Verfasst von: Andreas Wiemers | 9. Mai 2010

Danke für nix!

Sage und schreibe neun Punkte Vorsprung hatte der VfL Bochum 1848 bereits auf die Abstiegsränge. Doch mit einer beispiellosen Serie ohne Sieg und mitleidserregenden fußballerischen Darbietungen schaffte es der bester aller Vereine doch tatsächlich, sich vor Beginn des 34. Spieltages auf einem Abstiegsplatz wieder zu finden. Dankenswerterweise hatte die DFL den Spielplan so gelegt, dass dem VfL mit einem Heimspiel gegen den direkten Konkurrenten aus Hannover die Möglichkeit geboten wurde, sich mit einem Sieg aus eigener Kraft zumindest von einem direkten Abstiegsplatz auf den Relegationsplatz hoch zu hieven. Unter optimalen Voraussetzungen bestand sogar die Möglichkeit, trotz temporären Totalversagen, den Klassenerhalt direkt zu schaffen. Mit nur einem Sieg im alles entscheidenden Spiel besaß die Mannschaft die Möglichkeit, den blau-weißen Anhang für eine völlig verkorkste Saison zu entschädigen und offene Wunden im Seelenleben eines VfL-Fans zu schließen.

Ein Team versus elf Söldner

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Man hätte also zumindest erwarten können, dass sich die Spieler Osterhasen des VfL Bochum wenigstens in diesem einen von 34 Spielen den Allerwertesten aufreißen und sich mit aller Kraft gegen den drohenden Gang in die Zweitklassigkeit zur Wehr setzen. Doch bewies die Mannschaft bewiesen die Individualisten gestern einmal mehr, dass sie sowohl fußballerisch und charakterlich in der 2. Bundesliga deutlich besser aufgehoben sind als unter den besten 18 Vereinen Deutschlands. Anstelle von bedingungslosem Einsatz und unbedingtem Willen zum Sieg vermittelten mindestens Dreiviertel dieser Versagertruppe den Eindruck, sie spiele in einem lockeren Testspiel gegen die eigene zweite Mannschaft. Vielleicht wollten sie sich aber auch so kurz vor der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika oder beim Absprung zum neuen Arbeitgeber nicht mehr verletzen. Es passte wie die Faust aufs Auge, dass im Stadionmagazin des VfL zum gestrigen Spiel der aktuelle Ausrüster mit der Anzeige „Ein Team versus elf Söldner. Auf welcher Seite spielst Du?“ warb. Das Team war Hannover 96, die ohne nennenswerten Aufwand den Klassenerhalt mit einem 3:0 gegen die Bochumer Trümmertruppe perfekt machten.

Es ist bedauerlich, dass jene, die sich wirklich wie Dariusz Wosz, Jupp Tennhagen und Ata Lameck – um nur einige zu nennen – mit dem Verein identifizieren, inzwischen zu alt sind und leider nur noch in Interviews die blau-weiße Seele streicheln können. Stattdessen kriegen wir nun ein Personal vorgesetzt, das den VfL Bochum 1848 lediglich als temporären Arbeitgeber betrachtet, mit dem die Spieler abgesehen von der Bankverbindung sonst nichts mehr verbindet. Leidenschaft und Aufopferung für den Verein fällt da schon mal hinten runter, denn wenn es mit dem sportlichen Erfolg und der eigenen Karriere nicht klappt, wechselt man halt zum nächsten Verein, der dumm genug ist, ähnlich hohen oder sogar besseren Sold anzubieten. Andere wie Stefan Kuntz, die dem Image der grauen Maus erfolgreich den Kampf angesagt haben, werden von jenem, der glaubt er sei der Verein, vom Hof gejagt.

Allein der sichtlich bewegte Auftritt unser Zaubermaus während der Pressekonferenz nach dem Totalausfall seiner Mannschaft macht zumindest Hoffnung, dass es beim VfL Menschen gibt, die weder aus Karrieregründen noch zur Befriedigung der eigenen Profilneurose unsere blau-weißen Farben vertreten. Nein, Dariusz, Du musst Dich für gestern nicht entschuldigen. Entschuldigen müssen sich ganz andere: Für Leistungs- und Arbeitsverweigerung, für Fehleinkäufe, für Personalmisswirtschaft, für Konzeptlosigkeit und für Perspektivlosigkeit. Und einhergehend mit dieser Entschuldigung können die betreffenden Personen auch ihren Hut gleich mitnehmen. Die Spieler haben kassiert, sie können jetzt gehen! Die Verantwortlichen haben versagt, sie müssen jetzt gehen! Danke für nix!

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