Verfasst von: Andreas Wiemers | 13. September 2010

Diese Flaschen sind den Pfand nicht wert

Was könnte man zum jüngsten erneuten desolaten Auftritt des VfL Bochum 1848 gegen den FC Augsburg nicht alles kommentieren. Allen voran das es sich um ein Spiel handelte, das im Grunde vor gut vier Monaten hätte stattfinden können und sollen. Stattdessen traf man nun in der Schweineliga aufeinander. Und wie man sah, ist das für den VfL immer noch kein Match auf Augenhöhe.

Erneut könnte man sich über die fehlende Aggressivität und damit verbundene Passivität im Zweikampfverhalten auslassen. Wiederholt könnte man anbringen, dass das letzte ordentliche Passspiel einer Heimmannschaft im Ruhrstadion während der Frauen U20-WM gesehen wurde und sich vermutlich eine C-Jugend-Mannschaft die Bälle fester und genauer zugespielt. Man könnte sich auch fragen, ob die Methode, einen völlig verunsicherten Old Flatterhand weiterhin spielen zu lassen, in den Folterkellern Guatánamos entwickelt wurde. Zudem könnte man erwähnen, dass die Abstiegshelden Maltritz und Mavraj die nötige Aggressivität offenbar nur noch abseits des Platzes in Zwiegesprächen mit den Fans an den Tag bringen. Man könnte auch Neu-Coach Funkel dazu gratulieren, wie schnell er in Bochum angekommen ist, in die bekannte Phrasendrescherei mit eingestiegen ist und binnen weniger Wochen erneut „eine andere Mannschaft“ im nächsten Spiel ankündigt. Man könnte sich dabei auch die Frage stellen, für wie dämlich man gehalten wird, dass man solchen Sätzen tatsächlich noch glauben soll. Dabei dürfte es interessant zu wissen sein, wie „Konsequenzen“ an der Castroper eigentlich definiert wird. Die Systemfrage erübrigt sich indes, denn wo kein System ist, da gibt es auch keine Fragen. Den Stürmern könnte man versprechen, dass alles irgendwann einmal Verwendung findet und sie vielleicht auch demnächst mal ins Spiel miteingebunden werden. Unterdessen können sie mit den Flügelspielern eine Selbsthilfegruppe über Sinn und Zweck ihres Daseins gründen. Es lässt sich auch die Frage in den Raum werfen, ob sich Bochums brave new world nicht inzwischen selbst erledigt hat und der große Knall keine Frage der Zeit mehr ist, sondern lässt überfällig ist.

Man könnte so vieles hinterfragen, kritisieren und kommentieren. Man kann aber auch einfach nur ein Fazit ziehen, das lautet: Diese Mannschaft hat fertig!

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Responses

  1. Die Niederlage gestern muss zu einem beträchtlichen Teil Friedhelm Funkel auf sich nehmen. Schon vor dem Anpfiff hatte ich ein ganz mieses Gefühl beim Betrachten der Aufstellung. Das hat sich dann eindrucksvoll bestätigt.

    1. Roman Prokoph ist a) ein netter Kerl, b) hängt sich voll rein, aber ist c) leider absolut kein Bundesligaspieler und wird auch in seinem Alter keiner mehr (weder 1. noch 2.). Ich kenne niemanden, der das anders sieht. Wir reden hier nicht von Formschwäche, sondern von einem Regionalligaspieler, der so „plötzlichprinzessinnenmäßig“ in das Kostüm eines Profis gesteckt wurde und sich 2-3 Spiele unfallfrei als solcher aufgeführt hat. Aber jetzt sollte mal Schluss sein. Auf RPs Position hätte von Anfang an Dedic spielen müssen bzw. muss es in Zukunft.

    2. Die Achse des Bösen, also die Schlafwagenschaffner aus dem M Waggon dürfen unter keinen Umständen gleichzeitig auf dem Feld stehen. Die Idee, Mergim Mavraj aus der Kette auf die 6er Position zu ziehen (habe ich doch richtig gesehen, oder?) kann nur jemand haben, der Mavrajs eklatante Schwächen im Passpiel nicht kennt.

    3. Überdurchschnittlich in Liga 2 ist nicht unsere Defensive, sondern allenfalls die forderere Offensive. Also sollten wir auch mit 2 richtigen Stürmern auftreten. Dass Chong Tese nicht schwerwiegend verletzt war, konnte man (wie auch die gute Verfassung von Dedic) in der zweiten Halbzeit so ca. ab dem dritten Ballkontakt beobachten.

    Wenn man das desatröse Aufbauspiel des VfL betrachtet, muss man zwangsläufig über die Option nachdenken, noch einen vertragslosen Spieler für die Abwehr zu verpflichten.

    Für das Mittelfeld sollte man Mimoun Azaouagh zurückzuholen und ihn vielleicht mal in einer Art Schweinsteiger Rolle zu testen (klingt abwegig, aber Schweini war auch jahrelang ein – auf höherem Niveau – vor sich hindümpelnder Offensivspieler, bevor er zu einem herausragenden 6er wurde). Die Aktion mit Aza geht aber nur, wenn sich die Wogen gegenüber den Fans wieder etwas geglättet haben, denn Aza ist ja vom Verein systematisch zum Sündenbock gemacht worden und muss ggf. langsam wieder aufgebaut werden.

    Dass Luthe ins Tor gehört, sobald er wieder fit ist, muss Friedhelm Funkel nach den letzten Spielen mit Heerwagen klar sein.

    Generell sollte man mal – mit dem richtigen Personal (evtl. auch Rzatkowski) – ein gepflegtes Kurzpasspiel trainieren. Das hat Augsburg im Schongang ganz ansprechend praktiziert.

    Ich hatte gestern nach langem mal wieder meine Freundin mit im Stadion. Sie fand es nicht nur grauenhaft schlecht, sondern hat sich gegenüber einem Holländer, der extra aus dem Nachbarland angereist war, regelrecht geschämt. So weit ist es leider mittlerweile gekommen.


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