Verfasst von: Andreas Wiemers | 28. Februar 2010

Für Stadionverbote!

Einmal mehr wird nun der Name des VfL Bochum 1848 mit Verletzten in Fußballstadien genannt. Auch wenn dieses Mal die Fans vom VfL nicht aktiv daran beteiligt waren, bleibt ein fader Beigeschmack. Denn das Glashaus, aus dem die Ostkurve heraus die Aktion den Schwachsinn der so genannten Nürnberg-„Fans“ kommentierte, ist mehr als nur brüchig.

Doch zu erst zum Spiel. Wer gestern Anne Castroper aufsuchte, um fußballerische Leckerbissen zu erleben, muss von seinen Freunden und Bekannten ganz böse verarscht worden sein. Denn beim Heimspiel gegen den Club aus dem Frankenland ging es nicht darum, mit schönem Fußball den Anhang in Ekstase zu versetzen, sondern entweder den Vorsprung auf einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt auszubauen, oder zumindest konstant zu halten. Eines durfte auf keinen Fall passieren: eine Niederlage! Mit Blick auf das beim ersten Betrachten trostlos anmutende Endergebnis von 0:0 bleibt festzuhalten: Mission erfüllt!

Wer Fußball als Event betrachtet, kann dem gestrigen Punktgewinn sicherlich wenig Positives abgewinnen. Zu sehr bestimmte das Prinzip „Fehler vermeiden“ die Grundphilosophie der beiden Duellanten auf dem heiligen Rasen des Ruhrstadions. Gute, herausgeholte Torchancen waren Mangelware und beiden Mannschaften fiel offensiv zu wenig ein, um die jeweils andere gut sortierte und kompakt agierende Defensive in Bedrängnis zu bringen. Bochumer Torchancen ergaben sich zumeist nur nach Standardsituationen und noch jetzt frage ich mich, warum dieser beschi***** Ball nicht einfach mal über die Nürnberger Torlinie hoppeln konnte. Aber egal, über mangelndes Glück sollte man sich als Bochumer derzeit nicht beschweren. Bisweilen erarbeitete sich auch der Club den Hauch von Torchancen. Doch es blieb bei eben jenem Hauch. Während der gesamten 90. Minuten spürte ich nicht mal ansatzweise jene hässlichen Angstattacken, der Gegner könne nun ein Tor erzielen. Und für die Beseitigung dieser Neurose durch konzentrierte Abwehrarbeit bin ich Heiko Herrlich und seinen Mannen unheimlich dankbar. Was nach dem Remis bleibt, sind harte Fakten: acht Spiele in Folge blieb der VfL nun ungeschlagen und in der Rückrundentabelle belegt der VfL Bochum den unglaublichen Tabellenplatz 5: direkt hinter den Knappen aus Buer und sechs Plätze vor den Mädchen aus den Lüdenscheid. Und: Ein respektabeler, aber noch nicht beruhigender Vorsprung von neun Punkten auf den Relegationsplatz. Ein Moment zum Genießen, aber auch kein Grund, die Bodenhaftung zu verlieren und nun als Fan mit überzogenen Ansprüchen in die nächsten Spiele zu gehen. Denn wie sagte Herrlich völlig zu Recht: „man darf nicht vergessen wo wir herkommen – nämlich vom 17. Platz.

Wie bescheuert man sein muss, im Stadion bzw. im Block Knallkörper und Feuerwerkskörper abzufeuern, habe ich schon immer gefragt und es war im Grunde nur eine Frage der Zeit, bis es irgendwann zu Verletzten kommt. Dumm, dass dies nun ausgerechnet in Bochum passieren musste. So genannte „Fans“ des FC Nürnberg zündeten zu Beginn des Matches Feuerwerkskörper und nutzten dazu offensichtlich Magnesiumpulver, „das eine Temperatur von über 1000 Grad erreicht und im Prinzip nicht zu löschen ist.“ Ergebnis:

Sieben Brandverletzungen und eine Rauchvergiftung: Das war die erste Bilanz der Rettungskräfte, die die Erstversorgung vor Ort vornahmen. Anschließend wurde sechs Personen in zwei Bochumer Krankenhäuser eingeliefert. Zwei Nürnberger Fans erlitten Verbrennungen des dritten Grades, so ein Sprecher der Bochumer Feuerwehr.

