Verfasst von: Andreas Wiemers | 5. Dezember 2011

Balsam für die blau-weiße Seele

Der 0:1-Niederlage zu Hause gegen Cottbus und der 4:0-Klatsche in Braunschweig folgte nun ein Kantersieg im heimischen Ruhrstadion gegen die Gäste aus dem Erzgebirge. Mit sechs zu null schickte man die Lila-Weißen, die dieses Mal in einem grellen Gelb daher kamen, wieder zurück nach Aue. Den Ergebnis- und Leistungsschwankungen in dieser Saison fügte der VfL Bochum 1848 damit ein weiteres Highlight hinzu. Beständig bewegt sich der VfL anno 2011/12 zwischen den Extremen, die von Leistungsverweigerung und einem sportlichen Offenbarungseid hin zu ansehnlichen Offensivfußball mit bester Chancenverwertung geprägt sind. Welches dieser Gesichter der blau-weiße Anhang am Spieltag zu sehen bekommt, ist stets ein Buch mit sieben Siegeln und vermutlich ist eine Wundertüte berechenbarer als das Leistungsgefälle beim VfL. Stabilität und Kontinuität sind in Bochum derweil (noch) keine Eckpfeiler, sondern Wörter, auf die man in Interviews stößt.

Eigentlich wäre so ein 6:0-Kantersieg ein guter Anlass für große Emotionen und einem schier unerträglichen Triumphgeheule. Doch irgendwie will sich der Zustand wie bereits gestern im Stadion nicht herbeiführen lassen. Selbst die Feierlichkeiten zwischen Fans und Mannschaft nach dem Spiel wirkten ob dieses herausragenden Ergebnisses eher distanziert und kühl. Offenbar sind in der enttäuschenden Hinrunde, die zumindest einen versöhnlichen Abschluss fand, und allen voran in den letzten beiden blamablen Auftritten Unmengen an Porzellan zerschlagen. Auf einem Scherbenteppich feiert es sich halt schlecht. Aber immerhin hat die Mannschaft jene wackeren Fans entschädigt, die trotz der indiskutablen Auftritte in den letzten Wochen auch gegen Aue noch den Weg ins Stadion gefunden hatten. Belohnt wurden diese angeblich 9.661 Zuschauer mit zum Teil sehenswert herausgespielten Toren und einem Gala-Auftritt von Faton Toski, der gemeinsam mit Mirkan Aydin den leistungsbedingten Teamumbau für sich und seine zukünftige Präsenz in der Startformation nutzen konnte. Fast schon ironisch mag es klingen, wenn trotz eines 6:0-Sieges die Defensivarbeit immer noch den meisten Grund zur Sorge verbreitet. Denn dass der Gegner so klar geschlagen wurde, ist einmal mehr Andreas Luthe zu verdanken, der Ausgleich- und Anschlusstreffer mit glänzenden Reflexen verhinderte und die Fehler seiner Vorderleute mal wieder ausbügelte. Ebenso einfach, wie es der VfL sich selbst machte, die Tore zu erzielen, machte er es bisweilen auch dem Gegner. Nur wusste dieser nicht damit umzugehen.

Was der Sieg fußballerisch Wert war, wird sich zeigen, wenn am kommenden Samstag mit Fortuna Düsseldorf eine spiel- und abschlussstärkere Mannschaft auf ihrem Weg ins Oberhaus an der Castroper vorbeischaut. Und was der Sieg charakterlich Wert war, zeigt sich in zwei Wochen, wenn der mausgraue Ligaalltag für den VfL beim FSV Frankfurt zuschlägt. Zumindest darf man gespannt sein, von welcher Seite sich der VfL dann präsentiert und ob er gewillt ist, seine schäbige Maske endgültig abzulegen. Denn dass sie es können, haben sie bewiesen. Fragt sich nur, ob sie es auch immer wollen…

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