Verfasst von: Andreas Wiemers | 17. April 2010

Darum sagen wir: Auf Wiedersehen!

Eine sicherlich nervöse, aber dennoch kämpferisch-optimistische Grundstimmung herrschte vor dem Anpfiff des Auftritts des VfL Bochum 1848 in Köln beim blau-weißen Anhang. Wieder einmal schöpfte man aus dem zurückliegenden Spiel die Hoffnung, die Mannschaft könne an diese Leistung anknüpfen und im Rheinland die dringend notwendigen drei Punkte im Kampf um den Klassenerhalt nach Hause bringen. Gleichzeitig bestand aber auch die Befürchtung, die durchaus unglückliche Niederlage gegen den HSV am letzten Wochenende, könnte der Mannschaft das Genick gebrochen haben. Umso aufgeregter sehnte man die ersten Spielminuten herbei, um zu endlich erfahren, welche Konsequenzen Mannschaft und Trainerstab aus dem letzten Spiel gezogen haben.

Es stellte sich allerdings schnell heraus, dass man auf das Spiel gegen Köln wohl besser verzichtet hätte: Denn auf dem Rasen trugen elf völlig verunsicherte, ängstliche und leidenschaftslose Angestellte des VfL Bochum ihr Trikot spazieren. Was die pessimistische Gehirnhäfte also befürchtet hatte, wurde traurige Realität. Die Blau-Weißen waren dem Druck nicht gewachsen und der leidenschaftliche Kampf gegen den HSV erwies sich als Eintagsfliege. Selbst Zweikämpfe nahmen die Helden Versager Absteiger? nicht an und stellten die für ihre Heimschwäche berüchtigten Kölner bestenfalls im Raum. Allenfalls Trainerstab und Mannschaft werden vermutlich wissen, wieso man auf aggressives Forechecking verzichtete und den Gegner frühestens beim Betreten der eigenen Spielhälfte versuchte (sic!) anzugreifen. Doch auch diese Gegenwehr bestand allenfalls daraus, im Sicherheitsabstand von ca. zwei Metern den Kölner mit bösen Blicken zu beeinflussen. Der Kampf um den Ball nahm man hingegen nicht an. So kam es wie es kommen musste: In der 15. Minute nutzte Köln die lückenhafte Raumdeckung des VfL, um mit 1:0 in Führung zu gehen. Dies stellte für die Bochumer allerdings keinen Weckruf dar, sondern trug lediglich zur weiteren Verunsicherung bei. Es folgte ein Fehlpassfestival, das selbst bei Einwürfen kein Ende fand, und Standfußball nebst planlosen Bällen in den gestern von Bochum so geschätzten Raum. Mit viel Wohlwollen könnte man der Mannschaft zu Beginn der zweiten Halbzeit noch ein „Aufbäumen“ unterstellen. Doch dies beschränkte sich allenfalls im Ballbesitz, der in den gesamten 90. Minuten zu keiner nennenswerten Torchance des VfL führte. Stattdessen sicherten die Kölner mit dem 2:0-Endstand in der 78. Spielminute ihren Klassenerhalt.

Der Auftritt des VfL in einem so wichtigen Spiel ist völlig indiskutabel und es stellt sich die Frage, warum der Trainerstab die Mannschaft in der personellen Besetzung und mit einer viel zu defensiven Grundausrichtung auf das Feld schickte. Offensiv fand der VfL Bochum ohne einen erst 19-Jährigen, der überraschend auf der Ersatzbank Platz nehmen musste, überhaupt nicht statt. Kampf ward ebenfalls nicht gesehen. Ein Armutszeugnis und der Bundesliga nicht würdig. Aber momentan befindet sich der VfL auf dem besten Weg in die Zweitklassigkeit – wo er offenbar auch hingehört. Denn spielerisch ist er dort bereits angekommen. Es war klar, dass zu diesem Zeitpunkt wieder jene aus ihren Löchern kommen, die die Entlassung von Marcel Koller für falsch hielten (klick) und sich nun bestätigt fühlen. Dabei wird allerdings vergessen, wer den offenbar nicht konkurrenzfähigen Bochumer Kader zusammengestellt hat. Insofern war die Entlassung Kollers absolut richtig. Sie kam sogar mindestens sechs Spieltage zu spät.