Nürnberger Pyromane 2 (c) www.1848er.eu

Nürnberger Pyromane 2 (c) http://www.1848er.eu

Was dieser Blödsinn in Fußballstadien zu suchen hat, erklärt sich mir beim besten Willen nicht. Es sieht nicht gut, stattdessen behindert die Rauchentwicklung die Sicht auf das Spiel. Zudem stinkt es unglaublich und wie „gesundheitsgefährdend“ die ganze Scheiße ist, zeigt das unrühmliche Beispiel vom Samstag. Auch warum dies der Stimmung zuträglich sein soll, erschließt sich mir nicht. Vielleicht mag Pyrotechnik in südlichen Ländern dazu gehören, aber allein der Blick auf die Insel zeigt, dass Stimmung auch wunderbar ohne Feuerwerks- und Knallkörper entsteht.

Peinlich war auch die Reaktion eines Teils des Bochumer Anhangs auf die Nürnberger Aktion. Nicht wenige streckten den Daumen gen Nürnberg-Block und stimmten zeitgleich „Fußballfans sind keine Verbrecher“ an. Dazu kamen die obligatorischen Pfiffe, denn im Ruhrstadion wird so etwas natürlich nicht geduldet. Hier gelten noch Recht und Gesetz. Auswärts hingegen nicht. Denn am lautesten pfiffen jene, die bei Auswärtsspielen des VfL als erste mit an Bord sind, einen im eigenen Block gezündeten Knall- und/oder Feuerwerkskörper zu zelebrieren. Den unrühmlichen Höhepunkt erlebte Bochums Anhang dabei am 3. Mai 2008 in Bielefeld und wie wenig man daraus gelernt hat, offenbaren nicht nur die Ereignisse beim letzten Auswärtsspiel des VfL am Mainzer Bruchweg. Leider ist es auch für Bochums-Anhänger bei Auswärtsspielen Gang und Gebe, mit Knall- und Feuerwerkskörpern vermeintlich Aufmerksamkeit zu erregen und „Stimmung“ zu machen. So dass für „normale“ Anhänger bei Spielen in der Fremde nicht die Frage „Wo sehe ich am Besten?“ entscheidend für die Platzwahl ist, sondern stattdessen „Wie schaffe ich den größtmöglichen Abstand zu den Problemfans?“ handlungsbestimmend ist. Mit wie wenig Hirn und Menschenverstand inzwischen so manch einer den Mutterleib verlässt, offenbarte dann leider auch am Samstag ein kleiner Teil der Ostkurve, der die Meldung des Stadionsprechers, es habe im Gästeblock Verletzte und Schwerverletzte gegeben, mit zynischen Beifall quittierte. Da kriegt man einfach nur noch Brechreiz!

Für mich ist jedes Stadionverbot gegen selbst ernannte Fans, die im Stadion Knall- und Feuerwerks anzünden, absolut gerechtfertigt. Und man sollte es auch auf jene ausweiten, die andere dazu animieren. Dieser Schwachsinn hat in Fußballstadien nichts zu suchen!

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Responses

  1. Dem kann ich nur zustimmen. Doch lese ich dazu in Foren den Tenor „wäre es legal, würde so etwas nicht passieren“ Mir erschließt sich diese Formel nicht, wenn ich Angst haben muss, dass jederzeit einer meiner Stehplatznachbarn sein Feuerwerk herausholt. Was passieren kann, hat man nun leider gesehen. Wer nun argumentiert, dass sowas einmal passieren KANN, aber nicht immer MUSS, dem sage ich: einmal was passiert ist mir für meine Gesundheit genau einmal zuviel.

  2. „Grandios“ finde ich die Fahne „Sektion Stadionverbot“ die einer der Nürnberger vor dem Feuer schwenkt. Ja, ich bitte darum!

  3. Die Stadionverbot-Fahne vor dem Block ist wirklich ganz großes Kino …

    Ich hatte in der Hinrunde in Dortmund das Vergnügen, mitten in so einer Rauchwolke zu stehen. Ein Erlebnis der etwas anderen Art … So etwas kann man nur als versuchte bis tatsächliche Körperverletzung einstufen.

    Und dann diese unsägliche Doppelmoral von solchen Subjekten: Erst die halbe Kurve abfackeln und dann über Stadionverbote lamentieren.


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