Verfasst von: Andreas Wiemers | 4. Oktober 2009

Funny und die Trabentenstadt

Immer wieder wird der VfL Bochum 1848 zu Recht mit den beliebten Freunden aus einem gallischen Dorf in Armoricae vergleichen. Und immer wieder muss man feststellen, dass der Vergleich stimmt! Während ganz Fußball-Deutschland entweder kurz vor der Pleite steht oder am Tropf wohlgesinnter Gönner hängt, bietet der VfL dem eingekauften Erfolg Jahr für Jahr die Stirn und leistet mit bescheidenen Mitteln erbitterten Widerstand. Nun ja, dass mit dem erbitterten Widerstand geriet mit dem Druiden Koller ein wenig in Vergessenheit. Offensichtlich fand er einfach nicht die richtige Rezeptur. Daher wurde der Druide aus dem fernen Helvetia auch durch einen einheimischen Druiden ersetzt, der auf den lustigen Namen Funny hört und gemeinsam mit seinem kleinen Freund Dariusz das Originalrezept für den Zaubertrank wieder entdeckte. Mit Hilfe dieses Tranks können die Einwohner des von unbeugsamen Bochumern bevölkerten Dorfes mit Leidenschaft, Einsatzwillen und Kampfgeist – bisweilen blitzt sogar ansehnlicher Fußball hervor – nun wieder erbitterten Widerstand gegen die Eindringlinge des Fußballs leisten.

Druide Funny bringt Lahme zum Gehen: VfL Bochum 1848 - VfL Wolfsburg 1:1

Druide Funny bringt Lahme zum Gehen: VfL Bochum 1848 - VfL Wolfsburg 1:1

Eine dieser dunklen Mächte hatte sich nun wieder die Festung im Ruhrgebiet als Opfer ausgespäht und wollte mit ihren Söldnern die Bochumer überfallen und diesen die so lebensnotwendigen drei Punkte klauen. Doch hatten die als „Wölfe“ verschrieenen Gäste aus der germanischen Provinz Niedersachsen die wundersamen Kräfte des Tranks von dem Druiden Funny unterschätzt. Zweifellos waren die Wölfe den tapferen Bochumern waffentechnisch überlegen, doch verlieh Funnys Zaubertrank seinen elf wacker kämpfenden Mannen nicht nur jene Tugenden, die in diesem Dorfe so viel gelten, sondern konnte damit auch die vermeintlichen Vorteile der Wölfe kompensieren. Allen voran Andreas Luthe verhinderte mit seinem Schild so manch wütende Attacke der Wölfe und konnte sich jederzeit darauf verlassen, dass seine Vorderleute Marcel Maltritz und Anthar Yahia mit allen geduldeten körperlichen Mitteln die im eigenen Tor sicher versteckten Punkte verteidigten. Selbst die Ausfälle der verwundeten kampferprobten Krieger Philipp Heerwagen, Philipp Bönig, Daniel Imhof, Dennis Grote, Stanislav Sestak und Diego Klimowicz fielen an diesem Tage nicht sonderlich ins Gewicht. Denn die Rezeptur von Funnys Trank stimmte und der herbei geeilte Freund des Bochumer Dorfes aus der Provinz Austria (Christian Fuchs) bediente den Kampfgefährten aus dem fernen Morgenland (Vahid Hashemian) mustergültig, so dass sich die Bochumer in der 53. Minute sogar einen Vorteil verschaffen konnten. Doch schwächte der etwas übereifrige Gefährte aus der Provinz Nippon (Shinji Ono) daraufhin seine Kameraden, indem er zu unlauteren Mitteln griff und von dem als unabhängiger Beobachter herbei gerufenen Dr. Jochen Drees des Feldes verwiesen wurde. In Unterzahl glitt den tapferen Bochumern die Schlacht immer mehr aus den Händen und die Wölfe konnten zum letztendlich verdienten Remis ausgleichen. Gleichwohl muss angemerkt werden, dass dieser vermeintlich unabhängige Beobachter offenbar mit der gleichen Kutsche wie die Wölfe angereist sein muss. Denn als tatsächlich „unabhängiger“ Beobachter zeichnete er sich nicht wirklich aus. Unabhängig davon, dass er das Abseitstor von Slawo Freier berechtigterweise nicht gab und auch auf den Betrugsversuch von Joel Epallé nicht rein fiel, leitete er die Schlacht zu Gunsten der Wölfe doch sehr kleinlich, was in dem Verweis unseres Druiden Funny gipfelte.

Tatkräftig unterstützt wurde die Bochumer Einsatztruppe in ihrer Auseinandersetzung mit den Wölfen durch die Einheimischen der Perle Westfalens, die lautstark ihre Mannen immer wieder nach vorne Peitschten und sich einfach nicht geschlagen geben wollten. Allen voran weil die Bochumer Einheimischen in den letzten Wochen nach dem Sturz des helvetischen Druiden Koller immer wieder ungerechtfertigt (wieso, weshalb, warum > klick!) kritisiert wurden, wäre ein wenig mehr selbstkritische und objektive Berichterstattung der anwesenden Feldreporter über die Fans des VfL vielleicht sinnvoll gewesen. Denn nach den jüngsten lebhaften Auftritten in den Auseinandersetzungen mit Schalke, Nürnberg und nun auch mit den Wölfen müsste eigentlich dem Letzten deutlich geworden sein, dass der Druide Koller wohl nicht zu Unrecht aus dem Dorf gejagt und ersetzt wurde. Doch anstatt sich die Stimmen der Einheimischen zu Gemüte zu führen (klick, klick, klick) oder auf die Fachpresse zu hören (klick), ließ sich der Hofberichterstatter der ARD dann doch zu dem Kommentar „Die überkritischen Bochumer Fans jubeln wieder; nach zwei Spielen ist jeder Unmut vergessen“ hinreißen und bestätigte mich in der Auffassung, dass die konsequente Nichtbeachtung der von Fußballberichten gestörten Werbesendung namens Sportschau doch nicht die falsche Entscheidung war/ist.

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