Verfasst von: Andreas Wiemers | 21. Dezember 2010

Niemand hat die Absicht eine Legende zu bilden!

Nun hat der alte Aufsichtsrat des VfL Bochum 1848 also doch noch seine Entlastung für die Saison 2009/10 erhalten. Ob es dafür allerdings Redebeiträge eines angestellten und eines gewählten Vereinsvertreters bedurfte, die selbst Rosamunde Pilcher nicht besser hätte schreiben können, wage ich allerdings zu bezweifeln. Es bedurfte dafür auch keine Erinnerung an den unermüdlichen Einsatz von Spielmacher Altegoer, an die unglaublichen Paraden eines Goldmanns, an die einzigartigen Tore des Stürmerduos Hossiep und Schütt sowie an die Liberoqualitäten eines Treffners. Das wird in der Geschichte des VfL unvergessen bleiben und noch heute ist der Dank gegenüber jenen Herren, ohne die es in Bochum keine UEFA-Cup-Spiele gegeben hätte, an jeder Ecke zu spüren. Ihr habt gekämpft, wir ham’s gesehen! Danke!

Diese Herren, die bis zuletzt Mitgliederrechte nicht wirklich ernst genommen haben, fragwürdige Demokratieverständnisse an den Tag gelegt haben und/oder trotz Filmverbote mit ihrem iPhone kontroverse Diskussion auf Mitgliederversammlungen filmen, muss man einfach dankbar sein. Ohne sie wäre der VfL jetzt nicht da, wo er nun steht! Da kann man auch schon wohl wissentlich unterschlagen, dass die Art des Umgangs mit den Mitgliedern erst dazu geführt hat, dass der Aufsichtsrat im Oktober 2010 nicht entlastet wurde. Da kann man auch mal verschweigen, dass niemand anderes als der Aufsichtsrat nebst seinen Beratern die Verantwortung dafür trägt, dass die Situation damals im RuhrCongress derart eskaliert ist. Man muss ja nichts selbstkritisch hinterfragen, wenn es darum geht, dem scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden ein Denkmal zu bauen. Man kann sich auch weiterhin gemütlich zurücklehnen und die Schuld jenem vermeintlich naiven Chaoshaufen namens Mitglieder zuschieben, der nicht weiß, was er tut. So muss man auch nicht darüber reden, warum der Verein nach der Jahreshauptversammlung so ein miserables Bild in der öffentlichen Wahrnehmung abgegeben hat und mit all seinen Pressesprechern, Vorstand „Kommunikation“ usw. komplett von der Bildfläche verschwunden war und den Dingen seinen freien Lauf gab.

Es gäbe noch so viel mehr, was selbstkritisch hinterfragt werden könnte. Aber all dies spielt keine Rolle, wenn es einfach nur darum geht, dankbar zu sein! Ebenso dankbar greift man dann natürlich auch die beim Verein nicht vorhandene, aber bei dem Mitgliedern existierende Fähigkeit zur Selbstkritik auf und beklagt sich über jene, die mit Blick auf die Konsequenzen ihres Abstimmungsverhalten im Oktober „das habe ich so nicht gewollt“ von sich gegeben. So kann man weiter um das Denkmal herum die Legende bilden, dass der dumme Pöbel und Mob fahrlässig, unwissend und vereinsschädigend gehandelt habe.

Auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung hatte der Verein die Chance zu signalisieren, dass er aus der Jahreshauptversammlung gelernt und Konsequenzen gezogen hat. Aber das ist nachweislich nicht der Fall. Stattdessen existiert weiterhin die Denke, dass jeder, der nicht vor Kopf auf dem Podium sitzt, offenbar für dumm gehalten wird. Um das zu demonstrieren, brauchte es noch nicht mal einer flapsig geführten Versammlungsleitung, die süffisant Fragen der Mitglieder wegbürstete oder sich über Namen lustig machte. Denn welchen Respekt man vor der Mitgliederversammlung des Vereins hat, trat in dem mühsamen und kläglichen Versuch, Legenden zu bilden, offen zu Tage.

Es bleibt die leise Hoffnung, dass mit dem neuen Aufsichtsrat auch ein neues Denken beim VfL Einzug erhält. Wenn man den Worten der neuen Aufsichtsratsmitglieder Glauben schenken will und darf, ist zumindest in dieser Frage ein Problembewusstsein vorhanden. Es wäre zu wünschen, dass sie den dringend notwendigen Strukturwandel der VfL-Öffentlichkeit herbeiführen. Daran wird er sich messen lassen müssen.

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Responses

  1. ich hoffe, Herr A.S. aus Bochum liest da mal…

  2. Links anne Ruhr (22.12.2010)…

    Duisburg (Loveparade 2010): Posse um eine Gedenkskulptur zur Loveparade-Katastrophe (Ruhrbarone) – Dortmund: Schöne Bescherung für die SPD (DerWesten) – Für die Sozialdemokraten in Dortmund ist die Welt in Ordnung. Nordrhein-…

  3. das unterschreib ich so.
    Klar war es erst mal wichtig, den AR zu wählen und damit eien Neuanfang starten zu können. Im Namen des Vereins kann man ein gewisses „Danke sagen“ von Seiten Schwenken ja noch verstehen, aber wieder die Täter zu Opfern zu machen geht gar nicht.
    Bzgl. der JHV vom 4.10. gehöre ich zu denen, die „das so gewollt haben“.


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