Verfasst von: Andreas Wiemers | 15. Oktober 2011

Die Farbe Grau

Während man in Bochum im „ersten“ Leben so lange an den Klassenerhalt glaubt, wie er rechnerisch möglich ist, wollte ich zumindest im „zweiten“ Leben so lange vom Aufstieg träumen, wie auch dieser rechnerisch noch möglich ist. Diese Saison sollte einfach nicht schon nach elf Spieltagen ohne eine Vision, ohne ein Ziel enden. Doch dieser Traum ist nach der gestrigen Niederlage gegen die Eintracht aus Frankfurt endgültig obsolet. Sicherlich ist der Aufstieg rechnerisch immer noch möglich, aber sportlich bin nun auch ich auf dem Boden der Tatsachen angekommen: Der VfL ist endgültig im Mittelmaß der Zweitklassigkeit versunken und kratzt an der Bedeutungslosigkeit. Zumindest in diesem Jahr.

Denn im direkten Vergleich mit dem Aufstiegsfavoriten bemühten sich die blau-weißen Mäuse zwar redlich und einträchtig nicht vom Adler verspeist zu werden, kamen aber nicht an das Niveau der Hessen heran. Deutlich kamen die spielerischen und taktischen Defizite gegen einen clever agierenden Gegner zu Tage, der mit wenig Aufwand einen zu verschnörkelt spielenden VfL schnell und einfach Schachmatt setzte. Letztendlich reicht das spielerische Potential dieser Mannschaft mit einem Flipper im Mittelfeld und ohne rechte Flanke halt nur für Siege gegen den kleineren Nachbarn der Eintracht. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Immerhin sollte nun klar sein, welche personellen Baustellen im Kader dringend bereinigt werden müssen, um wieder „oben“ mitspielen zu können. Dazu kommen noch so einfache Nebensächlichkeiten wie die Chancenverwertung und das Wissen, dass Tore auch mal mit dem Spann erzielt werden dürfen und nicht mit der Innenseite reingeschlenzt werden müssen. Auch die Handlungsoption, Tore von außerhalb des gegnerischen Strafraums schießen zu können, sollte ebenso einfach vermittelbar sein.

Es folgen nun 23 weitere Spiele, die der VfL Bochum 1848 und sein bis lang überzeugendes Trainergespann um Andreas Bergmann und Karsten Neitzel experimentierfreudig nutzen können, eine Mannschaft und ein System aufzubauen, mit der im dritten Zweitligajahr in Folge der nächste Versuch zum Wiederaufstieg gestartet wird. Gesetzt den Fall hätte diese Saison dann wenigstens doch noch einen Sinn. Diesen Prozess wird man sich als Fan fortan entspannt anschauen, sich über Siege freuen, Niederlagen zur Kenntnis nehmen und sich daran erheitern, mindestens alle zwei Wochen Leute zu treffen, mit denen man bei einem fußballerischen Unterhaltungsprogramm eine Menge guten Gerstensaft aus dem Hause Fiege konsumieren kann. Es ist vielleicht auch mal nett und erholsam, eine Saison ohne Druck ausklingen zu lassen und 23 Spieltage lang einfach nur Fußball zu schauen. Soll ja schön sein.

Den „Kick“, den man als Fußballfan braucht, kann man sich dann anstatt in der Meisterschaft im Vereinspokal holen. Vorausgesetzt der VfL verabschiedet sich gegen einen seiner vielen Ex-Trainer nicht auch noch schon am 25. Oktober aus diesem Wettbewerb. Und wenn alle Stricke reißen und wirklich gar nichts mehr bleibt, kann die Fußball-Mafia noch diesen arroganten, parteiischen und fehlerhaften Peter Gagelmann mal wieder nach Bochum schicken, damit man sich als Fan wenigstens über etwas aufregen kann, während man aus der Ostkurve heraus auf die nervig flimmernde und flackernde Werbebande vor der Westkurve starrt. Ansonsten nehme ich mir halt Nähzeug mit und repariere die Klüngel-Fahne, die unter dem 0:2 von Köhler leiden musste. Mit blau-weißem Garn gegen den deprimierend grauen Ligaalltag…

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