Verfasst von: Andreas Wiemers | 16. Februar 2010

Mit gezielten Indiskretionen gegen den ungeliebten Wüst und den ungeliebten Rüttgers

Dass bei der CDU Nordrhein-Westfalens ziemlich viel im Argen liegt, haben die jüngsten Indiskretionen in der Staatskanzlei- und Abhör-Affäre, den Entlassungen in der Wasserstraße, der Beitragsaffäre um Landtagspräsidentin van Dinther und der Gehaltsaffäre von NRWCDU-General Hendrik Wüst bewiesen. Doch wer glaubte, in der nordrhein-westfälischen CDU würde 82 vor der Landtagswahl am 9. Mai Ruhe einkehren, sah sich netterweise heute getäuscht. Dem Blog „Wir in NRW“ flog eine Musterrede der NRWCDU zu, die fortan von den Landtagskandidaten der nordrhein-westfälischen Konservativen zu halten ist.

Mal davon abgesehen, dass ich mich frage, wieso solch umfassende Wahlkampf-Redemanuskripte durch die Gegend fliegen, wenn Landesrabenvater Jürgen Rüttgers nach eigenem Bekunden den Wahlkampf erst nach Ostern beginnen will (was übrigens passenderweise direkt zu Beginn der Rede hervorgehoben wird!), bilanziert das Manuskript mit geschönten Zahlen und Argumenten, was Schwarz-Gelb in NRW bislang erreicht haben will. Damit kann der arme Kerl, der die Rede halten muss, vielleicht noch wohlgesonnene Parteifreunde zu einem leichten Beifall animieren, aber wohl kaum einen Bürger überzeugen, der seinen Alltag außerhalb der Elfenbeintürme Staatskanzlei und Wasserstraße lebt.

Wer jedoch Antworten sucht, wie die CDU Nordrhein-Westfalens Zukunft demnächst gestalten will, quält sich vergeblich durch die 25-Seiten umfassende Rede. Allenfalls mit der Linkspartei setzt sich das Manuskript intensiv auseinander: beinahe fünf (von insgesamt 25!) Seiten widmet sich das Manuskript einer Partei, die um den Einzug in den Landtag NRW bangen muss. Der Angstschweiß des Redners und der gesamten NRWCDU ist bei diesem Thema fast schon zu riechen. Doch welch bizarres Spielchen die NRWCDU treibt, in dem sie Rote-Socken-Kampagnen aus dem letzten Jahrhundert aufwärmt, zeigt der nicht ganz unwichtige Rechenfehler, der der gesamten Argumentation zu Grunde liegt: Denn mal abgesehen von der Tatsache, dass solch ein Bündnis politisch nicht gewollt ist, wird es für eine rot-rote Landesregierung (so die Linke NRW überhaupt in den Landtag einzieht) bei der Landtagswahl mit größter Wahrscheinlichkeit keine Mehrheit geben. So SPD und Grüne nicht bereits von sich aus auf eine Mehrheit am 9. Mai kommen, würde es höchstens für Rot-Grün und Rot reichen. Zudem käme rechnerisch auch noch eine Ampel in Betracht. Aber mit dieser ehrlichen Argumentation würde die NRWCDU ja einem vermeintlichen Partner vors Schienbein treten, dem man derzeit so intensiv Avancen macht, dass es fast schon wieder peinlich ist…

Lustig wird es zum Ende aber dann doch noch mal. Denn hier wird der arme Redner dem noch ärmeren Publikum vermeintlich verraten, bei der SPD liefen die Vorbereitungen für ein rot-rotes Bündnis. Da fragt man sich schon, woher die CDU so etwas wissen will. Denn für Indiskretionen stehen in NRW allenfalls die Buchstaben C-D-U. Aber mangels Informationen kann man Rot-Rot und Rot-Grün, denn für letzteres trifft die NRWSPD Vorbereitungen, schon mal durcheinander bringen. Aber gut, dass die CDU NRW letztendlich „Sicherheit und Ordnung“ propagandiert. Etwas, was sie noch nicht einmal im eigenen Laden vorzuweisen hat!

Und hier gibt es das Pamphlet in seiner Formvollendung zu lesen – allerdings auf eigene Verantwortung!

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Responses

  1. http://nixzen.wordpress.com/2010/02/22/ruttgers-co-parteispenden-mal-web-2-0/


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