Verfasst von: Andreas Wiemers | 19. Oktober 2011

Anne qualmt weiß!

Was hat der VfL Bochum 1848 nach seiner jüngsten Jahreshauptversammlung nicht alles vorzuweisen: zwei neue Ehrenmitglieder, einen neuen Ehrenvorsitzenden des Aufsichtsrates, einen einstimmig entlasteten Vorstand sowie einen einmütig entlasteten Aufsichtsrat, eine neue Satzung und nach Ablauf dieser Saison vermutlich Verbindlichkeiten in Höhe von 3,5 Millionen Euro. Dazu kommt angesichts einer gewissen sportlichen Perspektivlosigkeit – zumindest in dieser Saison – eine äußerst harmonische Jahreshauptversammlung, in der es im ersten Jahr nach Werner Altegoer zu nur insgesamt drei Wortmeldungen kam. Man kann darüber rätseln, ob der Umstand, dass dies eine der ruhigsten Jahreshauptversammlungen der letzten Jahre war, nun dem prinzipiellen Einverständnis mit der Neuausrichtung des Vereins, einer gewissen Nörgelmüdigkeit oder aber einer Gleichgültig- bzw. Ratslosigkeit geschuldet ist. Vermutlich ist es eine Mischung aus allem, spielt aber letztendlich auch gar keine große Rolle. Denn wie und ob der Verein lebt, zeigt sich nicht in der Länge der Jahreshauptversammlungen oder der Anzahl der Wortbeiträge, sondern aufm Platz, im Support der Fans und in den Angeboten des Vereins an seine Anhänger und Mitglieder.

Auch wenn manche Medien immer noch die Mär verbreiten (klick, klack), der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Werner Altegoer und seine weiteren zurückgetretenen Räte seien durch die Mitgliedschaft gestürzt worden und dabei gerne mal verschweigen, dass sich der ehemalige Aufsichtsrat mit seinen Abstimmungstricks sein eigenes Grab geschaufelt hat, zollten ihnen der Verein nebst seinen Mitgliedern bei der gestrigen Jahreshauptversammlung den Respekt, den sich allen voran Werner Altegoer mit seinem Einsatz für den Verein verdient hat. Hierzu gehören auch Heinz Hossiep und Horst Christopeit, die bei der Verleihung ihrer Ehrenmitgliedschaft stehende Ovationen ernten konnten. Gleiches wäre Altegoer, der nunmehr Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates ist, sicherlich auch von selbst widerfahren und hätte keiner Aufforderung bedurft, wenn nicht „Laudator“ Werner Hansch mit seinen peinlichen Ausführungen fast dazu beigetragen hätte, dass die Stimmung kippt. Aber anstatt kippender Stimmung schaltete man einfach den Apparat zwischen den Ohren für die Dauer der Laudatio aus und erhob sich danach von selbst und ohne unnötige Regieanweisung von den Plätzen. Abgesehen von der Tatsache, dass ein bekennender Ückendorfer auf einer VfL-Jahreshauptversammlungen Reden darf bzw. zum Leidwesen der anwesenden Mitglieder „muss“, wird man es vermutlich dem Alter zurechnen müssen, dass Hansch zu Beginn noch nicht einmal wusste, wo er war und Altegoer in „Dort…Bochum“ verortete. Schon allein das spricht für sich. Also ein absoluter Fehleinkauf des VfL, dem man aber offenbar nicht dem Vorstand anlasten muss. Aber zumindest beim Adressaten scheint die ultimative Lobhudelei angekommen zu sein, der im Anschluss an die Laudatio seine Urkunde sichtlich gerührt im Empfang nahm. Und somit hat die Laudatio ihr Ziel erreicht, auch wenn sie bei anderen Kopfschütteln hervor rief. So haben Jahreshauptversammlung und Altegoer ein Jahr danach ihren Frieden geschlossen.

Dass Jahreshauptversammlungen beim VfL nicht zwangsläufig ein Pulverfass sind und man die sportlich graue Perspektive bei der Meinungsfindung über die Arbeit von Aufsichtsrat und Vorstand ausblenden kann, bewies die nüchtern-sachliche Reaktion der anwesenden Mitglieder auf die Berichte des Aufsichtsrates und des Vorstandes. Offenbar erkennt man an, dass sich der VfL auf einem neuen Weg befindet, der noch nicht abgeschlossen ist und daher noch nicht wirklich bewertet werden kann. Allerdings wähnt man sich bei den handelnden Personen, die zukünftig auf

1. Förderung des eigenen Nachwuchses,
2. eine enge Beziehung zu Fans und Mitgliedern,
3. das Bekenntnis zur Tradition,
4. die Verankerung des Vereins in der Stadt und der Region

bauen wollen, richtig aufgehoben. Entsprechend wurde der Vorstand auch einstimmig entlastet, während der Aufsichtsrat eine Enthaltung hinnehmen musste. Ob diese Enthaltung der Personalie Hansch geschuldet war, ist allerdings reine Spekulation des Autors…

