Verfasst von: Andreas Wiemers | 8. November 2009

Blau-weiße Abschiedstour

Dunkle Erinnerungen an ein Spiel des VfL Bochum 1848 gegen einen Verein aus der wallonischen Region Belgiens ereilten mich gestern Abend um 17:17 Uhr im Ruhrstadion, nachdem der SC Freiburg in der Nachspielzeit den 1:2 Siegtreffer erzielen konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der VfL zumindest einen Punkt gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt in der Tasche. Doch in guter alter Bochumer Tradition schafften es die blau-weißen Halbgötter Deppen erneut, sich mit amateurhaften Fehlern selbst um die dringend erforderlichen Punkte zu bringen.

Angesichts der blau-weißen Fehlerquellen war die Verpflichtung des ehemaligen Jugendtrainers Heiko Herrlich vielleicht gar nicht so eine dumme Idee. Eventuell schafft gerade er es, den ausgewachsenen VfL-Spielern zu vermitteln, dass man bei einer gegnerischen Ecke einen gegnerischen Spieler nicht völlig ungedeckt an der Strafraumgrenze stehen lässt und sich so das 0:1 in der 23. Minute einfängt. Eventuell kann er seiner Mannschaft sogar erklären, dass das Spiel erst unterbrochen ist, wenn der Schiedsrichter pfeift und man anstatt zu lamentieren einfach weiterspielt. Denn so könnte man unter Umständen weitere Gegentore wie den Freiburger Siegtreffer in der 92. Spielminute unterbinden.

Aber das ist alles nur Theorie und würde in der Umsetzung den blau-weißen Malocher Zuschauer auf dem heiligen Rasen des Bochumer Ruhrstadions wahrscheinlich überfordern. Denn im Gegensatz zum Anhang muss es den Spielern des VfL Bochum offensichtlich irgendwie Spaß machen, sich dumme Gegentore zu fangen, irgendwann dann über den Kampf in das Spiel zurückzufinden und den Ausgleich zu erzielen. Sicher, so kann man auch auf einfache Art und Weise das Publikum zurückgewinnen und muss nicht das eigentlich berechtigte Pfeifkonzert über sich ergehen lassen. Nur dieses Mal ging die Strategie dann doch nicht auf. Am Ende stand man mit leeren Händen vor der Ostkurve und versuchte Mitleid zu erhaschen, weil der böse promovierte Jurist aus München dem VfL einen regulären Treffer aberkannte und zudem ein Handspiel der Freiburger übersehen haben soll.

Es ist natürlich auch einfacher, sich über Fehler anderer aufzuregen und das Verletzungspech zu beklagen anstatt sich an die eigene Nase zu packen und ein weiteres Kapitel der blau-weißen Abschiedstour aus dem fußballerischen Oberhaus einzugestehen. Sicherlich war erstmals eine Handschrift des neuen Trainers zu erkennen und zweifellos waren vereinzelt gute Ansätze im Spielaufbau sichtbar, aber Ansätze reichen nun mal nicht aus, um abermals die Klasse halten zu können. Was zählt sind die Punkte und um die bringt sich die Mannschaft mit ihren kontinuierlich zu Tage tretenden Unzulänglichkeiten immer wieder selbst.

Die Zeit der Ausreden und Ausflüchte sollte nun vorbei sein und stattdessen konstatiert werden, dass dem aktuellen Kader die Qualität fehlt, um in der 1. Bundesliga bestehen zu können. Man kann nur noch hoffen, dass der VfL bis zur Winterpause nicht bereits komplett den Anschluss verliert und dann der Kader durch Neueinkäufe wettbewerbstauglich gemacht wird. Dies setzt allerdings voraus, dass die Niederlage in letzter Minute gegen Freiburg der Mannschaft nicht das moralische Genick gebrochen hat und der Lütt***-Effekt, der zumindest in meinen Hirnwindungen sein Unwesen treibt, ausbleibt.

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