Verfasst von: Andreas Wiemers | 19. Juli 2011

Sand im Getriebe

Es scheint fast eine Grundregel in blau und weiß zu sein, dass je mehr Vorfreude auf den Auftritt des VfL Bochum 1848 vorhanden ist und je mehr Enthusiasmus und Zuversicht im VfL-Umfeld und Fanlager herrschen, desto mehr ernüchtert einen die Mannschaft mit ihrer Leistung ihrem Auftritt auf dem Rasen. So hätten die Voraussetzungen für das Spitzenspiel zum Saisonauftakt bei der Fortuna aus Düsseldorf eigentlich nicht besser sein können. Ein selbsternannter und erklärter Aufstiegsaspirant, dem nach dem denkbar knappen Nichtaufstieg Trotz in Fleisch und Nieren übergegangen sein sollte, gegen einen der Geheimtipps für den Aufstieg ins Oberhaus. Doch Spitze waren an diesem Abend lediglich die Fortunen, die den VfL 2:0 besiegten. Der VfL hingegen trug passend zum Pink Monday auf der Rheinkirmes allenfalls Spitze und leistete dementsprechend lediglich einen optischen Beitrag zu dem vermeintlichen Spitzenspiel.

Was in den Vorbereitungsspielen des VfL noch funktionierte – zumindest bei stetig wachsender Müdigkeit des Gegners – und mit One-Touch-Fußball, aggressiven Auftreten und bisweilen flüssigen Kombinationen noch vielversprechend aussah, bleibt offenbar das was es war. Ein Test. Denn wenn es um die Pflicht geht, kann der VfL wenig bis gar nichts von diesem eigentlich antrainierten Spielelementen umsetzen. Ein Musterbeispiel hierfür ist zweifellos Slawo Freier, der allen voran im Spiel gegen die schottischen Engländer als Mittelfeldmotor auftrat und am gestrigen Abend leider (mal wieder) völlig neben sich stand. Mutlos. Kraftlos. Antriebslos. Doch es wäre unfair Freier gegenüber, ihn alleine hervorzuheben. Er reihte sich wunderbar in die blau-weiße Armee der Verlierer ein, die alle deutlich weniger spritzig und konditionell gut vorbereitet wirkten als die Fortunen, die mit Lauf- und Einsatzbereitschaft den gescheiterten blau-weißen Schönspielern den Schneid abkauften. Mit viel Wohlwollen können Denis Berger und Mirkan Aydin von dieser Generalabrechnung ausgeklammert werden. Denn für erst genannten war der Sprung von der Regionalliga in die Startformation eines 2.-Ligisten offenbar deutlich zu groß und Aydin konnte einem als einzige Spitze fast schon leidtun. Denn da der VfL nach wie vor nicht über einen vernünftigen Spielaufbau, geschweige denn über einen Spielgestalter verfügt, muss sich lonely runner Aydin die Bälle selbst im Mittelfeld holen, um überhaupt ins Spiel eingebunden zu werden. Dass dann natürlich in der Spitze die Anspielstation fehlt, liegt auf der Hand. Insgesamt stellt sich mit Blick auf Aufstellung, Einstellung und System ohnehin die Frage, wie Cheftrainer Friedhelm Funkel überhaupt in Düsseldorf gewinnen wollte. Auch wenn es sich bei der Fortuna um einen GeheimFavoriten für den Aufstieg handeln sollte handelt, muss eine Mannschaft, die selbst Aufsteigen will muss, alles daran setzen, drei Punkte zu holen. Der Auftritt gestern erweckte zumindest nicht diesen Eindruck. Nicht den Eindruck gewinnen zu wollen. Nicht den Eindruck Aufsteigen zu wollen.

Es klingt wunderbar und ist auch völlig unterstützenswert, wenn der neue Sportvorstand Jens Todt Bochum frech und trotzig machen will. Aber dieses Image kann der Verein sich nur auf dem Platz erarbeiten. Aktuell wirkt das auf dem Platz gebotene leider wieder einmal bieder. Mausgrau. Klar fehlt noch das Spielermaterial bzw. befindet sich dieses in der Reha, um spielerisch frech aufzutreten. Und so lange dies der Fall ist, darf zumindest erwartet werden, dass die Mannschaft malocht und sich Siege erkämpft. Allerdings scheint sie derzeit dazu weder mental noch körperlich in der Lage zu sein. Soll die viel gepriesene positive Grundstimmung noch ein wenig an halten, muss sich die Mannschaft in den nächsten beiden Spielen zu Hause gegen den FSV Frankfurt und im Pokal in Rostock anders präsentierten. Sonst ist das Grundvertrauen weg und es brennt bereits Anfang August mal wieder der Baum in Bochum. Denn einzig und allein von einer Euphoriewelle getragen, steigt niemand auf. Aber vielleicht liegt derzeit auch nur ein großer Sack Sand im Getriebe…hoffentlich!

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Responses

  1. […] Sand im Getriebe beim VfL Bochum(Andreas Wiemers) – … derweil geben sich die Profis selbstkritisch nach der 2:0-Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf. […]


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