Verfasst von: Andreas Wiemers | 17. Januar 2010

Wir sind gewonnen heute!

2010, ihr werdet es schon sehen…

…lautet ein eher trotziger Spruch des Bochumer Anhangs, um die bis dato titelfreie Zeit ironisch aufs Korn zu nehmen und für eben jenes Jahr den Durchbruch bei der Ansammlung von Titel und Trophäen anzukündigen. Zweifellos ist der VfL Bochum 1848 aktuell von einer Trophäe so weit entfernt wie der Papst von der Hochzeit, doch was ich beim ersten Spiel des VfL im Jahr 2010 in Gladbach gesehen habe, stimmt mich zumindest dahingehend zuversichtlich, den Klassenerhalt auch im vierten Jahr in Folge unter Dach und Fach bringen zu können.

Nahezu 70 Minuten lang standen die blau-weißen Halbgötter beim 1:2-Auswärtssieg gegen die Gladbacher Fohlen in der Defensive kompakt, ließen wenige brenzlige Situationen im eigenen Strafraum zu und brachten die Gladbacher Abwehr mit gefährlichen Kontern immer wieder in Bedrängnis. Meine Augen reibend nahm ich so voller Genugtuung in der 12. Spielminute den Führungstreffer von Stanislav Sestak nach einem sehenswert vorgetragenen Konter zur Kenntnis. Dass der VfL zu solchen Spielzügen überhaupt noch in der Lage ist, nahm ich mit großer Verwunderung wohlwollend zur Kenntnis.

Eine so gut gestaffelte Bochumer Mannschaft habe ich seit den Siegen gegen LR Ahlen und den Sportfreunden Siegen in der Saison 2005/06 – wohlgemerkt in der Schweineliga – nicht mehr gesehen. Selbst die Defensive um Kapitain Marcel Maltritz absolvierte die 90. Minuten nahezu fehlerfrei ohne die inzwischen traditionellen Böcke. Auch Christoph Dabrowski erweckte den Eindruck als könne er wieder an längst vergessene Zeiten anknüpfen und wirkte neben dem serbischen Neuzugang Milos Maric endlich mal wieder wie ein Turm in der Schlacht. Überhaupt Maric. Er wirbelte nahezu überall herum und man bekam tatsächlich den Eindruck, als habe der VfL endlich mal wieder einen gelungenen Transfer getätigt, der nicht erst eine Hinrunde Eingewöhnungsphase brauche.

Eben jene Eingewöhnungsphase brauchte offensichtlich Sommerneuzugang Zlatko Dedic, der mit seinem ersten Treffen für den VfL in der 36. Minute auf 0:2 erhöhte. Bemerkenswert an diesem Treffer war und bleibt: er fiel nach einer Ecke. Selbst mein Uropa konnte sich nicht mehr daran erinnern, wann der VfL zuletzt nach einer eigenen Ecke selbst ein Tor erzielte und sich nicht nach eben jener Situation im direkten Gegenzug einen Gegentreffer fing. Dass Dedic fürs Jubeln die gelbe Karte sah: geschenkt. Denn hoffentlich streifte er sich mit dem Trikot auch jene Last vom Buckel, die ihn bis dato am Status eines Scorers hinderte.

Im weiteren Verlauf offenbarten die blau-weißen Halbgöttern mit Glück und Geschick den Fohlen, wie man trotz des zwischenzeitlichen Anschlusstreffers in der 80. Minute eine Führung über die Zeiten rettet und stellten sich dabei nicht so selten dämlich an wie die Gladbacher im Hinspiel, denen selbst ein Vorsprung von drei Toren nicht ausreichte, um im Ruhrstadion zu gewinnen. Apropos im Ruhrstadion gewinnen: vier Spiele in Folge ist der VfL auswärts nun ungeschlagen, drei dieser Spiele in der Fremde konnte er sogar gewinnen. Und sicherlich sind Auswärtssiege schon eine ziemlich geile Angelegenheit, aber der Anhänger des VfL würde auch gerne mal wieder zu Hause essen und Siege feiern. Und welches Spiel bietet sich besser an den Heimfluch zu besiegen als das kommende Wochenende, wo die Buerer an der Castroper Straße vorspielen. Und wenn der VfL selbst nicht in der Lage sein sollte, den Siegtreffer zu erzielen, kann ein Neu-Buerer brasilianischer Herkunft in der 93. Minute Schützenhilfe leisten….Und es wäre mehr als wünschenswert, wenn Stani Sestak am kommenden Samstag ebenfalls sein liebenswertes „Wir sind gewonnen heute!“-Fazit ziehen könnte und man solche Bilder wie nach dem Sieg in Gladbach auch endlich wieder im Ruhrstadion sieht:

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