Verfasst von: Andreas Wiemers | 6. März 2011

Rekord-Depression

Eigentlich könnte die Freude in einer Saison der Rekorde ungetrübt sein. Hatte der VfL Bochum 1848 erst kürzlich einen neuen Vereinsrekord aufgestellt und feierte erstmalig acht Siege in Folge, führte das 1:1 zu Hause gegen den Karlsruher Sportclub ebenfalls zu einem neuen historischen Vereinsrekord. Seit inzwischen zwölf Spielen ist der VfL ungeschlagen. Eigentlich müsste dies – wie auch die Siegesserie – ein Grund zur Fröhlichkeit sein. Eigentlich könnte man ebenso froh sein, dass der VfL nach dem Tiefpunkt im November immer noch alle praktischen Chancen auf den erneuten direkten Wiederaufstieg hat. Mit diesem Aufstieg würde dann auch weiterer Vereinsrekord gebrochen. So wäre es der sechste direkte Wiederaufstieg in der Vereinsgeschichte. Ein ebenso einmaliger, wie auch schmerzhafter Rekord im Profifußball.

Bekanntlich sind aller guten Dinge drei und insofern bleibt nach wie vor die Hoffnung auf den dritten Rekord in einer Saison lebendig. Gleichwohl wird die Rekord-Freude getrübt. Denn mit dem Remis gegen die wacker kämpfenden und gut verteidigenden Karlsruher ist der VfL mal wieder aus den Aufstiegsrängen gerutscht. Sicherlich noch kein Drama, wenn man das Spiel gegen Karlsruhe einzeln betrachten würde. Zieht man allerdings die letzten vier Spiele zu Rate, von denen der VfL nur eins gewinnen konnte, sieht die Welt leider schon nicht mehr so blau-weiß aus wie sie scheinen könnte. Denn in diesen Spielen hat der VfL sechs aufstiegswichtige Punkte verschenkt bzw. auf fremden Plätzen liegen lassen. Sicherlich darf man auch nicht erwarten, dass der VfL jedes Spiel gewinnt. Aber einen Sieg bei dem abgeschlagenen Tabellenletzten kann man schon erwarten. Ebenso kann man erwarten, dass man bei einer 1:0 Führung beim direkten Mitkonkurrenten in Fürth diesen mit widerlich einschläfernden Fußball nicht wieder ins Spiel zurück holt und schlussendlich für diese Spielweise zu recht bestraft wird. Allenfalls die Punktverluste gegen den KSC kann man vielleicht noch verschmerzen. Denn gestern war klar, dass alle Mannschaftsteile bis auf den Torwart – dafür aber die Trainerbank mit eingeschlossen – nicht ihren besten Tag erwischt hatten.

Soll vorkommen. Drauf geschissen. Theoretisch bleiben ja auch noch neun Spiele, um eine tiefer gehende Depression trotz vermeintlicher Erfolge Rekorde gar nicht erst entstehen zu lassen. Auch wenn der VfL punktgleich mit dem Tabellendritten ist und aktuell nur einen Punkt hinter dem Zweiten liegt, bleibt eine Hypothek namens Tordifferenz, mit der die Mannschaft in die entscheidende Saisonphase geht (VfL +8, Fürth +18, Augsburg +24, Hertha +28). Es bleibt also nur zu Hoffen, dass die Mannschaft gegen Aachen wieder in ihre Spur zurückfindet und Chefcoach Friedhelm Funkel, so er mal wieder eine Systemumstellung ins Auge fasst, dabei Chong These und Mirkan Aydin gleichermaßen von Anfang an und Mimoun Azaouagh in der Zentrale berücksichtigt. We still believe…

Dieses selten arrogante A****loch im Karlsruher Tor wollte ich eigentlich NICHT erwähnen. Denn eigentlich hätte ich nicht gedacht, dass es jemand schafft, dem Bremer Assitoaster mit seinen schönen Haaren auf dieser Position in meiner persönlichen Beliebtheitsskala Konkurrenz zu machen. Aber Ehre wem Ehre gebührt, Nicht!? Wer außer Wiese provoziert auch sonst noch so gestenreich die gegnerischen Fans und rennt dann zum Schiedsrichter, weil die Fans böse zu ihm waren, Nicht!? Solche Leute sind früher völlig zu Recht in diversen Mülleimern an den Schulen gelandet. Heute spielen sie im Tor. Oder werden Außenminister.

Allerdings soll das nicht davon ablenken, dass in der Ostkurve immer noch eine große Reihe von Deppen beheimatet sind, die meinen, mit dem Kauf der Eintrittskarte auch die Berechtigung zur Teilnahme am Feuerzeugweitwurf-Wettbewerb erworben zu haben. Dass sie damit dem Verein und über kurz oder lang auch der gesamten Kurve schaden, ist jenen, die einmal im Leben ganz harte Jungs sein wollen, offenbar nicht bewusst. Umso wünschenswerter wäre es, wenn neben so einem Werfer mal ein richtig harter Junge stehen würde…

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Responses

  1. Moin Herr Kollege,

    besten Dank für den Beitrag, der mal wieder analytisch und unterhaltsam zugleich ist. Das lindert die Rekord-Depression! Wobei Serien und Rekorde ja hauptsächlich was für Statistiker und Historiker sind.

    Wenn ich mir die letzten Spiele anschaue, dann stellt sich schon die Frage, ob der VfL das Format für das Oberhaus hat. „Widerlich einschläfern“ können wir gut, aber reicht das für die Bundesliga? Und, nur so eine Überlegung und sicher nicht mehrheitsfähig: Wäre es nicht vielleicht auf lange Sicht besser, wenn wir den Neuaufbau für ein weiteres Jahr in Liga Zwei fortsetzen?

    Beste Grüße
    Luis

  2. Hej Luis,
    ich steige dieses Jahr lieber glücklich auf und bleibe vielleicht im kommenden Jahr glücklich drin als auf den unwahrscheinlichen Fall „Aufstieg im 2. Jahr“ zu setzen.
    Viele Grüße, Andreas


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