musste. Mutloser Beamtenfußball par excellence! Dass diese Aufstellung reichte, um zwei Mal einzunetzen, war eher den beiden individuellen Fehlern zu verdanken, mit denen die Mainzer die VfL-Torschüsse vorbereiteten. Gleichwohl reichten selbst acht Defensivspieler nicht aus, um die bisweilen glücklichen Führungen über die Zeit zu retten. Folgerichtig kam der Ruf „Und so spielt ein Absteiger“ von den Rängen und der zwischenzeitliche Support wandelte sich wieder in Protest um.

Dass BxB-Trainer Jürgen Klopp, der mit seiner Elf wohlgemerkt IN Hannover spielte, später im aktuellen sportstudio des ZDF zu berichten wusste, der Bochumer Anhang hätte die Mainzer unterstützt, muss als das bezeichnet werden, was es ist: eine Lüge. Denn der Bochumer beschäftigt sich lieber mit sich selbst als sich mit Karnevalsvereinen zu solidarisieren und der feine Herr Klopp sollte sich mal lieber um seinen schwarz-gelben Trümmerhaufen kümmern als sich in Angelegenheiten einzumischen, die ihn a) nichts angehen und von denen er b) nachweislich keine Ahnung hat. Generell passte aber Klopps Attacke gegen die VfL-Fans ins herrschende Bild der medialen Berichterstattung. Protestierende Fans werden da schon mal gerne als „Mob“ bezeichnet. Den Vogel schießt allerdings ein gewisser Günther Pohl in der RevierSport ab. Unter der martialischen Überschrift „Wird Koller dem Volk geopfert?“ weiß er von einer „Atmosphäre des Hasses“ zu berichten und unterstellt den VfL-Fans eine „unerträgliche Menschenjagd“ auf Koller. Als Pro-Koller-Argument führt der liebe Herr Pohl dann an, dass die Situation „außerhalb der Stadtmauern auf Kopfschütteln und Unverständnis stößt“ und die Fans keine Fakten akzeptieren würden. Dumm nur, dass die Medien außerhalb der Hofberichterstattung des VfL-Fans Pohl die Situation dann doch ein wenig anders einschätzen (klick, klick, klick). Und außerdem: Wenn z.B. Bayern-Fans den Kopf des Trainers fordern, weil sie ausnahmsweise mal nur auf Tabellenplatz 4 rangieren, wird dies Land auf, Land ab als legitimer Akt betrachtet. Wenn VfL-Fans dies aus Angst vor einem drohenden Gang in die 2. Liga ebenso fordern, wird vom Mob und Pöbel gesprochen und dem blau-weißen Anhang mal eben das Recht auf eine eigene Meinung abgesprochen!

Auch der Manager des siegreichen Mainz 05, Christian Heidel, schloss sich der einmütigen VfL-Fanschelte an und attestierte dem blau-weißen Anhang, dieser hätte „den Bezug zur Realität verloren. Die Bundesliga ist für Bochum ein Geschenk Gottes.“ Die Frage ist nun nur, wer den Bezug zur Realität verloren hat! Jene Fans, die bereits saisonübergreifend die lustlosen und harmlosen VfL-Auftritte kritisieren und sich zwar über das Geschenk Gottes in der letzten Saison mit nur 32 Punkten den Klassenerhalt zu schaffen gefreut haben, den VfL aber dennoch sehenden Auges in Richtung Zweitklassigkeit driften sehen oder aber jene Verantwortlichen, die frei nach dem Adenauer-Motto „Es hätt noch immer jut jejange“ die Augen verschließen und sich weder von dürftigen Auftritten, immer weniger werdenden Punkten noch von der Abkehr der Fans vom VfL beeindrucken lassen. Immerhin scheint bei Sportvorstand Thomas Ernst und Finanzvorstand Ansgar Schwenken inzwischen ein Umdenken stattzufinden und sich eine neue Bewertung der Verhältnisse zu ergeben. So musste Ernst nach den gestrigen Vorkommnissen konstatieren, dass „sich eine Wand auf[baut]. Wir laufen Gefahr, die emotionale Bindung unserer Fans zu verlieren“ und Schwenken stellte zu Recht fest, „dass der Mannschaft die Überzeugung fehlt.“ Es bleibt nun abzuwarten, ob diese richtigen Analysen auch zu den richten Schlussfolgerungen führen und vielleicht/hoffentlich bereits am Dienstag im Pokal gegen den Reichsrekordmeister aus einem Gelsenkirchener Stadtteil ein neuer Cheftrainer auf der Bank Platz nehmen wird. Das richtige Motto hat der VfL ja bereits schon ausgegeben: Zeit für neue Helden! Und einen neuen Helden kann der VfL derzeit auf der Trainerbank sehr gut gebrauchen!

Abschließend noch ein Wort zu dem Bochumer „Mob“ und seiner angeblichen „Atmosphäre des Hasses“. Sicherlich waren die Proteste nach dem Spiel hoch emotional und es kam leider, wie dem Polizeibericht zu entnehmen ist, zu einer Handgreiflichkeit – wobei ich mich schon Frage, warum sich die Polizeikräfte auch direkt zwischen die Fans stellen und so völlig unnötigerweise einen Keil zwischen die Fans treiben musste. Nichts desto trotz blieb der Protest zwar lautstark, aber friedlich und von einem Mob oder sonstigen Chaoten war relativ wenig zu sehen – wie die Videos auch zeigen:

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