Verfasst von: Andreas Wiemers | 21. Dezember 2011

Der VfL ist wieder da!

Zwischen Depression und Euphorie schwankte die Stimmungslage der VfL-Fans nach der Auslosung des Achtelfinales im DFB-Pokal, wo dem VfL Bochum 1848 der deutsche Rekordmeister aus München zugelost wurde. Entweder wurde befürchtet, aus dem eigenen Stadion geschossen zu werden oder aber das Pokalwunder herbeigesehnt. Und obwohl keine dieser Erwartung eingetreten ist, ist die Stimmungslage immer noch die gleiche. Denn was die blau-weißen Versager Helden gestern auf den Rasen zauberten, übertraf Erwartungen und Befürchtungen gleichermaßen. Eine in Löwen-Blau aufopferungsvoll kämpfende und vor allem mitspielende Bochumer Mannschaft stellte sich gestern Abend den von Titel zu Titel fliegenden Minder-Österreichern in den Weg und leistete den Eindringlingen erfolgreich Widerstand. Dafür muss man nicht nur jenen danken, die auf dem Rasen würdig unsere Farben vertreten und für sie gekämpft haben, sondern auch dem Trainerteam um Chef-Coach Andreas Bergmann, das die Elf sowohl mental als auch taktisch bestens auf die rot-weiße Herausforderung eingestellt hatte.

Denn obwohl die Bochumer Defensive nicht unbedingt für ihre Stabilität bekannt ist, lies man gegen die bayerische Torfabrik kaum Chancen zu. Und obwohl der VfL in der zurückliegenden Hinrunde des Öfteren bewiesen hatte, mit dem Spielaufbau Probleme zu haben, versuchte man immer wieder frech gegen die bayerische Torverhinderungsfabrik Akzente zu setzen und die Bayern zu Fehlern zu zwingen (sic!). Leider führte dies aber nur einmal innerhalb der 90 Minuten zum Erfolg. Doch wie der Führungstreffer in der 26. Spielminute durch Giovanni Federico herausgespielt und erzielt wurde, erinnerte fast schon an Zeiten, in denen die blau-weiße Welt durch Zaubermäuse beeinflusst wurde. Dieses Ereignis sorgte nicht nur für überschwappende Stimmung auf den Tribünen, wo so manche Bierdusche ad hoc und unfreiwillig spendiert wurde, sondern sorgte auch für einen zusätzlichen Motivationsschub bei den Spielern, die nun mit 1848 Prozent für ihren eigenen und unser aller Erfolg kämpften.

Allen voran unsere Innenverteidiger wuchsen dabei über sich hinaus und es wurde klar, dass Marcel Maltritz einfach richtige Gegner und keine Opfer wie Nick Proschwitz und Sascha Rösler braucht, um sein Potential abzurufen, und Jonas Acquistapace ganz dringend einen von ihm selbst und der Kurve akzeptierten Spitznamen braucht, damit man seine Leistung auch endlich einmal mit entsprechenden Chören huldigen kann. Aber ihre Leistung wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht auch Federico, Takashi Inui, Chong Tese und Mirkan Aydin wie auch Christoph Kramer und Co. KG. so exzellent gegen Ball und Gegner gearbeitet hätten.

So überstand man auch den bayerischen Druck nach dem Wiederanpfiff, in dem die Bayern irgendwo zwischen Elbe und Isar ob der Bochumer Qualität relativ ideenlos versuchten, den Ausgleich zu erzielen. Dass dieser in der 52. Spielminute dann doch zustande kam, war leider einem Fehler in der Zuordnung geschuldet. Doch nahm nach diesem Treffer weder der Bayern-Express Fahrt auf, noch fiel das blau-weiße Kollektiv auseinander. Stattdessen setzte der VfL unterstützt von seinen Anhängern konsequent seinen Weg fort und auch Trainer Bergmann setzte mit seinen Einwechselungen konsequent auf Sieg. An dieser Stelle mag ich mir nicht vorstellen, wie man wohl unter Funkel und/oder Koller aufgetreten wäre. Und wer konnte schon ahnen, dass man sich in der Nachspielzeit mit einem selten dämlichen Querpass Fehlpass selbst um die verdiente Ernte namens Verlängerung bringt. So das ausgerechnet dieser >{~“±»÷ Holländer in der Nachspielzeit doch noch für das unverdiente Ausscheiden des VfLs aus dem DFB-Pokal sorgte. Das war übrigens nach der 52. Spielminute der zweite Moment während des ganzen Spiels, wo die ansonsten schweigsamen Anhänger von Titel und Trophäen durch Lautstärke auffielen und eindrucksvoll die These unterstrichen, dass der FC Bayern keine Fans sondern nur Zuschauer hat.

Was bleibt ist die Gewissheit, dass der VfL auch im dritten direkten Vergleich mit einem Bundesligisten mithalten konnte, so Angsthasenfußballern wie jenen aus der Domstadt am Rhein aufgezeigt hat, wie man gegen die Bayern spielt und dabei deutlich besser aufgetreten ist, wie so mancher Bundesligist und Champions-League-Teilnehmer, wenn es gegen den vermeintlichen Stern des Südens geht. Und so langsam wächst aus der bitten Enttäuschung ein unglaublicher Stolz auf diese Mannschaft, die endlich wieder als Einheit auftritt und Fußball im wahrsten Sinne des Wortes spielt. Es bleibt zu hoffen, dass möglichst viele der gestrigen 29.299 Zuschauer diese Entwicklung honorieren und nicht nur ins Ruhrstadion kommen, wenn es Topstars zu sehen gibt, sondern der Mannschaft und dem Verein auch in 46 Tagen die Ehre erweisen und den völlig verdienten Respekt zollen, wenn es im biederen Zweitligaalltag gegen die Kogge aus Rostock geht. Der VfL ist wieder da. Nun müssen seine Fans folgen.

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Responses

  1. […] dass der VfL Bochum noch ein weiteres Quentchen mehr ‘rausgeholt hat. Man kann sagen – der VfL Bochum ist wieder da! und mit der gestern gezeigten Leistung sollte der VfL Bochum sich in der 2. Liga noch weiter nach […]


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