Verfasst von: Andreas Wiemers | 20. Mai 2010

Initiative „Wir sind VfL“: Manifest für einen Neuanfang beim VfL Bochum 1848

Der VfL Bochum ist nunmehr zum sechsten Mal aus der Ersten Bundesliga abgestiegen. Dies ist für uns keine Routine. Es schmerzt uns, wie jeden Fan, der an seinem Verein hängt. Und es sind die besonderen Umstände dieses Abstiegs, die ein „Weiter so“ künftig nicht mehr zulassen.

Am Ende der Saison 2009/2010 steht der Verein vor einem Scherbenhaufen. Ein Kader, der bereits in der Vorsaison mit nur 32 Punkten glücklich dem Abstieg entkam, wurde kaum verstärkt. Vier Trainern ist es dann nicht gelungen, aus diesen Spielern eine um den Erfolg bemühte und leidenschaftlich kämpfende Mannschaft zu formen. Unter dem Strich stehen 29 Punkte und die schlechteste Heimbilanz der Vereinsgeschichte. Der VfL ist im eigenen Hause keine Macht mehr und befindet sich sportlich praktisch im freien Fall.

Bereits zu Saisonbeginn war der VfL Bochum Tabellenletzter – bei der Anzahl der verkauften Dauerkarten. Der Vorletzte dieses Rankings hatte rund doppelt so viele verkauft. Die Ursachen hierfür sind im Wesentlichen in der Vereinspolitik, in der sportlichen Entwicklung und einer daraus resultierenden, stetig wachsenden Entfremdung zwischen Verein und Fans in den letzten Jahren zu suchen. Gleichwohl sind die Distanz vom und die Enttäuschung über den Verein sowie die sportliche Entwicklung keinerlei Entschuldigungen für jegliche Form von Gewalt und Ausschreitungen, die unlängst in Spielen des VfL und an der Castroper Straße zu Tage getreten sind. Diese Entwicklung verurteilen wir und sehen den Verein und auch uns als Fans gleichermaßen in der Verantwortung, das Problem zunehmender Radikalisierung und Gewalt gemeinsam zu lösen.

Das Verhältnis zwischen Vereinsspitze, Teilen der Mannschaft und großen Teilen der Fans ist seit Jahren erheblich gestört. Was mit Kritik seitens der Anhänger an einem leidenschaftslosen und unattraktiven Fußball in den letzten Jahren begann, endete nun im gemeinsamen Erleben des sportlichen Offenbarungseids.

Alles, was den VfL Bochum einmal ausgezeichnet und uns zu Anhängern dieses Vereins gemacht hat – Leidenschaft, Kampf, unbedingter Einsatzwille – ,hat die Mannschaft vor allem in dieser Spielzeit schmerzlichst vermissen lassen.

Umso nachdenklicher stimmt es, wenn jetzt wieder Vorwürfe seitens der Vereinsführung laut werden, die Bochumer Anhänger knüpften unverhältnismäßig hohe Ansprüche an das sportliche Leistungsvermögen der Mannschaft. Wir sind uns der ungleichen „Kräfteverhältnisse“ in der Bundesliga vollkommen bewusst und wissen, dass die Kluft zwischen den Vereinen in den letzen Jahren durchaus noch größer geworden ist. Niemand von uns erwartet deswegen Unmögliches. Und natürlich kann auch ein Abstieg aus der Ersten Liga für den VfL nie ausgeschlossen werden. Aber wenn schon das Unvermeidliche eintritt, dann erwarten wir, dass man es erhobenen Hauptes tut.

Der VfL hat sich vor einiger Zeit ein Leitbild gegeben. Über dessen Inhalte mag man streiten, aber zumindest war es der richtige Versuch, die eigene Identität im Wettbewerb mit anderen Vereinen zu stärken. Ein Leitbild ist aber immer nur so stark, wie es die handelnden Personen überzeugend mit “Leben” zu füllen vermögen. Das ist beim VfL nicht mehr der Fall. „Unbeugsam“ war in der vergangenen Saison niemand. Es reicht nicht aus, Identität und Tradition nur zu behaupten oder plakativ auf Werbebanner und Trikots zu drucken. Man muss sie auch leben. Das Kernprodukt des VfL Bochum ist Fußball. Das Image hart zu arbeiten, selbstbewusst zu sein und ehrlich miteinander umzugehen entsteht zuerst auf dem Platz und nicht in Werbekampagnen oder auf Pressekonferenzen.

