Verfasst von: Andreas Wiemers | 14. Februar 2010

Heikos Händchen

175 Tage mussten ins Land ziehen, bis die blau-weißen Halbgötter des VfL Bochum 1848 nach dem Sieg gegen Hertha BSC Berlin am 23. August 2009 endlich mal wieder zu Hause dreifach punkteten. Am 22. Spieltag war es mit einem 2:1-Sieg gegen 1899 Hoppenheim dann endlich wieder so weit. Nach zwar gefühlten, aber nicht berechneten Siegen gegen Sch**** und Leverkusen konnte Anne Castroper mit ihren Jungs (und Mädels) endlich mal wieder einen Dreier zelebrieren. Wie man mit solchen dreifachen Punktgewinnen umgeht, war nach monatelanger Abstinenz einem Großteil der Ostkurve beinahe unbekannt.

Also beschränkte man sich sowohl nach dem 1:0-Führungstreffer durch Stanislav Sestak in der 24. Spielminute und dem 2:1-Siegtreffer durch Zlatko Dedic in der 76. Spielminute auf das Verschütten halb gefüllter Bierbecher, die man mit großer Genugtuung im unmittelbaren Umfeld zwar nicht in lechzende Münder, dafür aber auf Klamotten und Frisurenexperimente verteilte. Und zumindest für die Haare soll Bier ja gut sein…Konsequenz war allerdings, dass manche zitternd vor Kälte, andere zitternd vor Aufregung die folgenden vierzehn Spielminuten mit leeren Händen verbringen mussten und nichts mehr zum Anstoßen hatten, als Schiedsrichter Marco Fritz das Spiel endlich abpfiff.

Allerdings war emotionsgeladene Brause in diesem Moment eh nicht mehr von Nöten: wechselseitig sprang der Jubelfunke von der Mannschaft auf dem Rasen und dem Anhang in der Kurve über. Hatte unter der Woche eine deutsche Boulevardzeitung mehrfach in ihrer bekannt sachlichen Berichterstattung geschrieben, dem VfL liefen die Fans weg und der VfL bettele um Fans (klick, klick und klick), bewiesen leider nur 17.104 Zuschauer im Ruhrstadion – sowohl während des Spiels als auch nach dem Schlusspfiff -, dass Klasse immer noch besser ist als Masse. So bedankte sich Bochums Schlussmann Philipp Heerwagen im Interview mit VfL Bochum-TV für die Unterstützung des blau-weißen Anhangs, der selbst in einem eher von Taktik geprägtem Match, nach dem Ausgleich noch einmal Stimmung gemacht hat und die Mannschaft nach vorne peitschte. Ein Umstand, den Heerwagen völlig zu Recht als „phänomenal“ bezeichnet.

Denn im Gegensatz zu früheren Zeiten zogen sich Mannschaft und Fans nach dem nicht unverdienten Hoppenheimer Ausgleich nicht ins bekannte Bochumer Schneckenhäuschen zurück, sondern zeigten die Kahnschen Eier, um endlich mal wieder einen Sieg zu Hause feiern zu können. All dies ist sicherlich auch ein Verdienst des neuen Cheftrainers Heiko Herrlich, der sowohl Fans als auch Mannschaft den Glauben an die eigenen Stärken zurück gegeben hat und nicht nur mit rhetorischen Beispielen aufzeigt, dass sich der VfL Bochum 1848 vor nichts und niemanden verstecken muss. Eine Art der Ansprache, die bei den nunmehr seit sechs Spielen ungeschlagenen blau-weißen Halbgöttern offensichtlich auf fruchtbaren Boden gedeiht. Doch Herrlich findet nicht nur die richtigen Worte, sondern verfügt offenbar auch über das richtige Händchen, um den Erfolg herbeizuführen. Nach der Koller-Ära sind frühe Auswechselungen immer noch ein ungewohntes Bild für den gemeinen Supporter. Dass diese den Spielverlauf zudem auch noch positiv beeinflussen können, ist eine nicht minder wertzuschätzende neue Erkenntnis, wie die Tatsache, dass eine Standardsituation des VfL vor dem gegnerischen Tor nicht zwangsläufig zu einem Treffer der Gastmannschaft führen muss. So wurden beispielsweise drei der letzten fünf Tore des VfL durch Einwechselspieler erzielt. Offenbar ist es Herrlich und seinem Co-Trainer Iraklis Metaxas gelungen, aus dem Konglomerat verunsicherter individueller Fehlerteufel, eine Mannschaft zu bilden, die weitaus mehr als nur die elf Mann in der Startelf umfasst. Man verfügt nun in Bochum über einen Kader, der an sich glaubt und jeder Reservist keine Ergänzung, sondern eine absolute Bereicherung für das Spiel darstellt. So macht Abstiegskampf Spaß und es wäre wünschenswert, wenn endlich der Bochumer Sofafan diese Entwicklung mit einem Stadionbesuch honoriert.

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Responses

  1. Links anne Ruhr (15.02.2010)…

    Dortmund: Party-Szene soll im Hafen ankern (DerWesten) – Die Stadt Dortmund möchte am Hafen der Party-Szene der größten Stadt des Ruhrgebietes eine neue Heimat bieten. Ruhrgebiet: André Zalbertus möchte Zeitung f……


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