Verfasst von: Andreas Wiemers | 27. September 2011

PMS

Bald ist es wieder so weit. Was in den Jahren zuvor kabarettistische oder auch aufrührerische Komponenten beinhaltete, steht auch 2011 wieder an. Der VfL Bochum 1848 lädt am 18. Oktober um 19 Uhr mal wieder zur turnusgemäßen Jahreshauptversammlung in den RuhrCongress. Nach den Erfahrungen im letzten Jahr, wo eine Vielzahl der Teilnehmer – einschließlich der Mannschaften – aufgrund des enormen Andrangs nicht diesem „Höhepunkt“ Bochumer Vereinsgeschichte beiwohnen konnten, ist davon auszugehen, dass der VfL heuer direkt den großen Saal angemietet hat, um niemanden von dem Unterhaltungsprogramm auszuschließen. Allerdings dürfte der neue Aufsichtsrat im Jahr 1 nach der Nichtentlastung dieses Mal vermutlich nicht den Versuch unternehmen, mit Abstimmungstricks eine Entlastung herbeizuführen und damit auch Präsidenten von Schmerzgesellschaften nicht dazu animieren, ans Mikrophon zu treten. Trotzdem dürfte auch am 18. Oktober für Unterhaltung gesorgt sein.

Denn obwohl dieser Bochumer Herbst keine Oktoberrevolution vermuten lässt, setzen bei einigen dennoch wieder Prämitgliederversammlungs-Syndrome (PMS) ein, die bisweilen an die komplexen Beschwerden des schöneren Geschlechts in anderen Sachzusammenhängen erinnern. Offenbar hat so manch einer aus den Ereignissen im zurückliegenden Jahr nicht die richtigen Konsequenzen gezogen und ruft immer noch unverblümt zur Nichtentlastung des amtierenden Aufsichtsrates und Vorstandes auf. Scheinbar ist doch noch nicht überall angekommen, dass eine Entlastung keine Fragen des Vertrauens und Bewertung der Arbeit der entsprechenden Organe ist. Allerdings kann gerade nach der zurückliegenden Jahreshauptversammlung zumindest gehofft werden, dass die Mitgliederversammlung nicht erneut die Entlastung instrumentalisiert. Und wer meint, mit der Arbeit von Vorstand und Aufsichtsrat nicht zufrieden zu sein und einen noch nicht abgeschlossenen Entwicklungs- und Veränderungsprozess mittendrin abschließend beurteilen zu wollen, der möge dafür nicht die (anonyme) Entlastung mißbrauchen, sondern einen Antrag zur Beschlussfassung einbringen, der dem entsprechenden Organ das Misstrauen ausspricht. Insofern kann man nun gespannt warten, ob sich „Hans Dampf“ bis zum Antragsschluss am 4. Oktober aus seiner Westline-Deckung wagt…

Neben der Analyse der ersten Bochumer Nicht-Wiederaufstiegssaison und dem sportlichen Gau in der aktuellen Saison dürfte der interessanteste Programmpunkt in diesem Jahr die Satzungsänderung sein. Eine Diskussion dieses Entwurfes, der durch eine Satzungskommission erarbeitet wurde, hat inzwischen auch im Internet begonnen und es zeigt sich, dass einigen der Entwurf mit Blick auf Stärkung der Mitgliederrechte noch nicht weit genug geht. Sicherlich wurden im Rahmen der Satzungsdiskussion auch von mir weitergehende Forderungen hinten angestellt und auf diese im Sinne eines tragfähigen Kompromisses verzichtet. Dass sich nicht jede Forderung 1:1 umsetzen lässt, sollte aber eigentlich jedem bekannt sein, der in einer Gruppe versucht unterschiedliche Interessen in Einklang miteinander zu bringen oder sich monatlich mit dem PMS konfrontiert sieht. Dennoch liegt nun ein Entwurf vor, der die Möglichkeiten der Mitglieder in den Verein hineinzuwirken, deutlich stärkt bzw. schafft. Zum Beispiel:

Aufhebung der Altersbeschränkungen:
Die generelle Altersbeschränkung für die Wählbarkeit in Organe des Vereins wird gestrichen, und das Wahlalter für den Wahlausschuss bzw. der „neuen“ Findungskommission und für den Ehrenrat von 40 auf 35 Jahre gesenkt. Zudem wird die Amtsdauer der gewählten Organe von fünf auf vier Jahre reduziert.

