Verfasst von: Andreas Wiemers | 24. Juni 2011

Good bye, fangerechte Anstoßzeiten!

Dank offizieller Befeuerung durch DFB und GdP findet aktuell ein wahrer Hype um die angeblich gefährlichste 2. Bundesliga aller Zeiten statt. Die Medien greifen es gerne im vorauseilenden Gehorsam auf und verkünden schon einen Hooligan-Terror in Deutschland. Schuld daran hat nach Meinung „sachkundiger“ konservativer Politiker der Alkohol, den man am besten verbieten müsse. In den Stadion und im öffentlichen Nahverkehr. Natürlich nur für Fußballfans. Auch wenn sich der ahnungslose Hesse mit seinem Alkoholverbot nicht durchsetzen konnte und auch sein niedersächsischer Amtskollege und Parteifreund mit dem Beförderungsverbot vorerst gescheitert ist, darf man gespannt sein, was inoffiziell hinter den Kulissen aus dem Hut gezaubert wird, um vermeintliche Risiken zu vermeiden.

Probates Mittel um möglichst viele Fans von den Spielen ihrer Vereine auszugrenzen, sind seit geraumer Zeit die Anstoßzeiten der Spiele. Es erscheint in den Hinterzimmern von DFB und DFL inzwischen Gang und Gebe und vermehrt taktisch motiviert zu sein, Vereine, die aus entgegen gesetzten Ecken des Landes kommen, zu Zeiten spielen zu lassen, wo der letzte heimbringende Zug für die Auswärtsfans bereits vor Anpfiff den Austragungsort verlassen hat oder aber so früh angesetzt sind, dass man direkt nach Arbeitsende am Freitag aufbrechen muss, um am Samstag um 13:30 Uhr pünktlich zum Anpfiff vor Ort zu sein. So schafft man es zumindest schon mal, eine kleinere größere Gruppe Fans von ihrem Sport auszuschließen. Selbstredend gibt es als alternative Reisemöglichkeit noch den Bus. Und wer schlägt sich nicht schon gerne an seinem freien Wochenende die halbe Nacht in einem unbequemen Bus um die Ohren, um dann am frühen Morgen endlich wieder zu Hause zu sein und den Rest des letzten freien Wochenendtages im Bett zu verbringen. Alternativ kann man dienstags nach dem Montagsspiel sogar direkt zur Arbeit fahren. Was für ein Service. Oder aber man mietet sich am Austragungsort ein Hotelzimmer, um am nächsten Tag ganz bequem die Rückreise anzutreten. Diese zusätzlichen Euros müsste doch jeder Fußballfan, dem wirklich was an seinem Verein liegt, neben Eintrittskarte, Verpflegung und Beförderungskosten noch auf den Tisch legen wollen können.

Gleichwohl gibt es eine Gruppe, die von diesem Ansetzungschaos profitiert. Nämlich der Fernsehzuschauer bzw. das Konto von Sky – und damit auch die Kassen von DFB und DFL, die am Wochenende nahezu rund um die Uhr Fußball anbieten können. Und davon – und nicht etwa von den Fans und der Stimmung im Stadion – lebt der Fußball inzwischen bekanntlich auch. Um aber nicht allzu offensichtlich werden zu lassen, dass der Volkssport Fußball nur noch dem Profitdenken untergeordnet wird, verkauft man die Fans auch noch für blöd, in dem man ihnen die Lüge auftischt, durch die Spielansetzungen würde man die Aufmerksamkeit für Ligen und Vereine maximieren. Insofern sollte man als gern reisender Fan, dem DFB, der DFL und dem Bezahlfernsehen genau den Respekt entgegen bringen, dem beide dem Fan auch wert sind. Und der strebt gen Null. Was sich bei DFB und DFL noch schwierig(er) gestaltet und über Protestbanner und einer Demo noch nicht hinaus geht, ist zumindest beim Bezahlfernsehen mit unzähligen Alternativen schon mal möglich.

Aber vielleicht bin noch verrückt genug, um doch mit dem Logistikpartner Deutsche Bahn am Samstag, dem 30. Juli nach Rostock und zurück zu fahren, um dort um 19:30 Uhr den Auftritt des VfL Bochum 1848 in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals zu sehen. Allerdings wird maßgeblich meine Entscheidung beeinflussen, welches Rahmenprogramm mir DFB, DB und GdP beim knapp fünfstündigen Aufenthalt von 00:03 bis 04:57 Uhr in Schwerin anbieten…^^

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Responses

  1. […] Good bye, fangerechte Anstoßzeiten! (Andreas Wiemers: Lagerstätte) – Kritik an den geplanten Anstoßzeiten für den DFB-Pokal – angesichts der Partie im DFB-Pokal zwischen Hansa Rostock und dem VfL Bochum. […]


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