Verfasst von: Andreas Wiemers | 30. November 2009

Der Freitag, der ein Montag war!

Fangen wir mit dem Positiven an: Mit aktuell zwölf Punkten kann der VfL Bochum 1848 zwei Punkte mehr als in der Saison 2008/09 zur gleichen Zeit auf seinem Konto verzeichnen. Zum zweiten Mal blieb der VfL in dieser Saison zwei Spiele in Folge unbesiegt. Zum ersten Mal seit Menschheitsgedenken blieb der VfL sogar zwei Spiele in Folge ohne Gegentor.

Klingt doch eigentlich ganz vernünftig, wenn da nicht dieses trostlose Unentschieden im letzten Heimspiel gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt, dem 1. FC Köln, verbucht werden müsste. Einmal mehr ist es den blau-weißen Halbgöttern nicht gelungen, zu Hause einen überlebenswichtigen Dreier einzufahren. Zwar enttäuschte die Mannschaft nicht, was Einstellung und Kampfgeist betrifft, dennoch wirkten ihre spielerischen Unzulänglichkeiten bisweilen mehr als nur zermürbend auf das immer noch wohlgesonnene Publikum. Gegen eine Mannschaft, die angeschlagen ins Ruhrstadion reiste und deren Hierarchie nach internen Zerwürfnissen zerstört ist, gelang es dem VfL selten nicht, dass Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Dass der VfL zu Hause auf nur 40,7 Prozent Ballbesitz kam und auch bei den Torschüssen fünf weniger als der FC aufzuweisen hat, spricht eine deutliche Sprache und sagt im Grunde alles aus.

Obgleich VfL-Coach Heiko Herrlich mit Shinji Ono, Stanislav Sestak, Dennis Grote und Roman Prokoph vier sicherlich nicht untalentierte Offensivspieler zu Spielbeginn auf den heiligen Rasen schickte, kam der VfL gegen tief gestaffelte Kölner zu keinen zwingenden Torchancen. Stattdessen lies sich der VfL in der Anfangsviertelstunde von den Kölnern den Schneid abkaufen. Als Köln sich dann zurückzog und aus seinem Bollwerk heraus auf Fehler des VfL wartete, fiel dem VfL nichts Produktives mehr ein. Erst als Herrlich zur zweiten Halbzeit die Brecher Joel Epallé für Grote und Diego Klimowicz für Matias Concha brachte, erweckte es kurzzeitig den Eindruck, als könne sich der VfL eine Überlegenheit erarbeiten. Aber wirklich zwingend war das nun mit fünf Offensivspielern bestückte VfL-Team immer noch nicht. Abgesehen von einem Seitfallzieher von Sestak und einem nicht gegebenen Elfmeter nach einem Foul an Klimowicz kam der VfL zu keinen nennenswerten Torchancen. Ein Wort zum nicht gegebenen Elfmeter: sicherlich kann man lange darüber diskutieren, welchen Verlauf das Spiel genommen hätte, wenn Schiedsrichter Deniz Aytekin auf den Elfmeterpunkt gezeigt hätte. Doch das inzwischen nahezu jede Aktion des Argentiniers von den Offiziellen gegen ihn ausgelegt wird, verwundert nicht mehr, wenn man sich in Erinnerung ruft, wie schnell der 191 cm große und 91 kg schwere Klimowicz bisweilen zu Boden sinkt. Köln beschränkte sich zu diesem Zeitpunkt auf das Warten von Fehlern durch den VfL. Und unser Kapitän Marcel Maltritz hätte mit zwei haarsträubenden Aussetzern die Kölner beinahe noch belohnt. Doch waren die Kölner auf so viel Gastfreundschaft offensichtlich nicht wirklich vorbereitet und versiebten die Großchancen kläglich.

Anstatt eines packenden Abstiegskrimis sah das nicht ganz ausverkaufte Ruhrstadion einen extrem ermüdenden und langweiligen Kick, der wesentlich besser Montagabends um 20:15 Uhr im DSF aufgehoben wäre. Sicherlich sind die Punkteausbeute und die Spielanlage unter Herrlich noch nicht optimal. Was aber den Qualitätsjournalisten Joachim Droll von der BILD-Zeitung dazu veranlasst, nun eine Kampagne gegen Herrlich anzuzetteln, erklärt sich mir beim besten Willen nicht. Aber wahrscheinlich hat er es immer noch nicht überwunden, dass er mit seinem Geschreibsel den Arbeitsplatz des ehemaligen Bochumer Übungsleiters Marcel Koller nicht retten konnte…

Dass der Slogan „Fußballfans sind keine Verbrecher“ eine Lüge ist, haben die „Fans“ des VfL Bochum und des FC Köln hingegen am Freitag eindrucksvoll bewiesen. Arschlöcher Deppen sogenannte VfL-„Fans“ entblödeten sich nicht, ohne Rücksicht auf Verluste im eigenen Block bzw. in Block O einen Kanonenschlag zu zünden, der dann von den Ultras jubelnd zur Kenntnis genommen wurde. Man kann nur hoffen, dass diese Spinner identifiziert und mit einem Stadionverbot sanktioniert werden. Doch im Vergleich zu den hirnlosen rund 600 gewaltbereiten FC-Anhängern, kommen die VfL-Fans fast wie eine Krabbelgruppe daher. Denn diese Idioten FC-Fans Hooligans fühlten sich dazu animiert, nach Auseinandersetzungen auf dem Weg zum Stadion eben dieses Stürmen zu wollen. Resultat dieser Vorkommnisse, wie es in Polizeiberichten so schön heißt, sind neun verletzte Menschen, zwei davon schwer. So soll nach Informationen des VfL ein Ordner schwere innere Verletzungen (unter anderem an der Milz), ein weiterer Knochenbrüche und eine Schultereckgelengssprenung davon getragen haben. Einer der weiteren Verletzten war ein Polizist. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich ungerne an die drakonische, aber berechtigte Strafe des DFB-Sportgerichtes gegen den VfL Bochum, der nach Ausschreitungen seiner Anhänger in Bielefeld einhergehend mit einer lebensgefährlichen Verletzung eines Bielefelder Ordners neben einer ordentlichen Geldstrafe auch eine Stehplatzsperre bei einem Heimspiel des VfL verhängte. Es bleibt zu hoffen, dass das DFB-Sportgericht – will es sich nicht lächerlich machen – nun zu einem ähnlichen Strafmaß auch beim FC Köln kommt. Schon alleine, damit die bis dato jubelnde schweigende Masse bei solchen Eskalationen endlich einmal die Fresse aufkriegt…

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