Verfasst von: Andreas Wiemers | 13. Dezember 2009

Oh Tannenbaum mit eisgekühltem Bommerlunder

Groß war der Wunsch, endlich mal wieder ein Fußballfest mit Anne Castroper feiern zu können. Und welcher Gegner außer Dortmund Gelsenkirchen Bayern München eignet sich besser dazu, dass in dieser Saison wenig verwöhnte Heimspielherz in einen Rauschzustand zu versetzen. Meinen grenzenlosen Optimismus, vielleicht gegen die Bayern für das Heimspiel-Leid der vergangenen Monate entschädigt zu werden, teilten nicht wirklich alle. Unter anderem Luis Reichert reagierte auf meinen ZweckOptimismus mit der Ansage, der Samstag werde allenfalls bis 15:29 Uhr schön.

Rückblickend muss ich mir nun eingestehen: Luis Reichert hatte Recht! Denn pünktlich zum letzten Heimspiel vor der Winterpause und der Weihnachtszeit hatte sich der VfL Bochum 1848 für den Gast aus dem Alpenvorland etwas ganz besonderes einfallen lassen: Gänzlich ohne Gegenwehr und mit gehörigem Abstand als Zeichen des Respektes ließen die blau-weißen Halbgötter die Bayern auf dem heiligen Rasen des Ruhrstadions ihr Spiel aufziehen. Bis zur 23. Minute wussten die Bayern mit so viel vorweihnachtlicher Nächstenliebe der Bochumer nicht wirklich viel anzufangen. Doch dann nahm sich Mario Gomez ein Herz und setzte das Zeichen an seine rot-weißen Kollegen, die Bochumer Gastgeschenke nicht unhöflich abzulehnen. Da die Bayern die Bochumer Signale aber immer noch nicht richtig zu deuten wusste, platzte dem Bochumer Mergim Mavraj irgendwann der Kragen und verhalf den Münchenern mit einem Eigentor endgültig auf den Pfad der Tugend. Allen voran Ivica Olic erkannte nun die Zeichen der Zeit und brachte die Bayern mit einem Doppelpack (43. und 50. Minute) mit 4:0 in Front. Dass die Bayern nur noch auf 5:0 davon ziehen konnten, war Bochums Nummer 1 zwischen den Pfosten, Philipp Heerwagen, geschuldet. Offensichtlich hatte er die Bochumer Strategie des geringsten Widerstandes nicht durchblickt und verhinderte mit einigen Paraden das vorweihnachtliche Fest namens höchste Niederlage im eigenen Stadion seit Menschheitsgedenken. Vermutlich wird Heerwagen, der als einziger Bochumer Bundesliga-Niveau an diesem ScheißTag vorweisen konnte, für diesen Fehltritt noch einige Euros in die Mannschaftskasse fließen lassen müssen. Auch Christian Fuchs wird Heerwagen bei der Strafzahlung vermutlich Gesellschaft leisten müssen. Verwandelte er doch tatsächlich einen Freistoß in der 76. Minute direkt gegen den durchaus verwirrt dreinblickenden Bayern-Torwart. Gleichwohl dürfte die Strafe für Fuchs weitaus weniger hoch ausfallen als für Heerwagen. Denn man kann ja auch nicht erwarten, dass sich der Österreicher Fuchs an die Ruhrpott-Traditionen hält und ausgerechnet in der Weihnachtszeit Widerstand gegen die Bayern leistet…und das ausgerechnet an einem Tag, an dem das Bochumer Motto „Hier wo das Herz noch zählt!“ lautete…

Die Ostkurve honorierte Fuchs „Anschluss“treffer übrigens mit dem Gesang „Bayern wird nervös!“. Überhaupt die Ostkurve! Einmal mehr hat sie bewiesen, dass sie nicht eine aus pöbelndem Mob bestehende Masse ist. Denn nach dem 0:5 der Bayern passte sich die Kurve endlich der vorweihnachtlichen Grundstimmung der blau-weißen Halbgötter Versager auf dem Rasen an und lies mehrfach erfolgreich den Weihnachtsklassiker „Oh Tannenbaum“ durchs Ruhrstadion schwappen. Um den Hohn und Spott (auch über sich selbst) zum Ausdruck zu bringen, wurde der Support berechtigterweise komplett eingestellt und man amüsierte sich über sich selbst und versuchte ansatzweise an diesem deprimierenden Fußballsamstag die Fassung zu wahren. Dass hierfür eisgekühlter Bommerlunder und ein belegtes Brot mit Schinken dazu gehören, erklärt sich von selbst.

Mit dieser Selbst-Persiflage griff man allerdings schon mal vorbereitend dem zuvor, was einem nach diesem sportlichen Offenbarungseid in den nächsten Tagen in den Büros und auf den Fluren zu Recht erwarten wird: Hohn & Spott!

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Responses

  1. Nur die Bayern dürfen das 😉 Das ist der Respekt einfach zu groß, nach dem Motto: „Och guck mal Mimoun, den kenn ich aus dem Fernsehen. Ist das nicht der Schweinsteiger?“

    Schöne Grüße und Glück auf!

  2. Was mir nun Angst macht: Hannovers Spieler waren auch schon im TV 😉


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