Verfasst von: Andreas Wiemers | 7. Februar 2011

Aus dem FF

Es ist vollbracht. Ganz Bochum feiert einen neuen Vereinsrekord. Allerdings handelt es sich dabei noch nicht um den sechsten direkten Wiederaufstieg, sondern um den achten Sieg in Folge. Eine Serie, die es Anne Castroper noch nicht gegeben hat. Lediglich auf sieben aufeinander folgende Siege konnte man in der Aufstiegssaison unter dem tanzenden Cheftrainer verweisen. Nun sind es deren acht und die neun leuchtet nicht allzu fern am Horizont im Teutoburger Wald.

Vaters dieses Erfolgs ist zweifellos Cheftrainer Friedhelm Funkel. Sicherlich stand ich seiner Verpflichtung und dem FF (Funkel-Fußball) skeptisch gegenüber. Aber ich muss mir eingestehen, dass dieser FF doch deutlich anders wirkt, wenn man sich daran ergötzen kann. Sicherlich ist es bisweilen nicht immer schön mit anzusehen, was man auf dem Rasen über die vollen 90 Minuten von den eigenen Helden in passenden kurzen Hosen (schönen Gruß an Terranova) geboten bekommt, aber was bekanntlich im Fußball zählt, ist das Ergebnis. Und das (Zwischen-)Ergebnis lautet, dass man sich wieder berechtigte Hoffnung auf einen weiteren Vereinsrekord machen kann: dem sechsten Wiederaufstieg. Rekordwiederaufsteiger VfL halt. Wer daran allerdings nach dem negativen Höhepunkt gegen Ingolstadt noch geglaubt hat, ist entweder unverbesserlicher Optimist oder nimmt verdammt gute Drogen. Was danach folgte, kann man Funkel und seinem FF nicht hoch genug anrechnen. Wirkte Funkels Arbeit bis zum 13. Spieltag eher wie Palliativpflege, formte er eine Mannschaft, die wieder an sich glaubt und mit Leidenschaft und Einsatz für den Erfolg erkämpft. Bochumer Fußballherz – was willst Du mehr!?

Dass man in der Ostkurve nicht „Oh wie sind wir effektiv!“ singt, sondern auch „Oh wie ist das schön!“, ist vielleicht nicht nur dem ungeahnten Höhenflug geschuldet, sondern auch der Tatsache, dass man neben aller Leidenschaft, Kampf und Effektivität auch noch fußballerische Leckerbissen häppchenweise geboten bekommt. Denn so ein Samba-Tor, wie es der österreichisch-türkische Neuzugang Ümit Korkmaz auf den Rasen zauberte, habe zumindest ich im Ruhrstadion noch nicht gesehen. Unfreiwillig (oder steckte da wirklich Absicht hinter?) merzte Marcel Maltritz mit seiner Vorlage für Korkmarz`Sololauf auch seine Tiefschlafphase wieder aus. Es läuft wirklich rund beim VfL. Denn ebenso wenig wie ich daran glaubte, dass Malle Scorerpunkte sammelt, habe ich mir nicht vorstellen können, dass sich Giovanni Federico in der eigenen Hälfte den Ball erkämpft, für seine Verhältnisse nach vorne sprintet und nach einer Zuckerflanke von Mahir Saglik auch noch das das entscheidende Tor erzielt.

Was lange wie ein Wunder wirkte, läuft in Bochum inzwischen aus dem FF. So kann es gerne weitergehen. Wobei es für das Nervenkostüm auch mal schön wäre, nicht immer bis zum Schluss zittern zu müssen…

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