Verfasst von: Andreas Wiemers | 19. September 2011

Wir leben in einem Albtraum

Immer wenn man denkt, der VfL Bochum 1848 könne einen wirklich nicht mehr negativ überraschen, fallen jenen, die Woche für Woche auf dem Rasen unsere Farben blamieren, doch tatsächlich stets neue Maßnahmen ein, um Tiefpunkt ständig neu definieren zu müssen. Wer dachte, ein Abstiegsplatz in Liga 2 nach dem siebten Spieltag sei der Höhepunkt der Qualen – wozu auch ich gehörte -, muss sich eines Besseren belehren lassen. Tatsächlich grüßt der (selbst-) ernannte Aufstiegsfavorit nach dem achten Spieltag mit der roten Laterne die anderen 35 Bundesligavereine. Zumindest tabellarisch kann es nun keinen neuen Tiefpunkt mehr geben. Ob dies allerdings auch für die sportliche Komponente gilt, ist allerdings fraglich. Denn inzwischen traut man den blau-weißen Versagern sogar zu, den gestrigen peinlichen, charakterlosen, herzlosen und unwürdigen Auftritt noch zu toppen. Es grenzt an Unverschämtheit und Arroganz, wenn mit Ausnahme von Marcel Maltritz dem zahlenden Publikum Arbeitsverweigerung präsentiert wird. Wenn dies die Früchte der Arbeit von Friedhelm Funkel sind, die nach dessen Aussage jemand anders ernten wird, hat der sang- und klanglos gescheiterte Ex-Coach seinem Nachfolger Andreas Bergmann einen Bärendienst erwiesen.

Bergmann, der mutigen Fußball sehen will, war gestern neben den erschütterten angeblichen 10.407 Zuschauern die ärmste Sau im Stadion und konnte nur hoffen, dass seine ausführenden Organe auf dem Rasen bei der Verweigerung ihrer Arbeit wenigstens Windeln getragen haben. So voll waren deren Hosen ab dem Anpfiff. Man kann einfach nur noch beten, dass Bergmann nach diesem Desaster, das für ihn zumindest aufschlussreich gewesen sein soll, Konsequenzen zieht und den Arbeitsverweigerern der Möglichkeit beraubt, dies erneut auf dem Rasen unter Beweis stellen zu dürfen. Insofern bleibt der fromme Wunsch, dass Paderborn und Ingolstadt eine Gemeinsamkeit aufweisen und der Kader nun ebenso wie nach dem 20. November 2010 nicht mehr der gleiche sein wird. Wenn dies unter „aufschlussreich“ zu verstehen ist, ist Bergmann zumindest auf dem richtigen Weg. Denn inzwischen ist ansonsten beim VfL jeder Stein ausgetauscht worden, der auszutauschen ist. Lediglich die Truppe, die in zwei Jahren fünf Trainer mißbraucht hat, ist bis auf wenige Zu- und Abgänge immer noch die gleiche. Die Baustelle liegt nun also klar auf der Hand. Ausreden gibt es keine mehr. Denn einmal mehr haben sie bewiesen, dass ihr Auftreten nicht nur ein Kopf-, sondern vor allem auch ein Charakterproblem ist.

Charakterprobleme haben aber auch Teile der Ostkurve, die zwei bemitleidenswerte Capos versuchten, in Stimmung zu bringen – was durch das Geschehen auf dem Platz konterkariert wurde. Es drängt sich die Frage auf, was bei einigen Kurvenbesuchern zwischen den Ohren passiert, wenn sie gegnerische Tore höhnisch bejubeln und im ersten Spiel des neuen Cheftrainers, einen Trainer aus längst vergangenen Tagen besingen, der nicht ohne Grund keine neue Anstellung mehr findet. Aber immerhin reichten sich Mannschaft und Fans gestern die Hand und überboten sich gegenseitig mit Peinlichkeit. Die Mannschaft bekommt die Fans, die sie verdient. Und umgekehrt.

Summa summarum ein Albtraum, in dem sich – wie es bei Slime in der Live-Performance so treffend heißt – nur die Leber die Hände reibt, denn sie alleine wird der Sieger sein…

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