Verfasst von: Andreas Wiemers | 30. Oktober 2011

Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode

Wie schön wäre es als Zuschauer beim VfL Bochum 1848 mal nicht voll und ganz auf seine Kosten zu kommen und ein Spiel ohne Spannungsbogen bis zur 92. Minute im heimischen Ruhrstadion erleben zu müssen. Doch vielleicht lag es an der erneuten Präsenz von Ex-Coach Friedhelm Funkel, die die Mannschaft dazu animierte, getreu dem FF die eigenen Anhänger bis zum Schlusspfiff auf die Folter zu spannen und zu quälen. Denn was zumindest in der ersten Halbzeit gegen die Alemannia aus Aachen noch ganz gefällig aussah, verpuffte in Halbzeit 2 in einem Anti-Funkel-Fußball par excellence. Der VfL überlies dem Gegner Platz, Raum und Ball und hoffe, mit dem goldenen Konter für die endgültige Entscheidung zu Sorgen.Allerdings ging der Plan nicht auf, aber er ging auch – Ata Lameck sei Dank – nicht nach hinten los. Denn die Kartoffelkäfer waren an diesem Abend blöd genug, die ihnen dargebotenen Einschussmöglichkeiten nicht zu nutzen oder aber scheiterten an Andreas Luthe, der offenbar nichts von dem Plan seiner Teamkollegen wusste, Funkel seinen eigenen Fußball vor Augen zu führen. Irgendwann kurz vor Schluss muss – vielleicht bei einer schwarz-gelben Ecke – einer der Mannschaftskollegen Luthe den Plan dann doch noch gesteckt haben und Luthe reagierte sofort. Den Stellungsfehler in der Defensive nahm er gekonnt zum Anlass, den heranstürmenden Kartoffelkäfer im eigenen 16er von den Beinen zu holen und dem Gegner mit einem Elfmeter eine weitere Tor- und Ausgleichschance zu ermöglichen.

Alternativ könnte sich Luthe aber auch an das Rückspiel in der zurückliegenden Saison erinnert haben, wo die Schwarz-Gelben gleich zwei geschenkte Elfmeter verballerten, und damit eine ganz besonders bizarre Art von Humor und Psychoterror gegenüber dem Gegner offenbart haben. Denn in Gedanken an diese absurden 120 Sekunden und getragen von dem Wissen an die eigene Unbesiegbarkeit aus elf Metern lud er den Gast erneut zum Elfmeterschießen ein und avancierte damit abermals gegen Aachen zum blau-weißen Helden und schwarz-gelben Albtraum. Allenfalls seine Kollegen Christoph Kramer, Marcel Maltritz, Jonas Acquistapace und, ja auch Giovanni Federico dürfen über Luthes Drang nach Profilierung ein wenig enttäuscht gewesen sein, da dies ihre eigentlich gute Leistung in den Hintergrund rückte. Hingegen können sich die beiden Außenverteidiger Matthias Ostrzolek und Björn Kopplin, die erneut nicht am Spielgeschehen teilnahmen, bei unserer Nummer 1 bedanken, dass ihre „Leistung“ aufgrund der Präsenz von Luthe und dem bleibenden Eindruck der letzten 120 Sekunden nicht entsprechend „gewürdigt“ wird und in Vergessenheit gerät. Aber vielleicht brachte Kopplin (oder Ostrzolek) Luthe auch ganz bewusst auf den perfiden Plan, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen…

Was bleibt ist ein VfL, der mit dem jüngsten Sieg den Anschluss an das zweitklassige Mittelmaß geschafft hat und sich dort hoffentlich behaupten wird, um sich voll und ganz auf das Achtelfinale im DFB-Pokal kurz vor Weihnachten zu Hause gegen den FC Bayern München konzentrieren zu können und endlich mal wieder im Pokal zu überwintern. Denn der Pokal hat ja bekanntlich seine eigenen Gesetze! Zumindest rede ich mir das so lange ein, bis Luthe im Elfmeterschießen mal wieder sein Talent beweisen konnte…

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