Verfasst von: Andreas Wiemers | 28. November 2011

Totgesagte leben nicht immer länger

Eigentlich müsste ich mich ob meines letzten Blogbeitrages bei Trainer, Vorstand und Aufsichtsrat des VfL Bochum 1848 entschuldigen und eingestehen, dass meine Erwartungshaltung in Bezug auf und meine Anforderung an diese „Mannschaft“ schlichtweg zu groß sind. Ich gestehe ein, bis zum gestrigen Spiel tatsächlich erwartet zu haben, dass diese Mannschaft, der es immer wieder gelingt, unsere Farben ständig neu zu blamieren, im Mittelmaß der zweiten Bundesliga versinkt. In der Tat hatte ich gedacht, dass diese elf Individualisten, die in der vergangenen Saison nur ganz knapp den Aufstieg verpasst haben, nichts mit dem Abstiegskampf in dieser Saison zu tun haben dürften. Doch zu meiner Schande muss ich nun bekennen, mich absolut getäuscht und meine Erwartung viel zu hoch geknüpft zu haben. Wie konnte ich nur davon ausgehen, dass diese elf Mannen und ihre Ergänzungsspieler als Mannschaft inzwischen schon so schlecht geworden sind, dass sie nicht einmal im Niemandsland der zweiten Liga unter kommen, sondern stattdessen in den Abstiegssog geraten.

Allerdings hoffe ich insgeheim, dass jene Verantwortlichen nicht ebenso ratlos wie ich vor dem sportlichen und menschlichen Scherbenhaufen stehen, den diverse Fehlplanungen in Bochum hinterlassen haben und sich nicht auch von einer zu großen Erwartungshaltung in die Irre führen ließen. Die Forderung, in dieser Saison 66 Punkte einzuspielen, spricht allerdings nicht dafür – oder aber sie war Teil eines perfiden Ablenkungsmanövers.

Nun sind sie, die bei Vertragsverlängerungen am längeren Hebel sitzen, gefordert. Denn von Seiten der Fans wurde inzwischen alles versucht, diese Mannschaft wachzurütteln und zwischen ihren Ohren zu implementieren, dass sie ihren gut bezahlten Job nicht nur für ihr Bankkonto, sondern auch als Vertreter dieses einst so stolzen Vereins mitsamt seiner Fans, also uns, ausüben. Doch rückblickend liest sich das Maßnahmepaket wie ein Protokoll des Scheiterns:

– man hat ihnen Zucker in den Arsch geblasen und versichert, dass man auch bei Fehlschlägen hinter ihnen steht
– man hat sie beim Abschlusstraining besucht, ihnen Mut zu gesprochen und Feuer unterm Arsch gemacht
– man hat ihre Leistung völlig zu Recht missachtet und sich wichtigeren Dingen gewidmet
– man hat ihre Leistung mit Schweigen quittiert
– man hat versucht sie körperlich wachzurütteln
– man hat ihren Chefs den Marsch geblasen
– man hat sich selbst lächerlich gemacht und die Tore des Gegners im heimischen Rund gefeiert
– man wollte lieber eisgekühlten Bommerlunder als den Versagern weiter auf dem Rasen beim Scheitern zuzusehen
– man kommt kurz vor Weihnachten zusammen, um gemeinsam gegen den FC Bayern Weihnachtslieder zu singen. Schön, dass sich dies noch in diesem Jahr wiederholt.
– man hat Einzelne für das Scheitern aller verantwortlich gemacht und lag damit gründlich daneben
– man hat sie verhöhnt und lieber bei fünf Punkten Vorsprung auf den Nichtabstiegsplatz in Liga 2 die alten UEFA-Cup-Gesänge gefeiert
– man hat sie ausgepfiffen, ausgebuht und zum Kämpfen aufgefordert.

Doch was bleibt, ist das Eingeständnis, dass all dies nichts gebracht hat. Auch hier war die Erwartung einfach zu groß. Wie kann man auch nur denken, mit einer dieser vielen Maßnahmen das Herz einer Mannschaft zu erreichen, die kein solches hat. Stattdessen waren es Elektroschocks für einen toten Organismus. Appelle an die Ehre verhallten in einer leblosen Masse, die kein Ehrgefühl kennt – weil es sich nicht in Geld messen lässt.

Vielleicht mag es unter ihnen Wenige geben, die sich noch mit dem Verein und seinen Fans identifizieren und diesen etwas zurückgeben wollen. Aber gegen die unzähligen grauen Herren, diesen Zeitdieben ohne Charakter, Courage und Anstand findet sich einfach kein Durchkommen. Zu groß ist die Konformität in der Armee blau-weißer Verlierer. Zu gering ist der Bezug zum Arbeitgeber. Denn größtenteils hat sich der VfL Söldner ohne jegliche Loyalität angemietet– mit Ausnahme jener zu ihrer Karriere und ihrem Kontostand. Blöd ist nur der Unterschied zu Endes grauen Herren, dass das Auftreten unserer grauen Herren doch in Erinnerung bleibt.

Dieser bitteren Erkenntnis hat der Verein in den zurückliegenden Wochen versucht gegenzusteuern, in dem er den Treugläubigen in der Kurve weiß machen wollte, was für nette Jungs der VfL im Kader habe, die niemanden enttäuschen wollen und wie sie sehr selbst unter Niederlagen leiden und sich danach hinterfragen. Bekanntlich ist „nett“ ja auch der kleine Bruder von „sch***e“. Vermutlich haben diese duften Typen auch nicht die Absicht eine Mauer zu bauen die Leistung zu verweigern. Und wahrscheinlich leiden sie auch nur, weil der minimale Aufwand mal wieder nicht für Punktprämien gereicht hat. Ein schlechtes Gewissen gegenüber all jenen, die viel Zeit, Geld und Aufwand auf sich nehmen, um ihnen beim Versagen zu zusehen, kann es nicht sein. Sonst wäre man doch bestimmt in den letzten Jahren aus Spielerkreisen wenigstens einmal auf die Idee gekommen, für so manch desaströsen Auftritt den Anhang mal zu entschädigen. An sportliche Leistung soll dabei gar nicht erst gedacht werden.

Es bleibt nun die Hoffnung, dass diese resistenten „Helden“ wenigstens zu blöd zum Absteigen sind und der Wunsch, im nächsten Jahr möglichst wenige aus dieser Gurkentruppe in den Farben meines Vereins wiederzusehen zu müssen. Denn deren Lethargie und Teilnahmslosigkeit kotzt mich an. Man muss es sich verdienen, das Trikot des VfL Bochum 1848 tragen zu dürfen! Aber vielleicht ist diese Anforderung auch zu hoch. Denn ein Trikot und die Anerkennung, die man sich für das Tragen verdienen kann, sind für einen Spieler nicht so beliebig wie die allmonatliche Gehaltszahlung vom x-beliebigen Arbeitgeber.

[Zensiert wegen fortlaufender Beleidigungen] Danke für nichts! Totgesagte leben nicht immer länger. Manchmal sind sie auch einfach nur schon tot.

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Responses

  1. sign !!!!


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