Verfasst von: Andreas Wiemers | 23. November 2011

Erwartungshaltung zu groß: Irren ist fanlich

Offenbar habe zumindest ich mich in der Hoffnung getäuscht, mit der personellen Neuaufstellung des Vereins sei auch endlich Schluss mit der selbstverbreiteten Mär über die vermeintlich zu hohe Erwartungshaltung der eigenen Fans. Aber irren ist bekanntlich menschlich fanlich. Denn was Angestellte und Offizielle des VfL Bochum 1848 in den zurückliegenden Jahren alles geäußert haben, um über die Medien die Öffentlichkeit über die Einstellung der VfL-Fans zu täuschen

„Ansgar Schwenken, Finanzvorstand des VfL, vermutet in der Anhängerschaft eine Erwartungshaltung und ein Anspruchsdenken, das keine realistischen Züge mehr trägt.“ (klick)

„«Man will intern nicht sehen, was Externe wahrnehmen: Dass es mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nur um den Klassenerhalt gehen kann. Das will man in Bochum nicht hören und ist nicht bereit, das anzunehmen», sagte Koller. Er selbst habe sich nach vier Jahren kaum etwas vorzuwerfen.“ (klick)

„Mehr geht nicht. Wir müssen froh sein, Erste Liga geboten zu kriegen und die Spitzenvereine zu Besuch zu haben. Das ist unsere Situation“, meint der 75-Jährige. Diese Botschaft aber zur Mehrheit des eigenen Anhangs transportiert zu bekommen, „kriegen wir offenbar nicht gebacken“. Dass die jüngsten Leistungen auch seinem Anspruchsdenken nicht entsprachen, verhehlt Altegoer allerdings nicht.“ (klick)

„Die Protestaktion der Fans muss ich nicht nachvollziehen können: Sie verstehen uns nicht, da muss ich sie auch nicht verstehen.“ (klick)

muss offenbar doch so nachhaltig gewesen sein, dass es selbst bei den Neueinstellungen im Unterbewusstsein haften geblieben ist. So äußerte sich der Neueinkauf für die Trainerbank nach der jüngsten, für Fans, Trainer, Mannschaft, Medien und Offiziellen gleichermaßen enttäuschenden Niederlage gegen die Freunde aus Ostdeutschland wie folgt:

„Natürlich kann ich die Enttäuschung unserer Fans verstehen“, meinte VfL-Trainer Andreas Bergmann, „aber hohe Erwartungshaltungen sind nicht immer zu erfüllen.“ (klick)

Welche zu hohe Erwartungshaltung Andreas Bergmann dabei gemeint haben könnte, wird leider nicht konkretisiert und bleibt nebulös. Sollte er die Erwartung gemeint haben, dass man eine Mannschaft sehen will, die sich 90 Minuten den Allerwertesten aufreißt, die Lunge aus dem Leib rennt und im Anschluss vom Platz getragen werden muss, unterstelle ich einfach mal, dass dieser Anspruch nicht mit der Erwartung von Trainer, Vorstand und Aufsichtsrat kollidiert. Ansonsten müsste Housten nämlich ein Problem gemeldet werden. Wenn allerdings gemeint sein sollte, der gemeine Fan erwarte, dass Energie Cottbus mit attraktivem Offensivfußball 4:0 vom Platz gefegt wird, stellt sich die Frage, wo und von wem dieser vermeintlich Anspruch abgeleitet wurde. Denn gegen Cottbus erwartet das niemand. Auch nicht gegen Braunschweig. Höchstens im DFB-Pokalviertelfinale gegen den FC Bayern.

Aber vermutlich ist mein durchweg sympathischer Namensvetter da nur unbewusst in ein viel zu großes Fettnäpfchen getreten. Da sich die Mär von den hohen Ansprüchen aber offenbar in so manchen Nischen zwischen den Ohren eingenistet haben muss, ist der Verein nun gefordert, offizielle Gegenmaßnahmen einzuleiten. So sollte in den Arbeitsverträgen ein Passus aufgenommen werden, der es Angestellten während und auch nach ihrem Beschäftigungsverhältnis beim VfL unter Androhung von Strafgeldern untersagt, die Wörter „Erwartungshaltung“, „Anspruch“, „hoch“ und „Fans“ in einem Zusammenhang zu nennen. Ferner sollten die Wörter aus dem Sprachschatz verbannt werden und als Unwörter des Jahres des Jahrzehnts des Jahrtausends gebrandmarkt werden. Denn beim gemeinen VfL-Fan stoßen sie nur auf Unverständnis und treiben ihm/ihr die Zornesröte ins Gesicht. Gefallen finden sie höchstens bei Leuten, die bei Sport.1 bzw. Sky kommentieren, für eine Ruhrgebietszeitung mit dem Schwerpunkt Sport schreiben oder Leute verblöden: „Auch die VfL-Anhänger sind oft das Letzte. Seit Jahren giften und hetzen sie gegen eigenen Spieler.

Welch Geistes Kind die Erwartungshaltung der VfL-Fans wirklich prägt, sollte beim VfL bis hin zum Zeugwart – ohne diesem nun zu nahe treten zu wollen – inzwischen jedem hinlänglich bekannt sein: wenn nach 90 Minuten jedes Trikotpartikel verdreckt ist und die Mannschaft alles gegeben hat, rückt selbst die Frage, ob die Anzeigetafel nun Sieg oder Niederlage vermeldet, in den Hintergrund. Und dieser Anspruch und diese Erwartung dürften doch wohl nicht zu hoch sein…

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