Verfasst von: Andreas Wiemers | 27. November 2010

Wo ist Kalle!?

Irgendwie ist es deprimierend. Da gewinnt der VfL Bochum 1848 endlich mal wieder ein Spiel halbwegs überzeugend gegen unterirdisch schlechte Paderborner und ich kann mich nicht mal mehr richtig drüber freuen. Offenbar hat mich die Mannschaft mit ihrer Leidenschaftslosigkeit der letzten Wochen angesteckt. Schon der Stadionbesuch wirkte befremdlich. Das Spiel wurde zu einer Nebensache degradiert. Früher war das Spiel handlungsleitend. Gestern traf man sich eher mit Freunden auf ein oder mehrere alkoholhaltige Getränke, schnackte und lästerte, während man eher nebenbei den Auftritt der eigenen Spieler beobachtete.

Selbst der natürliche Feind eines jeden Fußballfans, der Schiedsrichter, der auch gegen Paderborn mal wieder alles andere als ein Heimschiedsrichter war, rief mit seinen immer wieder offen zur Show gestellten Fehlentscheidungen gegen den VfL Bochum zwar bei mir die üblichen Beleidigungen hervor. Allerdings schaffte es auch der so genannte Unparteiische nicht, mich zu 1848% Solidarität mit der eigenen Mannschaft zu animieren. Zu tief sitzt die Enttäuschung über die teilweise bewusste Leistungsverweigerung einiger Spieler in den letzten Wochen und Monaten, die den Fußballplatz mit dem Laufsteg verwechseln oder sich lieber in der Bochumer Kneipenszene austoben. Ähnlich distanziert und allenfalls mit einem formalen Jubel nahm ich dann auch die Bochumer Tore durch Chong Tese, Zlatko Dedic und den Bochumer Jungen Marc Rzatkowski eher nur zur Kenntnis. Allenfalls Rzatkowskis erstes Tor in seinem erstem Spiel von Anfang an in der Bochumer Startelf weichte die bisweilen verhärteten Mienen auf und stimmte ein wenig zuversichtlich, dass ein Umbruch beim VfL geschaffen werden kann. Ihm, dem VfL und uns kann man nur wünschen, dass er demnächst immer öfter Wasser durch Sprite ersetzen kann. Inwieweit die gestern sichtlich bemühte VfL-Mannschaft zumindest mein Feuer wieder wecken kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Vielleicht war Paderborn der richtige Aufbaugegner zu rechten Zeit. Vielleicht war der Sieg gegen Paderborn aber auch wieder einmal nur ein Ausreißer nach oben und es folgen die gewohnten unerklärlichen Auftritte mit unverzeihlichen Fehlern.

Hauptattraktion des gestrigen Abends anne Castroper, bei dem das Spiel wie bereits erwähnt fast schon Nebensache war, war VfL-Fan „Kalle“, der bei seinem ersten Besuch in Block P bereits jetzt schon Kultcharakter haben dürfte. Während sich die Nation bislang immer fragte, wo Behle ist, ist für P spätestens nach dem gestrigen Abend die spannendste Frage: Wo ist Kalle!? Denn Kalle war stets gefragt und gefordert. Sei es wenn es darum ging, Bier zu verteilen oder wenn Kalle zu Mitte der zweiten Halbzeit urplötzlich als verschollen galt und von einem aufmerksamen Beobachter zur Belustigung aller auf dem Zaun am Spielfeldrand sitzend wiedergefunden wurde. Als er nach diesem „Ausflug“ dann wieder dauergrinsend unter seinen Freunden weilte und vom weiteren Umfeld mit „Kalle! Kalle!“-Sprechchören gefeiert wurde, dürfte er neben Rzatkowski vermutlich der glücklichste Bochumer im Ruhrstadion gewesen sein. Kalle, wer auch immer Du bist und wo auch immer Du Dich sonst im Stadion rumtreibst, beim nächsten Spiel wirst Du wieder in P erwartet. You made my day!

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