Antragsfristen:
In den zurückliegenden Jahren gab es im Vorfeld der Jahreshauptversammlungen jedes Mal Diskussionen bzgl. der Antragsfristen, die in der alten Satzung lediglich für Juristen verständlich benannt wurden. Diese werden in der neuen Satzung klar und für jeden nachvollziehbar geregelt. Demnach müssen satzungsändernde Anträge fortan bis zum 15. Juli eines Jahres zugestellt sein, während für alle anderen Anträge eine Frist von zwei Wochen vor der Versammlung gilt.

Abberufungsrecht der Mitgliederversammlung:
Gänzlich neu ist die Option, dass die Mitgliederversammlung Aufsichtsratsmitglieder vorzeitig abberufen kann. Dies setzt einen schriftlichen und begründeten Antrag durch zehn Prozent der Mitglieder voraus und eine 2/3-Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Sicherlich sind dies hohe Hürden, die aber um einen Missbrauch vorzubeugen, durchaus gerechtfertigt sind. Einerseits ist die Abberufung eine extreme Maßnahme und andererseits soll vermieden werden, dass fortan Mitgliederversammlungen mit Abberufungsanträgen überschwemmt werden, weil einem zum Beispiel die Frisur von Frank Goosen nicht gefällt, weil dem anderen die Strompreise von Bernd Wilmert zu hoch sind oder weil jemand ein Problem damit hat, dass Hans-Peter Villis gemeinsam mit den Grünen Atomkraftwerke betreibt. Und wenn man ehrlich ist: Sollte wirklich ein wichtiger Grund zur Abberufung vorliegen, kriegt man 400 Unterschriften auch locker zusammen. Gerade im Zeitalter der Onlinemobilisierung.

Wahlausschuss bzw. Findungskommission:
Auch hier wird ordentlich Hand angelegt und allein durch die Namensänderung wird deutlich, dass der ehemalige Wahlausschuss nicht mehr einen diktierenden Charakter haben, sondern ein reines Vorschlagsrecht für die Wahl der Aufsichtsratsmitglieder zu kommen soll. Um die Auswahlkriterien der Findungskommission nachvollziehbarer zu gestalten, werden diese erstmalig in der Satzung festgehalten. Zudem wird die Kommission von drei auf fünf Mitglieder erweitert. Änderungen, die alle im Wesentlichen auf das Engagement von Ernst-Otto Stüber zurückgehen.

Aufsichtsrat:
Abgesehen von der abschließenden Festschreibung des Stimmrechts des Fanvertreters im Aufsichtsrat und der Regelung der Nachwahl ausgeschiedener Aufsichtsratsmitglieder wird in der neuen Satzung der Mitgliederversammlung das Recht eingeräumt, die Mitglieder des Aufsichtsrates auch einzeln wählen zu können. Dies kann die Mitgliederversammlung mit einfacher Mehrheit beschließen. Keine wirklich hohe Hürde, wenn die Findungskommission einen Block vorschlägt, der ein, zwei, drei Personen mitschleppt, die bei den Mitgliedern für Unmut sorgen. Letztendlich wurde hier ein Kompromiss gefunden, der die bekannten Bedenken des Vereins berücksichtigt, gleichzeitig aber eine zentrale Forderung vieler Mitglieder zulässt.

Neben diesen essentiellen Änderungen gibt es darüber hinaus noch zahlreiche Ergänzungen und Neuheiten, die zu einem Entwurf führen, mit dem Verein und Mitglieder in der aktuellen Situation gut leben können. Folglich hat er auch bei dem beispiellosen VfL-Mitgliederforum am 9. April breite Unterstützung erfahren. Wem das aber alles noch nicht weit genug geht oder gerne das Rad zurückdrehen möchte oder den Entwurf gänzlich ablehnt, weil der Punkt x nicht gefällt, sollte es einfach mit einem Änderungsantrag versuchen, der ebenfalls bis zum 4. Oktober eingebracht werden kann, und seine Meinung so zur Abstimmung stellen anstatt einen Prozess gänzlich zu gefährden, der mehr Mitgliederbeteilung und –rechte möglich macht. Denn ansonsten würde lediglich der gänzlich unbefriedigende Status Quo erhalten.

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Responses

  1. Links anne Ruhr (28.09.2011)…

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