Ebenso unstrittig, mit lediglich neun Enthaltungen, verabschiedete der VfL eine neue Satzung, die Mitgliederrechte und -beteilungsmöglichkeiten stärkt. Erstaunlich viel weißer Rauch stieg also gestern aus den Schornsteinen des RuhrCongress, der lediglich durch die mangelnde Perspektive, bereits in diesem Jahr in die Erstklassigkeit zurück versetzt zu werden, getrübt wurde. Wobei irgendwie passt das aber auch zu einem Verein, dessen Jahrhundertspiel ausgerechnet eine Niederlage ist. Aber vielleicht lässt sich dies sogar schon in dieser Saison ändern: mit einem Sieg gegen die Bayern im DFB-Pokalfinale am 12. Mai 2012 in Berlin…

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Responses

  1. Der Kommentar passt zwar nicht ganz zum übergeordneten Thema, aber wenn Du schon das Fass „DFB Pokal“ aufmachst:

    Fakt ist, dass nur noch eine gute Pokalsaison den Ausverkauf und den Sog in die Abwärtsspirale verhindern kann, welche uns aufgrund von erzwungenen Spielerverkäufen dauerhaft ganz klein und mittelfristig praktisch unaufsteigbar halten würde. Insofern stellen die kommenden Pokalspiele zwar keine Jahrhundertspiele, aber durchaus Schicksalsspiele für den VfL Bochum dar !

    Nur eine Teilnahme am Achtelfinale – und einem attraktiven Gegner in der nächsten Runde würde mich ob der bedenklichen finanziellen Entwicklung ruhiger schlafen lassen. Mein Traumlos für die nächste Runde wäre ein Achtelfinale auf Schalke – denn dort ist das Stadion selbst dann voll, wenn nur das Flutlicht eingeschaltet wird und die Einnahmen werden brüderlich geteilt.

    Jede Runde, die überstanden wird bringt Geld für die ausbleibenden Zuschauereinnahmen. Ab dem Viertelfinale könnte man sogar darüber spekulieren, ob nich der eine oder andere Lesitungsträger (Inui) noch ein weiteres Jahr gehalten werden kann. Also Her Bergmann: Falls Sie sich noch nicht mit der traurigen Pokalhistorie des VfL auseinandergesetzt haben: Bitte trichtern Sie Ihren Spielern ein, dass es sich dabei um einen überlebenswichtigen wettbewerb handelt, der nicht wie in den vergangenen Jahren lapidar abgeschenkt werden darf!

    Und für alle Fans heißt es: Daumen drücken am Dienstag und hoffentlich auch noch bei der anschließenden Auslosung!

  2. Abgesehen von Tese, den man im Winter verkaufen müsste, um noch eine Ablöse zu erhalten, sehe ich nicht, dass der VfL zu Spielerverkäufen gezwungen ist. Entscheidender wird mE sein, dass man auslaufende Verträge mit Spielern, deren Zenit überschritten ist, nicht mehr verlängert und den Neuaufbau auch da fortführt. Dazu gehören dann ggf. auch „Brocken“ wie u.a. Bönig und Dabrowski.

    Nee, Sch***e will ich nicht. Gegen die war ich mental schon mal ne Runde weiter. Endstand: 0:3 😦

  3. Naja, die Frage ist immer, was danach kommt.
    Was Bönig angeht pflichte ich Dir schweren Herzen bei, er hatte einfach das Pech sich zu verletzten, als es mit ihm spielerisch bergauf ging. Darbrowski ist wertvoller für die Mannschaft als viele denken. Gegen Pauli hat man´s deutlich gesehen. Freier, der häufig im Zusammenhang mit den beiden genannt wird, spielt die beste Saison seit langem – auch ihn sollte man behalten. Junge Spieler sind nicht immer eine Garantie dafür, dass es auf der jeweiligen Position auch besser läuft – bestes Beispiel ist wohl „Pferdefuß“ Kopplin, der seine Flanken von Rechts in schöner Regelmäßigkeit in die 5. bis 10. Reihe der gegenüberliegenden Tribüne zirkelt – oder auch Kevin Vogt, den ich Lichtjahre von einer Zweitligatauglichkeit im Mittelfeld entfernt sehe. Aydin ist sicherlich auch nicht im Stande, einen gesunden und motivierten Tese zu ersetzen.

    Die meisten Nachwuchsspieler haben aus meiner Sicht (noch) nicht die Qualität, den VfL sicher in der 2.Liga zu halten. Herausragende Nachwuchspieler werden vermutlich schon Bald mit lukrativen Angeboten konfrontiert werden – Teufelskreis …

    Ein paar erfahrene Haudegen muss man schon behalten. Dazu zähle ich z.B. Darbrowski, Johansson, Freier und Maltritz.

    An das Pokalspiel nach Kollers Entlassung kann ich mich erinnern – in der Tat sehr ernüchternd – ich glaube aber nicht, dass es momentan gegen irgendeinen Bundesligisten anders laufen würde. Erstmal Haching überstehen… das wird schwer genug…

  4. Schön das einer die Peinlichkeit des Hanschen Auftrittes anspricht. Ich bin mir auch sicher das Altegoer nicht aufgrund der Laudatio, sondern eher trotz dieser gerührt war.


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