Verfasst von: Andreas Wiemers | 11. April 2010

Wir ham gekämpft, wir ham verloren!

Nachdem bereits VfL-Coach Heiko Herrlich einen Heimsieg gegen den Hamburger SV unter der Woche ausgeschlossen hatte und stattdessen vom „Leistung abrufen“ sprach, kann man nach der heutigen 1:2-Schlappe gegen den HSV festhalten, dass die Mannschaft die Vorgabe des Trainers voll und ganz erfüllt hat. Zumindest leidenschaftlich gekämpft haben die blau-weißen Halbgötter Absteiger? Versager Bochumer Jungen gegen den Sportverein aus Hamburg. Dass der „verbotene“ Heimsieg nicht geklappt hat, war eher dem eigenen Unvermögen vor dem gegnerischen Tor und den individuellen Klasse der Hamburger zuzuschreiben.

Zwar konnten der VfL Bochum 1848 den aus Zuordnungsproblemen resultierenden 0:1-Führungstreffer des HSV in der 18. Spielminute durch einen sehenswerten Treffen von Zlatko Dedic vierzehn Minuten später egalisieren, anschließend gelang es dem VfL aber nicht, vorhandene Torchancen gegen konditionell angeschlagene Hamburger zu nutzen und sich selbst in Führung zu bringen. Stattdessen bestrafte der HSV das Auslassen bester Bochumer Torchancen zwei Minuten vor dem Abpfiff durch das 1:2-Endergebnis. Was vor dem Hamburger Tor nicht gelang, wurde durch Andreas Johansson im eigenen Sechzehner durch ein Eigentor formvollendet.

Trotz ansprechender Leistung nähert sich der VfL dramatisch den Abstiegsplätzen und angesichts des Restprogramms in Köln, die nun befreit aufspielen können, und einem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart sowie einem Auswärtsspiel in München, kann und wird es wahrscheinlich am 8. Mai in Bochum zu einem Abstiegsendspiel gegen Hannover Kind 96 kommen. Zumindest die Termine der Relegationsspiele habe ich in meinem Kalender schon mal geblockt…

Abgesehen von der Tatsache, dass die Mannschaft heute ihre vorhandenen Chancen nicht genutzt hat, kann man ihr im Grunde wenige Vorwürfe machen. Allen voran Bochums Innenverteidiger Marcel Maltritz und Anthar Yahia haben heute überzeugende Arbeit geleistet. Zumindest in ihren Defensivqualitäten. Auch Christoph Dabrowski hat neben der Präsenz von Philipp Bönig zu aller Kämpfereinstellung zurückgefunden und nahm bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechselung in adäquater Form am Spielgeschehen teil. Nur Joel Epallé hat in der Startelf nichts mehr zu suchen. Zweifellos sind sein kämpferischer Einsatz und seine Laufbereitschaft unstrittig. Doch gerade für eine konstruktive Offensivkraft ist sein Spielverständnis in Bezug auf Abspiele und seine Spielintelligenz kontraproduktiv. Mit größtmöglichen Schmerzen erinnere ich an die Situation, als Lewis Holtby in den freien Raum vorstieß und Epallé eben diesen Raum zu machte, in dem er gefolgt von zwei Gegenspielern exakt in jenen freien Raum lief und das Spiel zum Hamburger Vorteil eng machte. Aber da passte er sich im Grunde in das Gesamtgefüge ein, denn das Spiel ohne Ball war heute in der Vorwärtsbewegung eher mangelhaft. Bisweilen hat man sich die Räume nicht erarbeitet, sondern stieß erst in den Raum, nachdem der Pass bereits gespielt war.

Schlussendlich ist die Tabellensituation des VfL ein hausgemachtes Problem und es bleibt nur noch zu hoffen, dass die heutige Niederlage nicht ähnlich negative Nebenwirkungen mit sich bringt, wie die Schlappe in Bremen, wonach die Mannschaft in ein Leistungsloch gefallen ist. Denn dafür wäre es derzeit ein äußerst suboptimaler Zeitpunkt! Und dass die Fans mit der Leistungsbereitschaft zufrieden waren, haben sie der Mannschaft nach Spielschluss demonstriert. Apropos Fans: Wie selbstverständlich die Nazi-Marke „Thor Steiner“ inzwischen im Ruhrstadion getragen wird, ist nur noch zum Kotzen. Neben den ganzen versteckten Shirts und Pullis in der Ostkurve war sicherlich jener „Fan“ der negative Höhepunkt, der stolz sein Nazi-Shirt auf dem Zaun präsentierte und die Rolle des Vorsängers einnehmen wollte. Sicherlich wurde er nach zehn Minuten dann endlich gedrängt, seinen Kapuzenpulli wieder überzuziehen. Dass dies von den Fans gefordert wurde, spricht zumindest für einen Teil der Fans. Dass die Ordner aber nicht interveniert haben, spricht ebenfalls für sich und macht deutlich, dass der VfL und die Stadt Bochum hier dringenden Nachbesserungsbedarf haben bzw. vorhandene Regelungen konkretisieren müssen und das Tragen der rechten Szene eindeutig zuordnenbaren Klamotten im Ruhrstadion untersagen sowie die Ordnungskräfte anhalten sollten, etwaigen Verstößen eigenmächtig nachzugehen.

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