Bochumer Chaoten! Bild: http://twitter.com/jungspund

Bochumer Chaoten! Bild: http://twitter.com/jungspund

Neben dem sportlichen Offenbarungseid verdeutlichte auch ein Teil des Anhangs, dass er in Stadien der 1. Bundesliga nichts mehr zu suchen hatte. Bereits vor Spielbeginn nahm ich äußerst irritiert zur Kenntnis, mit was für Klamotten man heutzutage ins Stadion kommt. Zur Nazi-Marke Thor Steiner gesellten sich mit Reichskriegsflaggen bestickte Jacken. Kurzzeitig dachte ich auf einer Veranstaltung der NPD und nicht bei einem Fußballspiel zu sein. Grund genug, einige Stufen Abstand zu diesem Pack zu suchen. Und dies stellte sich kurze Zeit später als richtige Entscheidung heraus. Denn die Kurzhaar- und Schwarzpulli-Fraktion entzündete mehre offene Feuer und Rauchbomben im Block und feierte sich für diese Straftaten selbst, die für den Verein völlig zu Recht Geldstrafen und weitere Sanktionen zur Folge haben werden. Wer solche Fans hat, braucht keine Gegner mehr! Das heraneilende Ordner- und Polizeiaufgebot begrüßten diese Arschlöcher mit „Kommt, Kommt“-Rufen, was die Ordnungskräfte kurze Zeit später auch machten und zumindest für kurzzeitige Ruhe im Block sorgten – bis es zu Schlägereien zwischen Ordner und jenen Idioten kam, die unsere Farben ruinieren. Dass sich dann aber das Ordnungspersonal wieder aus dem Block zurückzog, erschließt sich mit beim besten Willen nicht. Denn nun feierte das Pack ihren vermeintlichen Sieg, den die richtigen Fans wahrscheinlich mit Stehplatzsperren und leeren Rängen bezahlen müssen.

Es bleibt festzuhalten, dass der Verein ein großes Fanproblem hat und es an der Zeit wird, mit harten Sanktionen einzuschreiten, wenn man die Kontrolle nicht vollends verlieren will. Denn als Fan, der lediglich seine Mannschaft unterstützen will, wird man sich nach dem gestrigen Auftritt des Anhangs die Frage stellen müssen, ob man sich überhaupt noch auf Auswärtsfahrten begibt. Der 1. FC Nürnberg hat Möglichkeiten aufgezeigt, die Auswärtsfahrer in den Griff zu bekommen. Es liegt nun beim Verein, ähnliche Maßnahmen einzuleiten. Denn unter diesen Chaoten leidet nicht nur das Image des VfL, es zerstört auch den Support aus der Kurve, deren breite Mehrheit sich nicht mit diesen Gehirnamputierten auf eine Stufe stellen lassen will, stattdessen in betretenes Schweigen übertritt und den Verbrechern (sic!) ein zutreffendes „Ihr seid total asozial!“ zuruft.

Im Grunde fehlen die Worte, um das Gefühlschaos nach einem dramatischen Schritt in Richtung Abstieg und einem peinlichen und gemeingefährlichen Auftritt der mitgereisten Chaotentruppe zu beschreiben. Hierfür müsste ein Wort aus Verbitterung, Enttäuschung und Wut gefunden werden! Dann wäre dieser Text auch nicht so lang geworden.

Mehr als Podcast bei 1848 Einwürfe!

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Responses

  1. Komisch, dass ich in solchen Momenten immer „Fußballfans sind keine Verbrecher“ im Sinn habe, einem der dämlichsten Gesänge, den ich kenne.

    Schade, dass sich Mannschaft und „Fans“ von einem Tiefpunkt zum anderen hangeln und sich gegenseitig noch übertreffen.


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