Verfasst von: Andreas Wiemers | 1. August 2010

Tamensi movetur!

Verfiel man als leidgeprüfter Anhänger des blau-weißesten aller Vereine nach dem glanzlosen Remis in Duisburg noch in die übliche Frühjahrs- bzw. Vorbereitungsdepression, lieferte das Testspiel zum Saisonauftakt im heimischen Ruhrstadion gegen den FC Getafe deutlich mehr Gründe, positiv in die neue Schweineliga-Saison zu blicken. Mit 4:2 besiegte der VfL den spanischen Erstligisten und obgleich die Spanier dem VfL Bochum 1848 gut zwei Wochen in der Vorbereitung hinterherlaufen, setzte der VfL mit durchaus sehenswerten Angriffen Akzente für das Projekt Wiederaufstieg. Für die meisten völlig ungewohnt war ein Spiel über die Flügel erkennbar und auch die Pässe aus der Tiefe landeten bisweilen sogar beim eigenen Mitspieler. Konsequenz dieses belebten Offensivspiels: Torchancen und sogar Tore. Lediglich die mangelnde Konzentration im Defensivverhalten erinnerte an die Gründe für den Abstieg und schmälerte Hoffnungen auf den Durchmarsch. Schon jetzt Anspruch auf Aufnahme in die Highlights der Saison hat übrigens der „Befreiungsschlag“ von Christoph Dabrowski, der sich in dieser Situation dankenswerter Weise nicht selbst verletzte. Aber für solch einen Slapstick mag man den „Langen“ allerdings auch.

Dass es vermutlich keinen Trainer auf dieser Welt gibt, der den blau-weißen Halbgöttern gewinnbringende Eckballvarianten beibringen wird können, muss inzwischen selbst der größte Optimist im Bochumer Anhang ernüchtert anerkennen. Aber immerhin fiel an diesem Samstag nach einer Bochumer Ecke kein Gegentor. Man muss es nur positiv sehen. Positiv haben sich auch erstmal die Neuzugänge Giovanni Frederico, Björn Kopplin und allen voran Chong Tese in den Hirnwinden verankert. Vor allem Tese hat das Zeug neben dem Fußballgott Philipp Bönig neuer Liebling der blau-weißen Massen zu werden. Und bei aller medialer Schelte des angeblich zu kritischen blau-weißen Anhangs: ähnliche Sanktionen wie in seiner Heimat, werden ihm Anne Castroper bestimmt nicht widerfahren…

Einen schönen Abschluss fand das Testspiel bzw. der Saisonauftakt abends auf dem Gelände der Fiege-Brauerei, wo sich die Spieler unter die Fans mischten, geduldig Autogramme schrieben und mehr oder minder glücklich in die gezückten (Handy-) Kameras blickten.

Quelle: "Mein VfL extra. Sonderausgabe für Mitglieder des VfL Bochum 1848"Doch nicht nur sportlich dreht sich etwas beim VfL. Sowohl Aufsichtsrat als auch Vorstand intensivieren nach heftiger Kritik die Kommunikation zu den Mitgliedern und Fans. Just vor dem Saisonauftakt hatte das zahlende Mitglied eine „Mein VfL“-Sonderausgabe im Briefkasten, in der sich der Aufsichtsrat vorstellte, über seine Arbeit berichtete, der Wahlausschuss endlich mal Gesichter bekam und zudem der Verein ankündigte, wie er den Dialog mit seinen Mitgliedern ausbauen will. Ob diese Maßnahmen aufgrund der Fan- und Mitgliederproteste in die Wege geleiten wurden, sei dahingestellt. Es zeigt zumindest, dass der Verein die Zeichen der Zeit erkannt hat und bemüht ist, sich zu öffnen. Auch das verdient Anerkennung – unabhängig von der Wertung, ob diese Schritte ausreichen…

Advertisements

Kategorien