Verfasst von: Andreas Wiemers | 12. April 2011

Stand your ground

Wie schön wäre es gewesen, gegen die alte Dame blöde Kuh aus Berlin auch im sechzehnten Spiel in Folge unbesiegt zu bleiben, mit einem Dreier bis auf einen Punkt an die Hertha heran zu kommen und die Punktedifferenz zu Augsburg zu egalisieren. Doch leider ist Fußball ist kein Wunschkonzert, jede Serie reißt einmal und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. So viele Plattitüden dürfen sein. Denn anstatt das Tor für den direkten Wiederaufstieg aufzustoßen, enteilen die Berliner nach ihrem 0:2-Sieg anne Castroper mit Siebenmeilenstiefeln und Augsburg kann mit einem leicht beruhigenden Drei, aber gefühlten Vier-Punkte-Vorsprung in die letzten fünf Partien der Schweineliga gehen. Für Bochum bleiben realistisch betrachtet der Relegationsplatz und die Hoffnung auf ein Fußballwunder gegen Stuttgart oder Wolfsburg.

Obgleich der VfL Bochum 1848 in diesem wegweisenden Spiel nicht schlechter auftrat als in der zurückliegenden Erfolgsserie, offenbarten die kompakten und cleveren Berliner, was dem VfL spielerisch und taktisch schlichtweg fehlt, um einem designierten Erstligisten auf Augenhöhe zu begegnen. Denn Glück allein reicht gegen eine Mannschaft, die keine Fehler in der Defensive macht, nicht aus. Stattdessen fand Berlin die richtige Antwort auf den FF und brachte das Bochumer Konzept mit schnellen Tempowechseln und geschicktem Doppeln ins Wanken. Blöd nur, dass der VfL zu unflexibel war ist, die taktische Marschroute im Spiel zu wechseln. Stattdessen wurde immer öfter das Tempo aus dem Spiel genommen, der Ball annehmende Spieler drehte sich erst einmal um die eigene Achse um mit dem Rücken zum gegnerischer Tor zu stehen und suchte verzweifelt nach Mitspielern auf den Flügeln. Was blieb war der Pass nach hinten oder der zufällige Weg durch die Mitte, wo Berlins Innenverteidiger ballhungrig warteten. Doch leider konnte der VfL diese spielerischen und taktischen Defizite über den Einsatzwillen dieses mal nicht kompensieren. Es fehlten an diesem Abend allen VfL-Spielern der letzte Wille und die letzte Konsequenz, Berlin vor Ostern ein Ei ins Nest zu legen. Aber zumindest aufschlussreich war das Gesehene und nun ist mir nach gestern Abend wenigstens klar, warum Spieler wie Giovanni Federico zu rasch einen müden Eindruck machen: Wenn man nach jedem Pass der eigenen Mitspieler erst mal einen Sprint einlegen muss, um die Ungenauigkeit auszumerzen, geht das sicherlich auf die Kondition. Allerdings setzt diese Theorie voraus, dass der Pass nicht bereits vorher in den gegnerischen Beinen gelandet ist. Umso schmerzhafter und fast schon gravierender als die Niederlage wirkt der verletzungsbedingte Ausfall von Mimoun Azaouagh für den Rest der Saison, der in lichten Momenten das kreative Element im VfL-Spiel ist. Mit spielerischen Mitteln wird der VfL definitiv nicht aufsteigen. Es geht nur mit dem unbedingten Willen, aufsteigen zu wollen, der sich auf dem Platz, in der Körpersprache und der Aggressivität wiederspiegeln muss. Stand your ground! Jetzt erst recht!

Apropos Aggressivität: Was haben sich die gegnerischen Trainer über die unfaire Spielweise des VfL beschwert. Allerdings ist es verwunderlich, dass lediglich dem VfL die Spieler reihenweise kaputt getreten werden. Aber das interessiert natürlich kein Schwein. Stattdessen regt man sich lieber darüber auf, dass der VfL im Regelfall – also nicht gestern – Fußball spielt: also mit Körperkontakt und Tackling. Und diese „unfairen“ Mittel stehen natürlich in keinem Vergleich zu gebrochenen Knochen und gerissenen Bändern. Aber sich über Ungerechtigkeiten im Fußball aufzuregen, macht in einer Zeit, wo Spieler Fans mit Flaschen bewerfen dürfen und dafür eine Geldstrafe kassieren, während ein Bierbecherwurf gegen einen Linienrichter mit einem Geisterspiel bestraft wird oder wo ein Golfballwurf gegen einen Spieler eine andere Strafe mit sich bringt als eben jener genannter Bierbecher, wenig Sinn. Da passt es dann auch, dass es vermutlich unbestraft bleibt, wenn ein Hertha-Spieler dem Bochumer Publikum den Mittelfinger zeigt. Aber wehe es fliegt auch nur ein Feuerzeug…

Was war sonst noch? Ach ja, meine Fahnenfreunde: geht doch! 🙂

Advertisements

Responses

  1. Ich kann dem voll zustimmen. Schlimmer als die Niederlage sind wirklich die Verletzungen. Korkmaz hat es ja auch noch erwischt. Und durch die freundlichen gelben Karten für unsere „Brutalos“ fehlen im nächsten Spiel ja auch noch Saglik und Ostrzolek. Wer soll denn dann überhaupt noch spielen?
    In einer Zeile hast du dich vertippt: Tempo genommen sollte es wohl heißen und nicht gewonnen. Das wäre ja zu schön gewesen…

  2. Danke für den Hinweis. Da war wohl der Wunsch Vater des Gedanken…
    Saglik und Ostrzolek hab ich mal bewusst verdrängt, sonst wäre es nur noch ein Rumgejammere gewesen! 🙂 Wobei ich mich über Sagliks Gelbe weit aus mehr ärgere als über Ostrzolek. Allerdings beides dämlich.

  3. Der Artikel passt ziemlich gut. Ich fühle mich bestätigt in dem was ich auch gestern sehen konnte.
    Ein wenig erschrocken war ich nur, dass man bei 0:1 Rückstand so ca. in der 70-75 Minute den Eindruck hatte als wäre es ein Spiel im Niemannsland der Tabelle. Sowohl auf dem Platz als auch auf den Rängen.
    Egal Mund abwischen, was der VfL jetzt nicht gebrauchen kann ist eine negative Atmosphäre. Also berechtigte Kritik runterschlucken und noch „5“ mal schlafen. Danach müssen die Strukturveränderungen weitergehen.


Kategorien