Unbeugsam zu sein, heißt auch, nicht nur über das große Geld der Anderen zu lamentieren, sondern sich beharrlich zu wehren. Auf dem Platz und an vielen anderen Stellen. Wer keine Millionen hat, muss das bessere Auge für Spieler und die besseren Ideen für eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit haben. Denn wer sich keine Stars leisten kann, braucht vor allem junge Talente. Wer keine Titel und Trophäen vorweisen kann, muss die Zuschauer mit Leidenschaft und Identität anlocken. Wer keine Visionen und keine Ziele hat, verliert nicht irgendwann, sondern hat bereits verloren.

Dieser Abstieg ist nun das Ergebnis eines Versagens der gesamten Vereinsführung in all diesen Punkten. In Bochum geben seit zwei Jahren sportliche Selbstgenügsamkeit, Mittelmäßigkeit und mangelnde Kompetenz den Ton an. Hierfür gab es nun zu Recht die Quittung. Mit dieser Feststellung geht es uns nicht darum, früheren Erfolgen oder Personen nachzutrauen. Es geht darum, aus dieser Entwicklung die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Jetzt!

Der VfL Bochum hat sich vor einigen Jahren nur halbherzig modernisiert. Zwar wurde ein operativer Vorstand geschaffen, aber das Kontrollorgan Aufsichtsrat dominiert unverändert das Tagesgeschäft und scheint es in wichtigen Punkten auch nachhaltig zu lähmen. So wichtig Kontrolle bei einem Verein mit knapper Kasse auch ist, so sehr ist der VfL darauf angewiesen, einen kompetenten und leistungsstarken Vorstand zu beschäftigen, der über die notwendigen Handlungsspielräume verfügt. Nur so sind Innovationen und Wachstum möglich, nur so kann der VfL seine künftige sportliche Existenz sichern.

Lasst uns unseren Verein zurückholen! Es ist unser VfL. Wir sind seine Basis. Wir finanzieren ihn im Übrigen auch – mit unseren Eintrittsgeldern, Fernsehgebühren, Mitgliedsbeiträgen und unserer Aufmerksamkeit für Sponsoren.

Daher schließen wir uns in der Initiative „Wir sind VfL“ zusammen.
Unsere Initiative vertritt fünf Punkte für einen neuen VfL:

1. Wir fordern alle VfL-Fans auf, Mitglied des Vereins zu werden (Download der Beitrittserklärung). Die Mitgliederversammlung muss ein breiteres Spektrum der Bochumer Anhängerschaft repräsentieren.

2. Wir wollen eine Öffnung und Demokratisierung der Vereinsstrukturen. Hierzu gehört unter anderem eine Satzungsänderung, die das auf Erhalt bestehender Strukturen angelegte Wahlverfahren aufbricht und die Einzelwahl der Aufsichtsratsmitglieder und seines Vorsitzenden ermöglicht. Wir fordern einen modern denkenden und für Innovationen aufgeschlossenen Aufsichtsrat.

3. Wir fordern den Aufsichtsrat auf, einen neuen Sportvorstand mit den genannten Kompetenzen und Befugnissen einzustellen, der ein klares Konzept für die sportliche Zukunft und zur Umsetzung des „Leitbilds“ erarbeitet.

4. Ein wesentlicher Teil dieses Konzepts muss ein Nachwuchsmodell sein, das dazu führt, dass der VfL in Zukunft mehr junge Talente aus den eigenen Reihen in seine erste Mannschaft integrieren kann.

5. Wir fordern eine offene VfL-Fankonferenz, auf der diese Konzepte vorgestellt und diskutiert werden.

Zum aktuellen Unterstützerstand!

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Um unsere Initiative zu unterstützen und um Dich mit Deinem Namen für den Neuanfang beim VfL Bochum 1848 stark zu machen, schreib bitte eine E-Mail an info@wirsindvfl.de. Vielen Dank!

Download als PDF: Initiative Wir sind VfL – Manifest für einen Neuanfang beim VfL Bochum 1848

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Responses

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