Verfasst von: Andreas Wiemers | 25. Januar 2011

Der letzte Cowboy reißt die Mauer ein!

Dass die Ossis auch im 21. Jahr der Einheit immer noch keine Lust haben mitzuspielen und sich fast schon beleidigt wirkend lieber einigeln, hat zumindest mich am gestrigen Abend dann doch ein wenig gewundert. Bisweilen erweckten die biederen Erzgebirgler bei ihrem Gastauftritt im einzig wahren Kohlerevier den Eindruck als würden sie mit ihrer Defensivspielweise mitten im tiefen Westen den Zement für den Neubau der Mauer anrühren, die sie offenbar im 16-Meter-Sperrbezirk errichten wollten. Denn während zum Beispiel die ein oder andere ostdeutsche Politikerin verzweifelt nach Wegen sucht, verweigerten die Auer die Suche nach dem Weg in die gegnerischen Hälfte und verschanzten sich lieber hinter einem antispielerischen Schutzwall. Doch hatte Wismuts Betriebskampfgruppe unter Leitung ihres Trainerstabvorsitzenden Rico (wie sollte er auch sonst anders heißen?) Schmitt die Rechnung ohne die nordkoreanische Erstschlagswaffe des VfL gemacht. Denn der Tese-Bomber musste erst gar nicht das Loch in der Mauer suchen und die Flucht in die Führung lange planen, um in der 89. Minute endlich den lang ersehnten und herbeigefieberten Führungstreffer mit einem sehenswerten Fernschuss zu erzielen. Dass die Auer den wacker kämpfenden blau-weißen Helden um Kapitän Christoph Dabrowski wenige Sekunden später noch das 2:0 durch Giovanni Federico schenkten, mag als Entschuldigung für deren Augenkrebs erzeugende Spielweise mit viel Wohlwollen akzeptiert werden – rechtfertigt sie aber nicht. Im Jubel über diesen, nicht mehr wirklich erwarteten Dreier ging dann auch der Schlusspfiff unter und den leider nur 11.785 Zuschauern vor Ort fielen – geeint in dem Wissen „Der VfL ist wieder da!“ – mehrere Steine vom Herzen.

Apropos nordkoreanische Erstschlagswaffe: Vermutlich beißt die nordkoreanische Staatsführung jeden Morgen völlig verzweifelt in den Frühstückstisch, da ausgerechnet einer ihren international bekannteren Volkshelden für eine den wilden Westen glorifizierende Kampagne wie aktuell beim VfL Bochum 1848 den Kopf herhalten muss. Was bei Kim Jong-il wahrscheinlich zu Kopfschmerzen führt, ruft beim u.a. durch diverse Trikotfehltritte leidgeprobten VfL-Anhang inzwischen nur noch Schmunzeln hervor. Während der VfL seine Wild-West-Marketing-Idee versucht ohne weiteren Schaden durch die Saison zu kommunizieren, setzt der VfL-Anhang anstatt auf den wilden, lieber auf den tiefen Westen. Und das ist auch gut so! Denn das einzige, was beim VfL wirklich an den wilden Westen erinnert, ist Chong Tese, der schnörkeloser und schneller schießt als sein Schatten. Der letzte Cowboy kommt also nicht aus Gütersloh, er spielt im tiefen Westen.

Was gab es sonst noch? Ach ja, diesen treulosen Fanbeauftragten des Vereins, der die form- und fristgerecht eingegangene Bestellung bzw. Anlieferung von zwei alkoholhaltigen Getränken für die 78. Spielminute in Block P rechts ignorierte und so vermutlich Schuld daran ist, dass ich nach dem Spiel heiser war. Darüber wird zu reden sein. Am besten auf einer Fankonferenz!

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Responses

  1. Ganz nett geschrieben, aber der Kim-Wildwest-Teil wirkt herbeigezogen. Immerhin schickt die Regierung Nordkoreas außer Jong Tae Se noch weitere Spieler in westeuropäische Länder, damit sie international konkurrenzfähig weren und bleiben.Meines Wissens nach waren es bis vor Kurzem in der Schweiz noch 4. Einer kehrte aus Heimweh zurück. Ich habe gestern Abend eigentlich nur auf den Kommentar des Fernsehreporters gewartet, Tae Se schliefe nachts in einer Bundeswehrkaserne, um sich wie daheim zu fühlen oder ähnlichen Unfug. Aber mittlerweile scheint man sich da ausgetobt zu haben. ich glaube, der Staatsführung ist die WildWest-Kampagne, die ich im Übrigen ziemlich albern finde, herzlich egal.

    Disclaimer: Der Schreiber dieser Zeilen hegt keinerlei politische Unterstützung für das Regime in Nordkorea, allerdings Sympathie für seine Fußballnationalmannschaft.

    😉

  2. Herbeigezogen? Phhhh! Das ist ein gänzlich seriöser Blog! 🙂
    Hoffe, wir sehen uns dann am 6. Juli im Ruhrstadion, wenn es darum geht, Kolumbien platt zu machen! 😉

  3. Wilder Westen war auch, als die Ostkurve sich mal wieder von ihrer besten Seite zeigte und Feuerzeuge schmiss. Das hätten wir auch nach dem 1:0 machen können, hatte schon Schiss wir verkacken das 😀
    Naja, aber so war’s schon immer mit Petzen, die wie D-Jugend-Spieler aussehen: sie wurden, zurecht!, runtergemacht, aber Feuerzeuge schmeißen muss wirklich nicht sein…

  4. Ob das wirklich wilder Westen ist? Dort wurde doch „hinterrücks“ geächtet! Mal wieder eine selten dämliche Aktion selbsternannte Fans.


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