Verfasst von: Andreas Wiemers | 19. Dezember 2010

Tief im Westen daher kommen wir…

Wer hätte nach dem desaströsen Abstieg und vor allem nach dem 20. November 2010 gedacht, dass Fans und Mannschaft versöhnt aus dem Jahr 2010 scheiden und selbst das A-Wort für 2011 noch nicht aus dem Wortschatz verbannt werden muss. Möglich machte dies neben der schwächelnden Konkurrenz eine Serie von vier Siegen in Folge, die sich mit der Winterpause hoffentlich ebenfalls nur eine Auszeit nimmt und ab dem 15. Januar fortgesetzt wird.

Während die Siege gegen Paderborn, Union und Osnabrück eher als Pflichtaufgaben betrachtet werden müssen, gewann der VfL Bochum 1848 am Freitag erstmalig in dieser Saison endlich auch einmal gegen einen Konkurrenten auf Augenhöhe. Mit 0:1 bekam der MSV Duisburg zu spüren, dass der VfL wieder eine Mannschaft auf den Platz hat, die gewinnen will, die als Team agiert und in der das Feuer wieder brennt. Sicherlich besteht spielerisch nach wie vor viel Luft nach oben, aber gerade in Bochum zählen Tugenden nun mal mehr als spielerischer Glanz.

Ob diese positive Entwicklung nun der Tatsache geschuldet ist, dass vermehrt Spieler aus dem eigenen Nachwuchs Berücksichtigung finden und die Mischung aus diesen Jungspunden und den alten Hasen um Christoph Dabrowski und Marcel Maltritz in sich stimmig ist, oder aber sich darin begründet, dass die faulen Eier aus dem Kader entfernt werden/wurden, sei dahingestellt. Vermutlich stimmt beides! Klar ist aber, dass dieser personelle Umbruch mindestens vierzehn Spieltage zu spät kam. Zu lange versuchte man, das Abstiegsgerüst als tragfähige Wiederaufstiegssäule zu betrachten! Aber inzwischen ist man es auch ein wenig gewohnt, dass in Bochum lange Zeit allenfalls re-agiert wurde. Man wurde lediglich aktiv, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen war. Vielleicht liegt es daran, dass dem Verein schon länger eine Idee von sich selbst und eine Philosophie fehlt. Wenn niemand eine Richtung vorgibt, kann auch niemand den Weg beschreiten. Es bleibt zu offen, dass der sportliche Weg nun zwischen den Abstiegsschleiern langsam durchschimmert und erkannt wird. Und es wäre zu wünschen, dass mit der Nachwahl von Ernst-Otto Stüber, Hans-Peter Villis und Bernd Wilmert, die gemeinsam mit Frank Goosen den neuen VfL-Aufsichtsrat bilden (sollen), auch eben dieses Gremium mit neuen Konzepten für einen erfolgreichen, finanziell gesunden, sympathischen sowie Fan- und Mitgliedernahen VfL wieder belebt wird.

Mangelnde Kreativität in der Außendarstellung kann man den VfL-Fans auf jeden Fall nicht vorwerfen. Im Gegenteil! So wurde (spätestens?) in Duisburg mal wieder ein neuer Fangesang in die Kurve gebracht, der mir zwar neu erschien, aber textlich und melodisch dann wohl doch ein alter Hut ist. Aber zumindest muss man sagen, dass

Tief im Westen daher kommen wir – VfL!
Wir stehen zu dir – VfL!
Um jeden Preis – Bochumer Jungen in blau und weiß!

aus den Fankehlen deutlich besser klingt, als in der ursprünglichen Keine-Ahnung-wie-man-solche-„Musik“-nennen-will-Variante:

Früher war halt doch nicht alles besser!

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