Verfasst von: Andreas Wiemers | 24. Oktober 2010

Konsolidierung statt Aufbruch

Es hätte ein Aufbruch werden können, stattdessen setzte der VfL Bochum 1848 aber lediglich seine sportliche Konsolidierung fort. Zumindest kann man nach den zurückliegenden 90 Minuten festhalten, dass die Mannschaft den Willen wieder gefunden hat, Spiele zu gewinnen. Aber sportlich ist sie gegen einen Fußball spielenden Gegner einfach noch nicht in der Lage, diesen Willen auch in zählbare drei Punkte umzusetzen. Betrachtet man die zurückliegenden Monate und blamablen Auftritte der Bochumer muss dies zumindest schon mal als Erfolg verbucht werden. Aber für den sofortigen direkten Wiederaufstieg reicht es einfach nicht. Aufsteigen tut nämlich nur eine Mannschaft, die ihre Chancen nutzt und die nicht in jedem Spiel ein bis zwei Totalausfälle in den eigenen Reihen kompensieren muss. So kann bzw. muss man aktuell damit zufrieden sein, mit einem Punkt aus dem Heimspiel gegen Alemannia Aachen heraus zu gehen. Allerdings dürfte spätestens nach diesem weiteren Zwei-Punkte-Verlust klar sein, dass der VfL mit dem Aufstieg so wenig zu tun hat, wie der Weihnachtsmann mit dem Osterhasen. Allenfalls ein Aufstiegswunder dürfte die „hohe“ Erwartungshaltung der Fans (Wiederaufstieg sic!) noch befriedigen können. Zwar gibt es Wunder laut einem bekannteren deutschen Schlager immer wieder, aber ob sich solche Wunder wie 2001/02 permanent wiederholen lassen, ist äußerst fraglich. Entsprechend sollten die Ziele korrigiert und die Weichen gen totalen Neuanfang mit jungen und vor allem hungrigen Spielern und einem neuen Sportvorstand gestellt werden.

Da es derzeit wenig Spaß macht, nach jedem Spiel die gleichen Unvermögen zu kommentieren, ist es an dieser Stelle viel spannender, auf das nähere Umfeld einzugehen. Bei Wundern waren wir ja schon. In der Saison 2001/02 auch. Da liegt es natürlich auf der Hand, auf den vermeintlichen Heilsbringer und Gelsenkirchener Tanzbären einzugehen, der heute vor den Mikrofonen von Sky seine Meinung zur vereinspolitischen Entwicklung verkünden durfte. Dieser Trainer, der sicherlich mit dem VfL glücklich auf-, aber auch gleichzeitig unrühmlich abgestiegen ist, erklärte also dem geneigten TV-Publikum, in Bochum wäre eine nicht nachvollziehbare Politik von internen Gruppen betrieben worden. Wieso der Gelsenkirchener Tanzbär diese Attacke gefahren hat, erschließt sich mir nicht, zeigt aber, wie weit der VfL-„Experte“ inzwischen vom Verein und seinen Anhängern entfernt ist. Das einzig positive an dieser mal wieder stupiden Wiederholung des verklausulierten Vorwurfs „überkritischer und mit zu hohen Erwartungshaltungen ausgestatteter VfL-Fan“ dürfte hoffentlich sein, dass man nicht befürchten muss, demnächst wieder eine Harley-Davidson auf den reservierten Parkplätzen am Stadioncenter sehen zu müssen. Vielen Dank dafür!

Womit man dann auch schon abschließend bei den leidgeprüften Fans ist. Nach offiziellen Angaben haben heute 15.390 Zuschauer den Weg an die Castroper Straße gefunden. Den zahlreichen Aachener ist es dabei allerdings zu verdanken, dass somit der Zuschauer“rekord“ für diese Saison neu aufgestellt wurde. Wie viele Blau-Weiße dem Fanclub-übergreifenden Aufruf „Sag Ja zum VfL!“ gefolgt sind, sei dahingestellt. Zumindest wurde damit ein klares Zeichen der Fans gesetzt, dass man auch in schweren Zeiten hinter dem Verein steht und man überaus gewillt ist, diesen Verein zu unterstützen. Leider fand dieses, auch durch eine Choreografie ausgedrückte klare Signal der Fans kein positives Echo in jener Medienlandschaft, die den Bochumer gerne mal als eigentlich unzurechenbaren und ahnungslosen Fußballfan hinstellt. Aber wie soll sich an diesem Bild auch etwas ändern, wenn vermeintliche Experten ihre Pseudowissen in die Kameras blubbern dürfen und von Vereinsseite lediglich der neue (!) Trainer weiß, dass Fanschelte nichts bringt und als einziger mit Kommentaren und Wertungen versucht, diesem bisweilen vom Verein selbst geschaffenen Image der eigenen Fans entgegen zu wirken. Traurig, aber wahr…

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Herr Schütt zurücktreten muss!

Ferner bin ich der Meinung, dass Hermann Gerland nicht in München, sondern in Bochum gebraucht wird!

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Responses

  1. […] Konsolidierung statt Aufbruch beim VfL Bochum (Andreas Wiemers: Lagerstätte) – … etwas weiter westlich an der B1 herrscht über das zahlenmäßig gleiche Ergebnis, vor deutlich kleinerer Kulisse, eher Nüchternheit. […]


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