Verfasst von: Andreas Wiemers | 18. Oktober 2009

Die Null, die Leiden schaft

Nach zwei Derbyniederlagen gegen Schalke 04 bestand für die blau-weißen Halbgötter des VfL Bochum 1848 binnen zwei Monaten die Möglichkeit, mit einem Sieg im B1-Derby bei der Dortmunder Borussia das Seelenleben der blau-weißen Anhängerschaft wieder einigermaßen auszugleichen. Doch wie so oft bei Auswärtsspielen am Rande des Sauerlandes rutschten der Bochumer 11 das Herz mal wieder in die Hose und so verlor man völlig verdient mit 2:0 gegen den BvB. Aus drei Derbys verbucht der VfL nun null Punkte und 0:8 Tore. Vielleicht sollten die blau-weißen Halbgötter angesichts dieser Bilanz mal den Weg zu Arbeitsstätten innerhalb und am Rande des Ruhrgebiets nach so einem Wochenende aufsuchen, so dass sie spüren, welche Auswirkungen und Leiden ihr Auftreten mit sich bringt.

Bisweilen nahtlos knüpfte der Bochumer Auftritt in Dortmund an leidenschafts- und mutlose Auftritte unter Marcel Koller an, so dass mir zur Halbzeitpause fast schon ein „Koller raus!“ aus dem Mund gerutscht wäre. Doch Koller musste ja bereits seinen Hut nehmen und so konnte man allenfalls nur noch Mitleid haben: Mitleid mit Interimscoach Funny Heinemann, der bis dato die Elf immer bestens auf die Partien vorbereitet hatte und Mitleid mit dem ballführenden Bochumer Spieler – so er ihn denn überhaupt kontrolliert bekam -, denn der war die ärmste Sau auf dem Platz. Abwehr- und Angriffsverhalten sind bewusst von jeder Kritik befreit, denn was nicht stattfindet, kann auch nicht kritisiert werden. Kritisiert werden kann allerdings die immer wieder offen zur Show getragene Unzulänglichkeit einiger Spieler, die es immer wieder in die Startformation schaffen. Vielleicht mögen sie Trainingsweltmeister sein (das kann ich nicht beurteilen), aber ihre allwöchentliche „Leistung“ auf dem Platz rechtfertigt das immer wieder erneut geschenkte Vertrauen schlichtweg nicht mehr. Denn wie wusste bereits Weltmeistertrainer Sepp Herberger zu analysieren: Was zählt, ist auf dem Platz! – und da kommt – positiv formuliert – nichts.

Musste man noch vor wenigen Wochen konstatieren, dass der VfL auf der Torwartposition nicht bundesligatauglich ist, hat sich diese Situation inzwischen vom Kopf auf die Füße verlagert. Mit Philipp Heerwagen und Andreas Luthe verfügt der VfL Bochum nun über zwei Torhüter, die beide zu den besseren Vertretern ihrer Klasse in der 1. Bundesliga gehören. Gleichwohl offenbaren die Mängel im Spielaufbau und im Defensivverhalten, dass der VfL, um in der Bundesliga mithalten zu können, unterdurchschnittlich besetzt ist. Wem diese Mängel bei der Transferpolitik letztendlich anzulasten ist, sei an dieser Stelle hinten angestellt. Fakt aber ist, dass dringend Nachbesserungsbedarf besteht. Denn mit dem Spielermaterial wird weder ein Marcel Koller, ein Frank Heinemann noch der vakante neue Cheftrainer die Klassen halten können. Und bei allem Respekt vor den Ambitionen des Vorstandes, mittelfristig schuldenfrei zu sein, aber wem bringt es etwas, wenn der Schuldenstand null beträgt, wenn man dann in der 2. Liga gastiert. Mit Blick auf die Verschuldung anderer Bundesligisten und dem wirklich lobenswerten Kassenstand beim VfL Bochum bleibt zu hoffen, dass (mehr) Geld für erforderliche Neuverpflichtungen bereitgestellt und mehr Risiko bei Spielerverpflichtungen eingegangen wird. Denn einen Wettbewerbsvorteil verschafft man sich im Profifußball nicht durch ausgeglichene Bilanzen, sondern auch hier gilt Herbergers Leitspruch: Was zählt, ist auf dem Platz!

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